Aufruhr im Wald

Gezischte Stimmen und beunruhigtes Flüstern vermischten sich mit dem Wind. Manchmal waren Wortfetzen zu verstehen.
„Sie will Freundschaft mit einem Troll schließen!“, hörte man ungläubige Gedanken in Worte gefasst.
„Unlustig ist der, das macht keinen Sinn“, meinten andere, „Keinen Spaß!“, wurde zusätzlich ergänzt.
Der Troll war ein garstiger Geselle, ein Einzelgänger. Von seiner Sorte der einzige weit und breit, deshalb gingen alle davon aus, dass es ganz recht war, ihn aus der Gemeinschaft auszuschließen. War es nicht Beweis genug, dass es keine Freunde gab, die aus derselben Sippe stammten?
Es stimmte also etwas nicht mit ihm. Immerzu kümmerte er sich nur um die Schätze, die er zu hüten bestimmt war und die einzige Art, wie man ihn dazu bringen konnte, die restlichen Waldbewohner zu beachten, war, ihm einen Teil seiner Reichtümer zu stibitzen. Natürlich war es nicht ernst gemeint, denn die Funkelsteine gehörten Mutter Erde und waren heilig, doch den Troll konnte man dadurch gehörig aus der Fassung bringen und das war das liebste Spiel der Windelfen.
Dann stob und tobte es im Wald, wer nicht flink war, blieb besser gut versteckt und beobachtete das Spektakel aus der Sicherheit. Der Troll ruhte erst wieder, wenn seine Schätze sicher und vollständig an seinem Platz lagen, bis dahin zertraten seine schweren Füße Pflanzen und genauso kleine Steine und mancher Ast wurde unter seinem Ansturm abgeschlagen.
Doch heute, heute spazierte ein Menschlein durch den Wald und rief mit seiner Seele nach dem Troll. Unvorstellbar, dass es gekommen war, um Freundschaft zu schließen. Niemand tat das.
Neugierig folgte das Volk dem Menschlein.
Anfangs schien es, als habe es sich verirrt, denn das Menschenwesen setzte sich zu den Wassernymphen. Hierher kam der Troll ganz sicher nicht. Es sei denn, man würde seine Schätze klauen und das war offensichtlich nicht passiert.
Bevor dir Ratlosigkeit vollends um sich gegriffen hatte, wanderte das Menschlein weiter.
„Das ist der falsche Platz. Hier will ich nicht hin“, hörte man es murmeln.
„Sie will tatsächlich zum Troll!“, bemerkte ein Baumwichtel skeptisch.
Es war kaum zu glauben. Was konnte dieser eigenbrötlerische Troll schon bieten, das sie alle gemeinsam nicht auf viel bessere, leichtere und lustigere Art geben konnten?
„Er wird doch wohl nicht kommen?“, mutmaßte eine Frühlingselfe.
„Bestimmt nicht!“, antworteten einige, „Sicher nicht“, bestätigten andere.
Unbeirrt wanderte das Menschlein weiter, allerdings in die absolut falsche Richtung, wenn sie den Troll aufspüren wollte. Seine Schätze verließ er niemals, da konnte es wollen, was es wollte.
Oder nicht?
„Oh, oh!“, riefen alsbald kleine Wichtelkinder, die vorausgerannt waren. „Seht doch! Oh, oh!“
Etwas war anders. Ein Platz wunderschön vorbereitet, das konnte man deutlich erkennen.
Das ganze Volk begann sich umzusehen, jedoch niemand erblickte den Toll.
Sicheren Schrittes ging das Menschlein an dem Menschenbänklein vorbei und auf den Baumstumpf zu, wo auf seine Ankunft gewartet wurde.
Allerdings schien es das nicht zu bemerken, denn es legte die ausgebreiteten Rindenstücke zur Seite.
Niemand kommentierte diese Tat, so fremd wirkte sie. Wenn es die Einladung nicht erkannte, warum hatte es dann den Platz gefunden? Wie würde die Begegnung ablaufen? Der Troll war nicht hier, das Menschlein dumm.
Umständlich richtete es sich auf dem Baumstumpf ein und wackelte unzufrieden mit dem Hintern hin und her.
„Ach so!“, lächelte es dann, stand auf und legte die Rinden zurück dahin, wo es soeben noch unruhig gesessen hatte. Nun war es trocken genug, um stillsitzen zu können.
„Doch nicht dumm“, murmelte eine Fichte durchaus zufrieden.
„Danke“, hörte man das Menschlein vor sich hin sagen bevor es die Augen schloss und verschwand.

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Natur-Phantasie

3 Antworten zu “Aufruhr im Wald

  1. Willwoll wollte auch immer mehr. Mehr. Mehr. Bitte noch einmal vorlesen.
    Ich beuge mich ein paar Zentimeter vor und liege jetzt bäuchlings direkt vor deinen Buchstaben. Ich lausche. Eine Tüte Dinkelcracker. 🙂 Funkelsteine, Wichtelkinder…Meine Ohren glühen. Ich bin ja wohl hin und weg…

    • Danke für den Einblick 🙂 Dinkelcracker – vermutlich einen Versuch wert.
      Oh, es geht noch weiter. Zumindest ein bisschen weiß ich noch, danach tut sich ein Abenteuer auf, das ich höchstens erahne…
      Aber ich will es selbst auch erfahren 🙂
      Kommt Zeit, kommt Einblick, kommt Lesestoff für Martina und Marga (die zuerst eine Portion Schreibstoff bekommt!).

      • Och, du musst sie nicht unbedingt versuchen – die Dinkelcracker, plätschere ich mal so hervor. Naja, sie gehen so…
        Der saftige Schokokuchen schmeckte mir da schon viel besser. Der ist leider so verdammt anhänglich, klebt sich sofort und ungebeten an die Hüften.

        Natürlich willst du es selbst auch erfahren. Ich wedel mit den Armen: Klar, will Marga das. Ich unterdrücke mein Kichern an dieser Stelle nicht. Eben kommt Zeit, kommt Einblick. *lach
        Seufz: Sein und Zeit, der Ruf kommt. aus mir und doch über mich. 🙂 bin gerade philosophisch angehaucht….man könnte meinen, ich sei schlau, bin ich aber nicht, nochmal Seufz: ist leider nicht von mir, ist von Heidegger. brülll, lach….
        Ja–a, ich finde auch, du hast eine Menge Schreibstoff zu erarbeiten. Husch. Husch….nicht mit Ausflugsbooten auf dem See herumtuckern und aus Versehen ins Wasser fallen..

        deutlich lächelnd: Ich warte gern.

Dazu möchte ich gerne sagen:

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