Jugendsünden

Der Titel ist nicht wörtlich zu lesen, eher als das, was man kleine Gemeinheiten von früher nennen würde.

Andernorts gab es dieses Thema und ich konnte mich beim besten Willen an nichts erinnern, was als Jugendsünde in mir abgespeichert ist.
Allerdings ist mein Denkapparat in dieser Hinsicht eher unzuverlässig, weswegen ich mir Hilfe holte.
Sogar geschwisterliches Nachfragen ergab, dass eher andere bei mir heimlich gestöbert hätten, als umgekehrt.

Sei es drum, vier Begebenheiten sind dennoch bis heute und fest in mich eingebrannt.

Jungendsünden?

1) Es war ein Streit mit meiner älteren Schwester. Worum es ging? – Keine Ahnung. Aber sie stand etwas abseits von mir im Garten und ich wollte etwas von ihr. Sie weigerte sich und ich drohte damit, eines ihrer Comichefte (Mickey Mouse war auf dem Cover) zu zerreißen, wenn sie nicht täte, was ich verlangte. Zugetraut hat sie mir dabei nicht, dass ich meine Drohung umsetze. Das war mir klar, weswegen ich einfach über meinen Schatten springen musste. Um das Heftchen tat es mir zugegeben leid und ich riss es auch nur an, aber hier musste ich Durchsetzungskraft zeigen. Danach bin ich gerannt.

2) Wieder im Garten. Es gab wohl einiges zu tun, denn es lagen Gerätschaften herum. Unter anderem auch Spagat und eine Schere. Ich beobachtete einen Tausendfüßler und ich weiß nicht, welcher Teufel mich geritten hat, doch ich schnitt ihn mit der Schere entzwei. Im nächsten Moment zertrampelte ich ihn – der Schreck sitzt noch heute in mir.

3) Schnecken bekämpft man mit Salz. Das wussten wir schon als Kinder. Eines Tages versammelten wir uns in der Nachbarschaft um ein paar Nacktschnecken und taten erwachsen. Ich vermute, man vergaß uns zu sagen, dass man danach weggehen soll. Stattdessen blieben wir stehen und beobachteten, was passierte. Es war grauenvoll und ich wage zu behaupten: Niemand von den Dabeigewesenen wird jemals wieder Salz auf Schnecken streuen.

4) Direkt neben einer Kirche aufgewachsen, war es logisch, dass dieses Gebäude manchmal zu unserem Spielplatz auserkoren wurde. Eines Nachmittages predigten wir dort, versteckten uns im Beichtstuhl, sangen Lieder, probierten die Sitzplätze im Altar aus und – das war der Nervenkitzel schlechthin – blickten hinter den Bau des Hochaltars. Blumentöpfe, Gießkanne, Zündhölzer, Kerzen, Putzlumpen, Handschuhe. Ich war dermaßen schockiert von dieser Weltlichkeit, dass es mich in Folge eine schlaflose Nacht kostete.

 

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17 Kommentare

Eingeordnet unter ein bisschen Philosophie

17 Antworten zu “Jugendsünden

  1. So ist es mit den Einblicken.
    Ihres Geheimnisses beraubt sind sie alltäglich, fad .
    Lass uns also das Geheimnis wahren.

    • Dann nehm ich den Post gleich wieder raus…

      Hallo du, übrigens 🙂

      • So war’s nicht gemeint, liebe Heldin.
        Gutem Abend, gute Nacht…

      • Meine Geheimnisse sind vermutlich so geheim, dass ich sie selbst nicht aufzudecken vermag.

      • Geheimnisse sind gelegentlich dazu da, zu schützen.
        Wenn du dich nicht mehr schützen musst, kannst du sie also ergründen.
        Wissen kannst dies nur du allein.

      • Ich glaub, das Schützenswerte ist alles gehoben und bei offenem Auge sicher, ansonsten war ich einfach nur ein braves, angepasstes Kind.

      • Ich finde es kein bissel schlimm, brav zu sein, gelegentlich auch angepasst.
        Mich stören eher die lauten Weltverbesserer. Nicht glauben kann ich, dass so wirklich eine Änderung erzielt wird.
        Und auch die Lauten sind nur Angepasste.
        Also freu dich einfach, dass du eine Kindheit hast, an die du dich erinnerst.
        Schlaf schön.

      • Da kitzelst du mich jetzt unter so vielen Fingernägeln, dass ich mich besser auf ein inniges DANKE einige.

        Guat Nacht, schlauf wohl!

      • Dafür bin ich dir dankbar.

  2. zolaski_lz

    Wenn ich diese Sünden neben meine Stelle
    sind Sie unschuldig Madame.
    So hat ein jeder einen anderen Blick.
    Und das ist gut so.

  3. Den Schreck und das Grauen ahnt man beim Lesen. Es mögen sehr kleine Sünden gewesen sein, aber ich glaube es sofort, dass es prägend war. Den Blick hinter den Hochaltar hatte ich leider nie gewagt. Dafür war die Kirche viel zu weit weg, wir hätten zuerst ins Dorf spazieren müssen. Schade eigentlich. 😉

    • Aufklärung vom Feinsten, was so ein Hochaltar zu bieten hat und neue Facetten kamen und kommen noch dazu.
      Du könntest ja immer noch einmal einen Blick riskieren, auch wenn es vermutlich nicht mehr so wirken wird, wie in Kinderjahren. (Wenn, dann erzählst du davon, okay?)

      Diese beiden Tiergeschichten sind auf Anhieb etwas, das ich ändern würde, wenn ich es könnte. Mein Kinderherz blutete und das merke ich bis heute.

      Darüber hinaus vermute ich, dass ich einfach nichts von allem, was ich in meiner Kindheit getrieben habe, mit dem Begriff Sünde in Verbindung bringen kann, auch wenn ich dieses Wort für mich sehr wohl in einen Bedeutungszusammenhang zu setzen vermag, der nutzbar und lebendig ist.

  4. Von dieser Sache mit den Nacktschnecken hatte ich schon gehört…
    Das muss wirklich ziemlich schlimm sein!

Dazu möchte ich gerne sagen:

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