Minus 475

Es war ein kurzer Artikel und er lässt mich nicht mehr los. Ein Erfahrungsbericht über eine Aktion mit einem schönen Titel, an den ich mich nicht mehr erinnern. Ziel ist es auf- bzw. auszuräumen. Die Aktion dauert einen Monat. Am ersten Tag wird ein Element weggegeben, weitergegeben, entsorgt. Am zweiten Tag zwei Dinge, am fünfzehnten des Monats fünfzehn und so weiter. Nach dreißig Tagen ist man 475 Dinge leichter.

Dazu gibt es Regeln und Anleitungen, die ich nie nachgelesen habe. Der Gedanke an sich aber beflügelt mich und ich lasse mich gerne anstoßen. So werde ich also mein Umfeld erleichtern und auch wenn die Zahl wahnsinnig aussieht und einen leichten Schub an Stresshormonen auslöst, werde ich mich darauf einlassen. Die Regeln schreibe ich selber. So viel Freiheit darf sein.

Den Anfang macht ein kaputter Wecker, bei dem ich mich sowieso frage, wie der es so lange im Regal hat schaffen können…!

 

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Ich kann alle sein

Was mir am Reisen so gefällt ist das Gefühl, dass alles hinter mir wegfällt, ich in die Richtung blicke, in die es geht, und dabei alle sein kann. Niemand kennt mich. Wir laufen uns über den Weg. Zum ersten Mal. Keine Ideen, Theorien oder Konstrukte um die Person herum. Es ist klar, dass der Fensterplatz  nur für gewisse Stunden belegt ist, dann geht es weiter. Kein Grund anhänglich zu werden. Kein Grund zu trauern und doch ist der Moment ein Fest.

 

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Zum Lächeln verführt

Für mich war es ursprünglich das Abhaken einer weiteren Notwendigkeit.

Empfangen wurde ich mit höfischer Geste und einem großen, freundlichen Lachen. Als wäre das Auswechseln einer kaputten Glühbirne, noch dazu nach offizieller Öffnungszeit der Werkstatt, das Highlight – oder besser noch: eines von vielen Highlights – des Tages.

Beim Wegfahren bemerkte ich, dass ich mit einem fragenden Lächeln im Auto saß. Warum war er so freundlich? So gut aufgelegt? Hilfsbereit und charmant?

Und warum, WARUM, stelle ich mir Fragen, wenn ich einem Menschen begegne, der die Aura eines Frischverliebten um sich trägt und andere damit berührt?

 

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Sterne gucken

Das ist etwas vom Schönen in der dunklen Hälfte des Jahres: Man kann zu regelmäßig wachen Zeiten das Glitzern und Leuchten im Himmel bestaunen. Besonders toll, wenn man abseits von (zu vielen) Laternen oder Fensterlichtscheinen steht.

Wer dabei seine Hände in den unteren Rücken legt und dabei die Fingerspitzen nach unten richtet, hat ein feine Unterstützung und kann sich genüsslich zurückbeugen. Hoffentlich! Es ist ein gutes Zeichen, wenn das gelingt und zudem Training für die Bandscheiben.

Sterne gucken ist also nicht nur was für Herz und Seele, ganz körperlich gesehen für den Rücken äußerst empfehlenswert.

 

 

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Der Oper immer wieder eine Chance geben

Das solle man, habe ich gehört. Und es kann sich rentieren.

Ich war in der MET. Metropolitan Opera House in New York. So direkt und physisch wäre das wohl ein Wow-Erlebnis gewesen, für Pfützenhüpfer wie mich gibt es auch andere Möglichkeiten. Diese heißen ganz banal Cineplexx. In Live-Übertragung durfte ich Die Zauberflöte genießen. Mozart wurde schon als Robbie Williams der Klassiker bezeichnet und hey, bei Robbie Williams sage ich nicht nein.

Im Ernst: Es war ein Erlebnis, das nachwirkt. Ich bestaune immer die Kreativität und die Möglichkeiten, wenn man nur groß denkt (und das passende Budget dazu hat) und die Künstler:innen sind einfach phänomenal. Was mit der Stimme/dem Körper alles machbar ist! In der Pause gab es Interviews mit Sänger:innen und Produzenten, außerdem ist ein Blick hinter die Kulissen möglich. Dirigiert von James Levine. Wer ihn kennt, weiß um die Ehre, wenn auch nur über Live-Schaltung dabei gewesen zu sein.

Ich empfehle das Große im Kleinen also uneingeschränkt.

 

 

 

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Wie schreibt man das?

Es gibt Fragen, die tauchen in ganz bestimmten Momenten auf. Wenn man einen Satz schreiben will und plötzlich nur noch rätselt.

Folgendes vorangestellt:

Der Künstler malt.

Der Müller mahlt.

ABER: Beide ma??en!

Wie würdet ihr die letzte Aussage schriftlich festhalten? Bzw. kennt jemand die korrekte Antwort?

 

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Angeflogen

Noch erzählt mir jemand, wie wenig Ironie geschätzt wird. Wie unnötig, fehlplatziert und nicht dienlich sie empfunden wird.

Dann lese ich in einem Buch den Satz: ‚Yep, Ironie ist ’ne feine Sache.‘

Ein Lächeln fliegt mich an. War eine schöne (wenn auch ironielose) Zeit.

 

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Durch Erziehung könnte ich neu werden

Mein Kind soll mir gehorchen, aber kein Mensch werden, der immer tut, was andere ihm sagen. Werte wie Respekt und Achtung voreinander erwarte ich, wer diese Werte nicht teilt, mit dem tue ich mir schwer.

Erkennt der geneigte Leser/die geneigte Leserin das Indenschwanzbeißen?

Hartmut Rosa (Soziologe und Politikwissenschaftler) schreibt über Resonanz. In einem anderen Zusammenhang zwar, aber ich nehme es persönlich. Menschen brauchen einander. Das Du, an dem man sich selbst entdecken kann. Herrscht ein Mangel daran, gibt es ihm zufolge zwei Möglichkeiten. Wieder resonanzfähig werden oder fusionieren.

Fusion denken wir uns wie ein Echo. Was ich aussende, soll auch zurückkommen. Alles andere muss verdrängt, bedrängt, abgespalten, bestraft und bekämpft werden. Wir kennen es im großen Stil aus der Geschichte und im Kleinen aus unserem Alltag; Stichwort Erziehung (s.o.).

Resonanz hingegen ist ein Spiel aus Frage und Antwort. Ein Zuhören, Sprechen, Gehörtwerden. Eine Auseinandersetzung mit dem Anderen (anderen Menschen, anders Denkenden, anders Wertenden, anderer Wirklichkeit). Transformation im und durch das Leben.

Die Desynchronisationskrise in der wir derzeit stecken hat mit dem erhöhten Lebenstempo zu tun, folgert Rosa. Denn Fragen und Antworten brauchen Zeit, die wir uns nicht mehr nehmen bzw. das System nicht mehr gibt.  Burnouts – das finde ich einen interessanten Gedanken dabei – entstehen wiederum aus der fehlenden Resonanz zwischen Psyche/Seele und sozialem Geschehen. Wir sind für die Natur (Nachwachsen von Pflanzen, Regeneration von Böden, Reproduktion von Tieren, …) und das Natürliche in uns zu schnell.

„Der permanente Zwang zur Steigerung in allen Lebensbereichen unterläuft und untergräbt tendenziell die Möglichkeiten eines resonanten Lebensverhältnisses.“ (Interview mit Hartmut Rosa in thema vorarlberg. Standpunkte für Wirtschaft und Gesellschaft. Mai 2017 Ausgabe 28)

Kein Wunder also, dass Fusionsdenken, Fusionsreden, Fusionstaten so leicht zu entdecken sind. Gleichmacherei, Abstoßen von allem, was stört bzw. Resonanz und damit Zeit erfordert.

Kein Wunder, aber auch nicht die einzige Möglichkeit.

 

 

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Was Rom und Yoga gemeinsam haben

Vorneweg: Yoga zu praktizieren bedeutet auf dem Weg zu sein. Nicht, das Ziel erreicht zu haben. Zumindest in den aller(aller!)meisten Fällen.

In der großen Welt des Yogas kann es dauern bis man findet, was einem zum jeweiligen Zeitpunkt am meisten dient.

Es gibt die heißen (Temperatur!) ohne Sonnengruß. Manche legen großen Wert auf Sonnengrüße. Die einen leiten an, andere schicken einen auf die Reise mit dem eigenen Atem (und dann soll man nicht auf die anderen achten; das ist nicht so ohne!). Oder ein kreativ kombinierter Sonnengruß. Am Ende der Stunde hat man streng genommen nicht viel anderes gemacht. Man darf lachen oder überhaupt keinen Mucks von sich geben (das ist schon im Flur per Aushang klargestellt). Ein Lehrer gibt Hilfestellungen – mit Händen. Eine Lehrerin nur verbal. Andere verzichten ganz grundsätzlich darauf. Zu der einen Stunde kommen die Schüler:innen in atmungsaktiver Sportbekleidung, bei anderen wird gesungen und meditiert. Vielleicht braucht man eine Tasche voller Hilfsmittel oder gerade mal eine Matte.

So im Rückblick habe ich doch schon einiges erlebt. Jedes System für sich hat für mich Sinn gemacht und ich schätze alle meine Lehrpersonen. Mein Leistungspünktchen wurde getriggert oder auch mal in Urlaub geschickt. Letzteres ist mir lieber. Wohltuender. Wieder eine neue Weise ist bei mir eingetrudelt und ich staune.

Viele Wege führen… durchs Leben.

 

 

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Seit ich ein Kind hab´

Mit einem Kind ändert sich das Leben ziemlich. Die Welt sieht anders aus, man kennst sich selbst nicht mehr und kommt mit wesentlich weniger Schlaf aus.

Die Wiener Sänger Christoph & Lolo haben das hübsch verpackt und sozusagen eine Checkliste erstellt. Mal sehen…

Seit ich ein Kind hab‘, lächeln mir wildfremde Menschen einfach zu.

Seit ich ein Kind hab‘, mach‘ ich Früchtekuchen statt Tiramisu.

Seit ich ein Kind hab‘, geht’s mir immer bestens, vielen Dank.

Seit ich ein Kind hab‘, hab ich Augenringe und bin ständig krank.

Seit ich ein Kind hab‘, pass‘ ich nicht mehr in die engen Hosen rein.

Seit ich ein Kind hab‘, hab ich Spucke auf dem Arm und Rotz am Bein.

Seit ich ein Kind hab‘, vertrag‘ ich keinen Alkohol mehr.

Seit ich ein Kind hab‘, respektiere ich Nichtraucher.

Seit ich ein Kind hab‘, hasse ich Hundebesitzer.

Seit ich ein Kind hab‘, hassen mich Hundebesitzer.

Seitdem ich ein Kind hab‘, bekomm‘ ich keine Osterhasen mehr, ich kauf‘ sie selber, und verpack‘ sie und dann schenke ich sie her.

Und seitdem ich ein Kind hab‘, red‘ ich gerne über mich und ich beginne jeden zweiten Satz mit „Seit ich ein Kind hab‘,…“.

Seit ich ein Kind hab‘, sag‘ ich nicht mehr Kot und Harn,

seit ich ein Kind hab‘, sag‘ ich „Gacki“ und „Lulu“.

Seitdem ich ein Kind hab‘, verfluch‘ ich Hello Kitty und ich hasse Winnie Pooh.

Seit ich ein Kind hab‘, glauben Leute, dass man mir vertrauen kann.

Seit ich ein Kind hab‘, schrei‘ ich regelmäßig Autofahrer an.

Seit ich ein Kind hab‘, hab‘ ich immer einen Haufen Obst im Haus.

Seit ich ein Kind hab‘, kenn‘ ich mich im IKEA aus.

Seit ich ein Kind hab‘, hat mein Badewasser 37 Grad.

Seit ich ein Kind hab‘, weiß ich, welches Gasthaus einen Hochstuhl hat.

Seit ich ein Kind hab‘, ekelt mir vor überhaupt nichts mehr.

Seit ich ein Kind hab‘, liebe ich meinen Geschirrspüler

Seit ich ein Kind hab‘, denk ich, was hat sich der Architekt gedacht.

Seit ich ein Kind hab‘, frag‘ ich mich, welches Geräusch ein Fuchs wohl macht.

(vollständige Liste unter www.vater-sein.at/seit-ich-ein-kind-hab)

 

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