Mein Ego

Mein Ego ist ungefähr vier Jahre alt, trägt eine dunkelblaue Latzhose aus Cord und dazu ein weißes Sweatshirt. Ein beatlesverwandter Pagenschnitt umrundet das Kindergesicht, das mit dunkelbraunen Augen wach in die Welt hinaus sieht.

Eigentlich sympathisch, doch so kleine Feger können manchmal auch anstrengend sein.

Am einfachsten treffen wir uns in aufreibenden Situationen.

Wenn ich als Anfängerin in eine Fortgeschrittenenstunde (von was auch immer) gehe und Gefühle wie: „Ich kann nichts!“ oder „Das schaffe ich nie!“ oder „Hilfe! Wie? Was? Wo?“ auftauchen. Dann ist mein Ego ganz deutlich da. Ich nehme in diesen Situationen meine kleine Begleiterin und rede ihr gut zu.

„Sieh mal, du bist vier Jahre. Du musst das nicht können. Das entspricht nicht deinem Entwicklungsstand und perfekt ist überhaupt niemand. Darum schlage ich vor, dass wir einfach mitmachen und uns so gut wie möglich amüsieren.“

Das klappt immer öfters. Ich kann es nur empfehlen: Mach Dinge, die du nicht kannst; womöglich unter Menschen, die einiges auf dem Kasten haben. Man könnte sagen, das befreit das Ego, weil es nach mehreren Versuchen plötzlich ganz gerne und losgelöst mitmacht.

Wenn ich beleidigt (vermeintlich oder nicht) werde. Dann ist mein Ego ganz groß da. Manchmal ziehe ich mich mit ihm in eine Ecke zurück und nehme es auf den Schoß.

„Ja, ich weiß, das hat dich verletzt. Wir machen gemeinsam Pause. Ich bin da.“

Nicht immer ist das möglich, manchmal stampft und wütet es auch zurück. So sind Kinder eben.

Wenn ich überfordert bin, dann schreit und weint mein Ego, dreht sich wild im Kreis und will sich nicht anfassen lassen. Es braucht ein paar Atemzüge und einige beruhigenden Gesten von mir, bis es mir überhaupt zuhören kann.

„Schon gut, ich sehe, das ist jetzt zu viel. Keine Angst, ich kümmere mich darum.“

Und ehrlich, das funktioniert. Na ja. Bei mir.

Und wenn mein Ego ganz flatterhaft schwärmt, dass es das Beste, Größte und Tollste ist, dass es gelobt wurde, gefeiert oder bewundert, dann lächle ich und sehe mit ihm in den Sternenhimmel.

„Es ist schön, dass du dich freust. Aber vergiss nie, dass das Universum rund um dich herum grandios, wundervoll und riesig ist.“

Wir sind immer ein Teil – nicht mehr und nicht weniger.

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