Unbezahlbar

Henni betrat die Küche und zog zeitgleich seinen Krawattenknoten lose. Noch ehe er Tara hinter der Theke erreicht hatte, war auch schon das Hemd aus der Hose gezogen und der oberste Knopf am Hals geöffnet. Sein Tag war von Besprechungen mit und Präsentationen für Kundschaften gefüllt gewesen und man sah ihm an, wie sehr er einen entspannten Abend herbeisehnte.

Für den Begrüßungskuss nahm er heute ihr Gesicht zwischen seine Hände. Ein langer, weicher Kuss, der Tara den Salat vergessen ließ, den sie soeben zubereitete. Etwas war anders. Noch ein kleiner Kuss, dann lehnte er sich mit einem Seufzen an den Küchenschrank.

„Bist du müde?“, fragte sie, um überhaupt Worte für ihr Unbehagen zu finden.

Immerhin bestand die Möglichkeit, dass er tatsächlich einfach nur erschöpft war.

„Wo sind die Jungs?“, fragte Henni im Gegenzug.

„Oben. Sie spielen. Und“, gerade wurde sich Tara der eigentümlichen Ruhe bewusst, „vermutlich stellen sie etwas Verbotenes an.“

Henni vergrub sein Gesicht in den Händen und atmete hörbar aus.

„Tara“, er sah sie verzweifelt an, „bitte hass mich jetzt nicht.“

„Weswegen?“, wollte sie schnell wissen und spürte, wie der Schreck ihren Brustkorb einengte.

„Ich…“ Die Beichte fiel Henni schwer, mit dem Daumen massierte er einen Moment lang die Stelle zwischen seinen Augenbrauen. „Ich musste einfach mit jemandem darüber sprechen.“

Ihr Gesicht wurde lang und leer.

„Mir ist klar, dass ich etwas anderes versprochen habe, dass du mich gebeten hast, es für mich zu behalten, aber das schaffe ich nicht. Ich musste meine Gedanken und Gefühle dazu einfach mit jemandem teilen.“

„Wer?“

„Das sage ich dir nicht.“

„Kenne ich die Person?“

„Auch das wirst du nicht erfahren. Es spielt im Grunde keine Rolle, aber ich mag keine Geheimnisse vor dir haben. Ich brauche einen Menschen, der in dieser Sache mein Vertrauter sein kann.“

Die Erklärungen hörte Tara kaum. Nie hätte sie erwartet, dass Henni hinter ihrem Rücken das heilige Versprechen brach, das er ihr gegeben hatte. Vor wenigen Wochen hatte er ihr versichert, dass er ihre Entscheidung und ihren Weg, damit umzugehen, respektieren würde. Wo war dieser Respekt geblieben? Das sah ihm gar nicht ähnlich.

Und deshalb war die wichtigste Frage: „Warum?“

Noch ehe Henni antworten konnte, erinnerte sich Tara an ein Gespräch, das bereits eine Woche zurücklag und mit dem sie ihn bislang noch nicht konfrontiert hatte.

„Wegen der Kündigung“, sprach sie ihren Verdacht aus.

Nun wirkte Henni wiederbelebt.

„Woher weißt du davon?“

„Von Paul.“

[…]

Zeit und Lust zum Fertiglesen

 

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11 Kommentare

Eingeordnet unter a G'schichtle, ein bisschen Philosophie

11 Antworten zu “Unbezahlbar

  1. Diese Geschichte ist wie du.
    Danke

    • Dafür bekommst du einen Kuss auf die Wange!
      Danke

      • Nun strahle ich mit der Sonne um die Wette.
        Bei mir duftet es nach Nelken, Pfefferminze und Kardamom. Das wäre doch glatt ne Duftidee. 😉

      • Deine letzte Duftidee begleitet mich übrigens. Immer wieder mal murmle ich den Namen vor mich her, damit ich ihn nicht vergesse. Ich glaube, Duty-free könnte ein guter Ort für den Jagdbeginn werden.

        Wie kommen den Nelken-, Pfefferminz- und Kardamomduft gerade jetzt zu dir? Kochen? Garten?

      • Ein guter Ort zum Suchen. Es gibt auch sehr schöne Handtasche von Sisley.;-)
        Ich fürchte, die leichte Honignote könnte dich stören, also vielleicht nimmst du lieber die Tasche.;-)
        Ich mache gerade, aber inzwischen bin ich fertig, Pfefferminzgelee.
        Den dazu notwendigen Apfelsaft habe ich selber gemacht und mit Nelken und Kardamom gewürzt. Mal sehen, ob’s gelingt.

      • Dein Küchenparfum würde mir ganz sicher gefallen!

      • Weil Küche lebt und weil Leben duftet und weil Duft Lust auf Leben macht und weil Lust zum Genuss einlädt und weil Einladung Zusammensein beinhaltet und weil es schön ist, wenn geben und nehmen sich die Waage hält.

  2. Ich mache einen Purzelbaum. Und warte gespannt auf mehr. 🙂

  3. …sehr spannend aufgebaut!

Dazu möchte ich gerne sagen:

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