Die schnelle Fünfzehn

Egal ob im Büro oder Haushalt, bei der Kinderbetreuung oder einem Wohnungsumzug. Alle kennen diese Phasen, da kann man sich drehen und wenden, überall warten nur Dinge, die zu erledigen sind. Die Entscheidung, wo man anfangen soll, fällt schwer und der ganze Berg macht einen vom Ansehen (bzw. Erspüren) allein schon müde. Am besten liegenbleiben und gar nichts tun. Alte Überlebenstaktik: tot stellen.

Irgendwann und irgendwo hab ich ein Prinzip aufgeschnappt, das für mich in dieser Situation sehr erlösend funktioniert. (Die beiden „irgend…“ am Satzanfang deuten darauf hin, dass ich leider zu keiner korrekten bzw. genauen Quellenangabe in der Lage bin. Ich bin allerdings zuversichtlich, dass es trotzdem funktioniert!)

Die schnelle Fünfzehn nennt sich die Taktik, welchee einen quasi von den Toten erweckt und sie ist in einem Satz erklärbar.

Fünfzehn Minuten lang erledigt man nur Dinge, die maximal eine Minute in Anspruch nehmen.

Also Altpapier vom Tisch in den Sammelbehälter (kommt natürlich darauf an, ob der unterm Tisch steht oder zwei Straßen weiter…), Füße rasieren, klebrige Hände waschen, Termin in der Werkstatt vereinbaren, zur Toilette gehen, Waschmaschine füllen und einschalten, Tisch abwischen, Stifte in den Stiftbehälter, Fenster auf, umziehen (ohne den Auswahlprozess gerechnet!), erledigten Arbeitsauftrag vom eigenen Schreibtisch zum nächsten bringen, Kompost entsorgen, Augen zu und durchatmen, hinsitzen und eine Entscheidung fällen, Blumen gießen.

Waren das fünfzehn? Jedenfalls ist schon wieder einiges erledigt und man (ich zum Beispiel) kommt wieder in den Schwung, um etwas anzugehen.

 

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Lasciate ogni speranza!

(Lasst alle Hoffnung fahren! – Zitat aus Dante Alighieris Die göttliche Komödie)

 

Janice Jakait – die Frau, die über den Atlantik gerudert ist – hat mich zu diesem Thema gebracht. Sie macht den Vorschlag, nicht in der Hoffnung zu leben. Ja, ich weiß. Anfangs fragte ich mich auch, was daran falsch sein soll.

Stattdessen wähle man das Vertrauen. Es befriedet die Zukunft.

Je mehr ich es in meine Tage einfließen lasse, umso mehr staune ich über diese Wahrheit, die so einfach ist.

Übrigens: Vergebung befriedet die Vergangenheit. Frieden ist möglich!

 

 

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Du lebst zum ersten Mal

Ja, ja, man mag an Wiedergeburt, Seelenwanderung oder ähnliches glauben bzw. davon wissen, dennoch sehe ich:

Hier, heute und jetzt gibt es mich in einer einzigartigen Konstellation. So gesehen stimmt es, ich lebe zum ersten Mal.

Darauf bezieht sich ein Kalendergedanke, der mich diese Tage begleitet und der mich derart wohltuend und erleichternd berührt, dass ich ihn an dieser Stelle sinngemäß wiedergeben mag:

Du lebst zum ersten Mal. Ist das nicht Grund genug dir die eigenen Fehler und Schwächen zu verzeihen?

 

 

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Das Leben ist nicht fair

Diesen Satz hört man hin und wieder, manchen ist er auch selbst schon durch den Kopf gegeistert.

Wenn ausgerechnet vor mir der älteste und langsamste Traktor aller Zeiten plus Heuanhänger in die Straße einfährt, wenn ich den Job verliere, mein USB-Stick mit einer zweihundert Seiten langen Dissertation unter einen Spielzeughammer gerät, wenn meine Tasche gestohlen wird, wenn eine Diagnose die Welt auf den Kopf stellt, wenn irgendwie immer mein Essen von der Bestellliste verschwindet.

Das ist nicht fair. Das ist nicht fair!

Wie ein Hilferuf kann es klingen, wie eine Anklage, wie ein paar Worte, wo sonst keine gefunden werden.

Meist aber heißt es (frei übersetzt): „Das soll nicht mir passieren!“

Oder nicht? Denkt nach. Forscht in euch.

 

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Ein (Nach)Wort zu Walpurgis

„Wir sind oversexed, aber underfucked.“ (Talaya Schmid)

Sehr pointiert ausgedrückt, doch wer diese Sprache spricht, wird es nachvollziehen können. In Werbung, Literatur, Bildern, Filmen, Plakaten – schlicht rund um uns herum spielt Sex eine Rolle. Es fällt schon immer weniger ins Gewicht, weil die Masse ein Gefühl der Normalität erzeugt. Unsere Sensoren sind abgestumpft. Mehr vom selben und das in rascher Abfolge.

Underfucked? Wenn es um Begehren, echte Begegnung, individuellen Ausdruck geht, dann… nun, jede und jeder darf unter diesem Blick betrachten, was er respektive sie von Haus aus kennt. Talaya Schmid ist nicht die einzige, welche der Sexualität ein heilendes Attribut für Körper und Seele zuschreibt. Einst wurde an Beltane die Verschmelzung von dem väterlichen und dem mütterlichen Prinzip gefeiert. Ausdruck im Großen wie im Kleinen. Das Licht, das Werden hat gesiegt, Fruchtbarkeit zieht ins Land.

Wie viel würde in uns wohl wachsen, wäre eine echte Verbindung möglich würde eine echte Verbindung praktiziert!

 

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Schluss mit lustig

Der Frühling ist die Zeit der Besinnung auf sich selbst. Auf die persönlichen Rhythmen, Träume, (Vor)Lieben. Kein Samenkorn blickt nach rechts und links um abzuklären, ob es genau jetzt keimen darf. Nicht zuletzt spielen auch die jeweils gesonderten Umstände eine Rolle und da fallen mir in Hinsicht auf den Menschen nur die Worte mit den Mokassins und den Meilen ein. Wer nicht ein paar Meilen in den Mokassins eines anderen gegangen ist usw. Jede und jeder hat also das eigene Tempo und niemand kann sagen, wann es für wen Zeit ist, irgendetwas umzusetzen oder wegzulassen.

Zum Glück gibt es Lachen – Ellen Müller

 

Der Frühling ist die Zeit des Putzens und Lüftens. Es kommt wieder Schwung in die Sache. Was schlummern und wachsen durfte, kommt nun ans Licht. In vielerlei Hinsicht. Bei mir steht ein körperlicher Putz an. Denke vegan heißt die Überschrift, obwohl es da ein paar Besonderheiten gibt, die wegfallen oder hinzukommen. Ich freue mich auf dieses Abenteuer, eröffnet es mir doch den Blick auf ein Stück Welt, das ich bislang getrost den Augenwinkeln überlassen durfte. Glücklich und mit Vorfreude stimmen mich die Helferlein, die mich schon jetzt mit Rezepten, Tipps und Erfahrungen versorgen. Was für eine Fülle!

Ganz freiwillig geschieht diese temporäre Umstellung nicht und so könnte es Anlass sein, die Sache mit regelrechtem Ernst zu betrachten. Wie es so sein soll, folgt meine Leseliste einem gewissen vorgegebenen Pfad (über den ich bei aller Prädestination die Handlungshoheit behalte). So lese ich derzeit täglich über Hasya-Yoga. Auch dieses bislang nur aus den Wahrnehmungsrandbereichen bekannt. Worum es dabei geht? Um das Lachen! Lachen wie ein Gorilla, Lachspritze, Bayrisches Lachen, Rasenmäherlachen und viel Drumherum, Vorher, Nachher, Innendrin. Schon die Lektüre stimmt mich fröhlich.

Frühling ist die Zeit des Beginnens. Lachen, Fröhlichkeit, Abenteuergeist und Hoffnung, Vertrauen sowie Dankbarkeit nähren meine Samen.

Schluss mit lustig habe vermutlich nicht nur ich von klein auf im Ohr.

Ich ändere meine Ausrichtung hin zu Oscar Wilde: Das Leben ist viel zu wichtig, um es ernst zu nehmen.

 

 

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Ansichten zum Besitz

Eine meiner liebsten Geschichten (frei wiedergegeben): Ein Mönch steht an einer Straßenecke und wartet auf den Bus. Mit einem Mal kommt ein junger Mann um die Ecke gerannt, schnappt sich den Rucksack des Mönches und sprintet davon. Anfangs versucht der Mönch den Mann einzuholen und ruft ihm dabei etwas zu. Die Verfolgung wird schnell aufgegeben. Was er dem Dieb nachgerufen habe, wird der Mönch gefragt. „Ich schenke ihn dir!“

Mir ist diese Erzählung oft im Bewusstsein. In meinen Augen erweitert sich dabei das Verständnis von Besitz und unserem Umgang damit. Wie oft meint man, was einem gehört, muss auch da bleiben? Wie groß die Hürde, etwas weiterzugeben, das eine gewisse Bedeutung hat? Wie anders ein Leben im Bewusstsein, dass nichts wirklich besessen werden kann?

Schon die amerikanischen Ureinwohner wunderten sich darüber, dass Land von ihnen gekauft werden wollte. Sie besaßen es nicht und einen Preis dafür gab es deshalb auch nicht. Nun, zumindest war die Wahrnehmung einmal so.

 

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Last Minute

Eine Mutter…

Eine Mutter ist achtsam, fürsorglich (aber nicht Helikopter oder Drohne), liebevoll (bedingungslos) und kreativ.

Sie kocht frisch, am besten aus dem eigenen Garten oder lebt zumindest in der Nähe eines Bauernmarktes Biobauernmarktes. Zucker gibt es keinen, genauso wenig weißes Mehl und von Convenience Food kommt ihr nichts ins Haus.

Dorten ist alles sauber (natürlich abbaubare Putzmittel) – aber nicht steril; gesunde Keime heißt das Stichwort. Die Impffrage ist ohne eine Spur von Restzweifel gelöst und souverän umgesetzt. Kleidung wird genäht, gestrickt und gehäkelt. Der Partner ist ein wahrer Schatz und zieht eifrig mit am Strang, die Verantwortung liegt allerdings bei ihr. Deswegen kommt Fremdbetreuung auch gar nicht in Frage. Bei niemandem geht es dem Kind so gut wie bei der Mutter. Ausnahmen sind diese unverzichtbaren Termine, die höchstens einmal im Quartal auftauchen. Die Oma hat die mütterliche Perfektion aber schon im goldstrahlenden „Früher“ vorgelebt und springt von Herzen gerne ein (sie kommt mit dem Fahrrad angereist).

Gestillt wird jahrelang, hingebungsvoll und in aller Ruhe, auch beim dritten Kind. Durch Gesang, Bastelei und Reimsprüche gelingt die kindliche Förderung daheim auf höchstem Niveau. Plastikspielzeug natürlich nicht vorhanden. Engelsgleiche Geduld dafür umso mehr.

Eine Mutter kennt Inhaltsstoffe, ihr Vorkommen, An- und Abbauvorgang, Folgen für Gesundheit und Umwelt.

In diesem Sinne widme ich ihr meine Idee für einen Fastenvorsatz auf den letzten Drücker: Aufhören. Ja! Schlicht aufhören an sich selbst zu arbeiten, besser und perfekter werden zu wollen. Ein Versuch ist es wert.

 

 

 

 

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Zirka Halbzeit

„Jeder kann zaubern,

jeder kann seine Ziele erreichen,

wenn er denken kann,

wenn er warten kann,

wenn er fasten kann.“

(Hermann Hesse)

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(Werden und) Vergehen

 

Diesen Artikel muss will ich hier teilen.

Mit gehöriger Verspätung kam er zu mir. Titelt sich „Ganz am Ende“ und hat 2016 den Reporterpreis bekommen. Ganz zu Recht, sage ich.

„Gerade in einer Gesellschaft, in der Tod weniger als Gewissheit, sondern als Folge schlechter Lebensentscheidungen gilt.“

Was passiert beim Sterben? Wer sieht was und benennt es wie? Warum ist es immer ein Blick von außen und wie kann man doch ein wenig Einblick gewinnen?

Es ist Roland Schulz, der es versucht und atemberaubend schafft.

Aber lest selbst: Ganz am Ende

 

 

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