Wo sind sie?

An Ausrüstung hat es nicht gefehlt. Der gerade Haselstab lag gut in der Hand und ich hatte mir eigens einen Vollbart angeklebt. In grau. Sah sehr professionell aus. Der Border Collie würde noch geliefert, extra in den Highlands ausgebildet.

Aber nun?

Ich frage mich, ob ich den Hund noch brauche.

Wo sind sie hin, meine Schäfchen?

Einige wurden ausgekotzt – klingt nicht gerade schön, ist aber so. Mittlerweile habe ich Möbel gerückt, bin auf allen Vieren durch die Wohnung, habe Heu zum Anlocken ausgelegt. Nichts. Sie bleiben verschwunden.

Dann ein hilfreicher Hinweis.

„Sag, wenn es dir zu viel wird.“

Zu viel?

Auf den Schultern! Natürlich! Ich weiß ja, dass man Lämmchen auf dem langen Weg auch mal trägt.

Ich griff nach oben und hinten, überkreuz und parallel. Als letzten Versuch stellte ich mich auf die Hände und schüttelte mich nach Leibeskräften.

Kein Lämmchen, das auf meinen Schultern gehockt wäre.

Nun denn, der letzte und entscheidende Gang stand bevor. Wenn man sich klein macht und sich nicht mehr rührt, dann schleicht sich so manches Tier neugierig an. So die Theorie.

Kein Angeschleiche, keine feuchte Nase, die mich anstupste, kein Bäh, das mir in den Ohren klang. Ich schlief tief und fest.

 

Da werden mir also Schäfchen zum Hüten übergeben, ich bin vollends bereit und dann lassen sie sich nicht blicken.

Was soll ich anderes tun als zu fragen:

 

Wohin gehen eigentlich Geheimnisse, wenn sie geteilt werden?

 

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68 Kommentare

Eingeordnet unter faszinierend, just Life

68 Antworten zu “Wo sind sie?

  1. Du hast solch eine wunderbare Art, Fragen in Geschichten zu verpacken. Das geht mir das Herz auf.

    Danke. Silvia

  2. Alle bei mir, 1.043.365 Schaafe und Lämmer. Ich ging als Border Collie durch.

    Wohin Geheimnisse gehen? Zumeist ad acta.

    Guten Morgen
    Hund, ausgeschlafen

    • Dann leg ich die Schäferinnenfüße hoch. Wenn der (Herr) Hund alles im Blick hat, ist mein Job um einiges leichter.
      Nun muss ich nur noch auf ihn achten.

      • Das wäre eine mir genehme Wiedergeburt. Rennen, bellen und zusammentreiben und immer an der frischen Luft.
        Ich muss dann mal wieder, da ist ein Schaaf zu nahe an der Klippe…………

      • Dass Du mir nicht zu sehr mit der Wiedergeburt liebäugelst!

        So ist braaav! Zur Jause lasse ich dann ein Stück Käse unter den Tisch fallen.

  3. Geteilte Freude ist doppelte Freude, geteiltes Leid nur halbes.
    Je nach Inhalt werden geteilte Geheihmnisse entweder halbiert oder verdoppelt.
    Dann solltest du deine Schäfchen noch scheren und um die subjektive Wahrheit kürzen und dann lass sie weiden.

    • Das ist eben das verblüffende daran. Halbes Leid? Müsste ich dann nicht die eine Hälfte spüren? Auf meinen Schultern, als enge Brust, Knoten im Bauch, unkontrollierbare Gedankenbahnen?
      Und ich werde auch genau darauf angesprochen. Wer teilt, hat scheinbar Angst davor, diese Symptome bei der anderen Person auszulösen; geteilt wird deswegen nur, wenn man daran schon fast selbst zerbricht.

      Ich lass sie gerne weiden, die Schäfchen.
      Es ist ein freudiges und leichtfüßiges Nachgehen. Da wird einiges (!) ausgekotzt und abgeladen (nicht meine Worte) und ich empfinde das überhaupt nicht so.

  4. Das ist so eine Sache mit den abgeladenen Schafen. Nun sollst du dich um sie kümmern, aber bloß nicht weitergeben. Und was machst du, wenn ein Wolf es schafft eines zu reißen?

    • Ich setzte voraus, Marga ist ein aufmerksamer Hirte.
      Warum muss jede Variante spekuliert werden?

      • Es muss nicht jede Variante spekuliert werden, aber sind es nicht all unsere Kommentare, die das Bloggen so besonders machen und kommt es nicht deswegen zu all den aufgeworfenen Varianten, die hier angesprochen werden? Wenn ich hier etwas zu Geheimnissen schreibe, dann versuche ich nicht aus Marga rauszukitzeln, welche sie gerade hütet, sondern erinnere mich eher daran, dass ich selbst welche zu hüten habe und manche davon sind recht störrisch und wollen ausbrechen. 😉

      • Das ist mir völlig klar, ich meinte das nicht auf Marga bezogen und hätte es allgemeiner fassen sollen.
        Meine Frage ist, findest du es wirklich gut jedes bis ins Tiefste auszuloten?
        Diese Frage stelle ich natürlich eher mir als dir, aber da du mich auf sie brachtest, stelle ich sie nun auch dir.
        Und natürlich ist das nur ein Meinungsaustausch und kein Angriff.:-)

      • Hm…schwierig. Ich bin schon ein Freund davon, verschiedenste Aspekte tiefer zu beleuchten. Das ist wohl das letzte Überbleibsel meines früheren Schachspieler-Ichs, der so gern noch einen Zug mehr im Voraus planen wollte.
        Hin und wieder gebe ich mich auch gern mit der bloßen Aussage zufrieden, aber wenn mir eine Frage kommt, dann kann ich sie nicht verschweigen. Aber ich rechne auch nicht unbedingt mit einer klärenden Antwort. Ich möchte aber schon, dass Marga weiß, dass ihr Eintrag mich zum Nachdenken angeregt hat. 🙂

      • So kann ich dich besser verstehen, und sagst du mir such, was geschieht wenn der Wolf ein Schaf holt.
        Oder ist es nicht eher so, dass wir aus genau diesem Grund, weil wir das fürchten, unsere Geheimnisse für uns behalten?
        Also ist es dich so, dass das Weitergeben des Geheimnisses an sich, dieses eventuelle Gefressen werden schon ahnt und in Erwägung zieht.
        Und somit hat, für mich, das Gefressen werden den Schrecken verloren.
        Oder?

      • …auch…
        …auch…, muss es zum heißen

      • Der Wolf wäre bei dem Sinnbild eine Person, die das Geheimnis gegen einen verwendet. Es ist dabei vollkommen unerheblich, ob man seine Schafe zuvor weitergegeben hat oder nicht, aber der Wolf ist wohl das Schlimmste, was einem passieren kann, wenn man ein Geheimnis hat. Ein Geheimnis zu teilen zeugt ja nur davon, dass man einer anderen Person vertraut und daran kann ich nichts verwerfliches finden.

      • So sehe ich das auch.
        Finde es jedoch nicht unerheblich, ob jemand mich angreift, oder eine andere Person. Den Geheimnisträger nämlich.

      • Diesen Geheimnisträger hier wollte ich niemals angreifen.

      • Das weiß ich doch.
        Ganz liebe Grüße an dich.

      • Danke, die lieben Grüße schicke ich nur zu gern zurück.

    • Ich hätte wohl nicht erwähnen sollen, dass ich Schafe hüte… könnte ja Wölfe anziehen.
      Nun, zum Glück sind sie ja in alle Winde zerstreut, kommt meine Wölfchen, kommt nur. Und der Hund ist auch noch da.

      Schäfchen gebe ich nicht weiter – sind ja nicht meine.

  5. Feiner Text, ganz und gar „unlämmig“ 🙂 Ja, wohin gehen sie? Vielleicht in die Geheimnisinterpretationsmetzgerei? Wer weiß?

    • Daran hab ich ja noch gar nicht gedacht. Weiß nun nicht, ob ich das beglückwünschen oder betrauern sollte.
      Kommt womöglich auf die Messerschwingerin respektive den -schwinger an.

      • Vielleicht weder noch? Ist doch einfach so, dass alles interpretiert wird. Nicht selten, völlig falsch. Warum sollten Geheimnisse eine Ausnahme machen?

      • Interpretieren finde ich lustvoll, wenn mit den Möglichkeiten gespielt wird. Solange klar ist, dass es die eine richtige Auslegung nicht gibt (und zum Teil kann das – meiner Meinung nach – nicht einmal die betroffene Person festlegen).
        Also, ans Messer mit den Geheimnissen, auf dass es ihnen und uns wohl ergehe.
        Natürlich zum bestmöglichen Zeitpunkt, bis dahin wird der Hund und ein bisschen auch ich darauf aufpassen.

      • „Hüter der Gehemnisse“ ist doch auch eine prima Bestimmung 🙂 Herr Hund und Du, Ihr macht das.

      • Nix Metzgerei. Wenn ich ein Wörtchen mitzureden habe, werden die Wollknäuel höchstens -HÖCHSTENS!- ein wenig geschoren, für Strickjacken und Socken.
        Geheimnisse gehören geschoren nicht geschlachtet. Die Erkenntnisse, die man gewinnt sollen einen warm durch den Winter bringen und nicht nur kurzfristig sattmachen.

      • Ja, ja. Begriffe wie Metzger und Messer sind eben auch nicht neutral…

        Geheimnisse sind manchmal Wölfe im Schafpelz. Und auch wenn ich wie die Sissy im Film den Hirsch (Wolf) lieber erschrecke, als das Wildbret zu genießen (beim Klammertier eher ungewöhnlich) – das eine oder andere Geheimnis hat ein Ablaufdatum – und muss es haben.
        Andere, die sollen uns überdauern, weil die Zeit nicht dafür reif wird. Scheren, streicheln, füttern inklusive.

      • Sissi hat den Hirschen nur verscheucht, damit er nicht Papilis Flinte zum Opfer fällt. (Der echten ist es wohl nicht ganz so gut gelungen. Jedenfalls hängen in Bad Ischl im Jagdschloss so einige Trophäen)

        Denke nicht, dass ein Geheimnis ein Ablaufdatum hat, sondern unsere Aufmerksamkeit. Wir wollen beständig gefüttert werden und scheiden Geheimnisse/Sensationen schneller,wieder aus als sie unser Geist verarbeiten und verdauen kann/will

        Aber da geb ich Dir recht, so manches Geheimnis kann sehr viel gefährlicher für den Organismus sein, als es den Anschein hat.

        Stand das überhaupt alles in deinem Text? Dachte nur, du erzählst ein wenig schräg vom Schäfchenzählen und vom Nichtschlafenkönnen.

      • Wer kann schon sagen, was in dem Text nun wirklich drinnen stand? Aber mein Schlaf ist fast tadellos und das fast bekomme ich noch in die Hände.

      • Lieber Hund, da hast Du aber mal wieder die schönste aller Varianten parat. Also scheren wir und lassen uns scheren. Sehr schön. Und Winterpullis dürfen ja auch gerne etwas locker sitzen 🙂 Keks dazu?

      • Spekulatius oder Lebkuchenherzen, wenn’s genehm ist.

      • Gerne. Ich habe gestern erstmalig Spekulatius gefunden, die einseitig/rückwärtig mit Zartbitterschokolade…

      • Bitte Probespekulatius zukommen lassen, f. zwei Personen (+ Tischer)

  6. Ich mag deine Worte und deine Fragen!

  7. Freundestrost als Wolle für Strickjacken, die ziehe ich sofort an!

  8. Ach, liebe Marga ! Ich stehe gerade auf allen nur möglichen Leitungen und habe keine Ahnung, was es mit den Schafen auf sich hat. Sind die jetzt eine Metapher für Geheimnisse, stehen sie für Leid, das geteilt werden kann/soll oder auch nicht. Und wer ist dann der Wolf, der zum Hirschen wird ??
    Oder geht es hier um freie Assoziationen zum Begriff Schaf ?? Ich war doch heuer noch nicht in Irland und bin etwas schafsentwöhnt, in Wien laufen da nicht sooo viele herum.
    Bevor ich da womöglich in irgendwelche mir auch unsichtbaren Fettnäpfchen trete, wandere ich lieber weiter. Ein fröhlich/nachdenkliches MääääääH lasse ich zurück …

  9. Mir stellt sich mit den Nackenhaaren die Grundfrage: Wie definieren Sie ein Geheimnis? Ist es ein Explizitpssstniemandweitersaggeheimwort oder ein Ichschleppdawasrumwassonstkeinerweißwort? Und was ist der Zweck der Schäfchenabgabe? Will der Herdenteiler Last loswerden oder will er Habe teilen. Ach, so viele Fragen, wie eine Antwort finden?
    Ich durfte heute jemandem ganz famosen eine Antwort schriftlich zeigen. Auf einen Umschlag mit Feinschwung geschrieben. Der Postbote bedankt sich allerfeinst und grüßt herzlich zurück. Bei der Dankesumhalsung heute hat er mich ein Momentchen länger gehalten, das war für Sie liebe Marga. Und ich, wie danke ich? Zeitchen später, ich muß das Lämmerschwänzchenflatterding namens Herz erst wieder zur Ruhe kriegen, es hopst mir zu flitterflatterflipflopflauselig ~~~~~~~~~~~~~~~~~~

    • Geheimnis definieren? Da bringen Sie mich dahin, wo ich mit mir selber in vortrefflichste Diskussionen geraten kann. Purzelbaumen nenn ich das dann und meine Gedanken gehen quer und hin, drunter und drüber, alles, was ausgedrückt wird, ist schon mit dem Inwortefassen widerlegt (auch das stimmt so nicht – aber in ungefähr).
      Ihre beiden Ideen dazu sind Teile oder Färbungen davon. Es kann auch etwas sein, das noch Zeit braucht, keinen Platz hat, es kann mit Moralvorstellungen zu tun haben, mit Plänen und Zielen, mit einer Überraschung, mit Peinlichem, mit Empfindlichzartem, mit sich selbst verbotenen Gedanken und Gefühlen, … Andernorts auch mit Machspielen, Kalkül und so Zeugs, wobei ich in derlei Hinsicht offenbar nicht als vertrauenswürdig angesehen werde, weil ich kein konkretes Beispiel in mir finde.

      Ui, eine Postbotenkätheumhalsung! Fetzt!
      Nun zappelt es auch hier in der Brust!

      • Liebste Marga, manchmal ist auch eine Nichtvertrauenswürdigfinderey im Grunde ein nicht so gewolltes Kompliment. Das Machtspielkalkülzeugs bei Ihnen keinen Nährboden findet zum Beispiel. Und bei aller Fragen- und Nackenhaaraufstellerey habe ich was ganz Wichtiges versäumt: Ihnen für Ihren Umgang mit den Ihnen angetragenen Schäfchen ein Lob anzutragen. Sie Freundin zu nennen, muß was wunderbares sein. Herzlichst, Ihre Käthe.
        PS: Der Rest der Rasselbande rappeltzappelt vor Kwietschvergnüglichkeit, daß einige von Ihnen den Schnee sehen dürfen (Und ich mit, aber das wissen Sie ja!)
        PPS: Ich kann Sie gut riechen!

      • Da erinnern Sie mich an etwas ganz Wichtiges: Dass ich nämlich tiefen Dank dafür empfinde, ins Vertrauen gezogen zu werden.
        Und noch einmal bin ich dankbar, dass die Schäfchen keine Kletten sind. Lieber lasse ich sie dann doch hundbewacht ihre eigenen Wege und Pfade finden.

        Die Rabauken sind ja mittlerweile diensttauglich und haben sich auf die Taschen aufgeteilt. Allzeit bereit, lautet die Parole.
        Übrigens, zu den 60 Öcken stehe ich immer noch.

        Dass Sie mich gut riechen können, mag auch an Frau Arabellas Duftempfehlung liegen.
        Dass es umgekehrt genau so ist (also ich Sie…) das muss ich nicht sagen, oder?! Und wenn doch, so gäb’s nur ein Wort dafür.

      • So haben Sie mich denn pur erschnuppert. Kätheodeur. Ich trage kein Parfüm und meide duftende Cremes oder Pulver. So bunt wie die Welt und ich an mir nur schwarz ertrage, so vielfältig sind die Gerüche und alle haften sie mir an. Ich könnte nichts künstliches hinzufügen. Rosenseife ja, Lavendel auch, Veilchenfliederbergamotte… Aber nur in Seifenform. Ein wenig (Ein wenig sehr!) vermisse ich die Zigarettenrauchnote, muß mehr Erdmodergetue her, auch Holz jetzt im Herbste. Kohle auch. Mmmmh, wissen Sie wie gut Kohle duftet? Ach, ich könnte stundenlang so plaudern mit Ihnen.

      • Ich bin so eine Minimalduftträgerin, die ein wenig Nachhilfe bekommen hat.

        Aber schnuppern, das mache ich gerne. An Pullovern von Imholzarbeitern, an Katzendiedentagimheuverbrachten, Büchern (nicht uneingeschränkt zu empfehlen), Bäumen, Kohle (ich weiß!), Bettüberzugvollerkräuter, Kalteschwitzhütte, Tees, Kaffee, Seltengekochtesmenü!

        Oh, ich schwelge und schwebe dank Ihnen auf comicgleiche Weise durch die Luft!

Dazu möchte ich gerne sagen:

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