Giaccomo

Dieses „Ich liebe lange Strandspaziergänge“ ist ein Klischee, das ich – ähnlich überrascht wie einst die tatsächlich rote Socke in der Weißwäsche – kürzlich für mich gefunden habe. Es sollen ein paar Kilometer gewesen sein, ich weiß es nicht; messe, wenn möglich, weder Zeit noch Distanz.
Jedenfalls fand ich dort diese Bar. Schattenplatz an der Theke, um die Tische den Mehrpersonengruppen zu überlassen. Spanische Radiosendung und in Deutsch geht zur Abwechslung mal gar nichts. Nebst gedankenverlorenen Blicken rundherum lese ich und ahne, dass ich durch diese Tätigkeit Gespräche von vorneherein verunmögliche.
Nur einer lässt sich davon nicht ablenken. Giaccomo. Er setzt sich neben mich und spricht mich an. Nach zwei Sätzen lese ich weiter. Ich will ihn mir damit nicht vom Hals halten und er lässt sich dadurch auch nicht beirren. In diesem Takt geht es weiter und nach einer Weile platziere ich das Lesezeichen. Wir unterhalten uns so lange, bis ich einen Blick auf seine Armbanduhr erhasche. Höchste Zeit für mich, zur Gruppe zurückzukehren.


Yoga hat nichts mit Abgeschiedenheit und absoluter Stille zu tun – lässt sich, ähnlich wie Giaccomo, nicht von dem Offensichtlichen ablenken. Könnte man Yoga nur auf einer Matte praktizieren oder wenn die Umstände optimal sind, würde man keinen Zentimeter weit kommen.

Wannimmer ich bei mir selber lande, von meinem Inneren aus einen Blick auf mich oder die Mitwelt werfen kann, ist das Yoga.

Bei Gymnastik bringe ich den Körper in Position – der Unterschied zu Asanas besteht für mich darin, dass ich beobachte, was die Haltung mit mir macht. Manche entlockt mir ein zufriedenes Seufzen, eine andere erfreut mich oder macht mir Mut. Es gibt Asanas, die nerven (eine Zeit lang), andere suchen die Auseinandersetzung mit dem Ehrgeiz oder – genauso herausfordernd – mit der Leichtigkeit.

 

Somit wünsche ich heute, dass wir uns nicht durch das Offensichtliche vom Wesentlichen ablenken lassen.

 

 

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24 Kommentare

Eingeordnet unter a G'schichtle, Yoga

24 Antworten zu “Giaccomo

  1. Nun also Teil 2,ich danke.
    Möchte dir auch sagen, dass ich gelegentlich inne halte, wenn’s draußen zu laut wird, tief den Atem in die Mitte fließen lasse und an einen Fluß denke.
    Großartig!
    Ich übe weiter…

  2. melcoupar

    Endlich mal ein Text über Yoga, mit dem ich etwas anfangen kann. Ohne grossartigen Schnick-Schnack … Zudem ich beim Lesen überraschenderweise feststelle, dass ich wohl auch Yoga praktiziere 🙂

  3. Jeden Morgen, gleich auf der ebenerdigen Schlafstatt, mein Start in den Tag: 6 mal 20 unterschiedliche Leibesübungen, bei denen ich nacheinander durch meinen Körper wandere, wie ein Hirte, der seine ihm anvertrauten Ländereien abschreitet. Sommers gerne barfußwiesentauig. Yoga? Muß es denn einen Namen haben, so ist es wohl Yoga.
    Liebfeingrüße, frohlächelnd in’s Regengrau entschwindend, Ihre Käthe.

    • Nö. Namen muss es keinen haben. Oder könnte es viele haben. Floraveloradelglücksglucksmomente zum Beispiel. Denn wer Blindveloengelchenflieg kann, der kichert beim Blindflug als „Adler“ und hat allen Mut für den „Skorpion“.
      Ich würd eh nicht über Yoga sprechen, wäre ich nicht liebgebeten worden. Was weiß denn überhaupt schon ich?

      • Was Sie denn überhaupt schon wissen? Tausendschönchennamen für Yoga, so deucht es mich! Und noch viel mehr, Sie erscheinen mir als eine Durchallezeitgefallene. Ich äuge weiter angetan, ihre Käthe.

  4. zolaski_lz

    Ich bügle Hemden !

  5. zolaski_lz

    War jetzt Giaccomo das Yoga oder der Blick auf die Armbanduhr.

    Oder bringe ich da etwas durcheinander.

    Ich lächle.
    Bügle weiter.

  6. Vom Regengrauinssonnigsichwandelnde zurückkehrend potzblitze es in mir, vergaß ich doch, Ihnen die gewünschten Reisigbündel zu hinterlegen. Wenn Sie bitte die für Sie flackerlustigzündenden herausfischen möchten:
    http://bittemito.wordpress.com/2014/03/22/famosfaktoidfragen/
    Herzlichst, Ihre Käthe.

  7. Life’s a Journey, not a destination
    Das ist zwar aus einem Aerosmith Lied aber passt sehr gut zu Yoga

    Meine Yoga Lehrerin ermahnt beim Halbmond immer zum Lachen. „The most beautiful curve in the World“.

    • See, Yoga bedeutet vom Wort her Verbindung. Sonne/Mond, Ying/Yang, Dunkel/Hell, Aerosmith/Mantren, …

      Das werde ich ausprobieren, fühle mich schon fast umkippen – Lachen also garantiert.

  8. Meditation in Verbindung mit Yoga:
    DER Lebensakku-Auffüller:
    http://finbarsgift.wordpress.com/2013/06/26/erdmeditation/

Dazu möchte ich gerne sagen:

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