Der Versuch eines Beweises

ODER Causa Salat

 

Böser sein. So ganz grundlegend wurde dieser Wunsch an mich adressiert. Unabhängig voneinander und darum auch ein bisschen eindrücklicher, als wenn es eine Stammtischstimmungsrunde gewesen wäre.

Da erwacht doch gleich das Folgen-Wollen in mir. Sprich: (Refr.: ) Streberin in der ersten Bank. Mit Finger in der Luft bevor die Frage fertiggestellt ist. Am besten mit Schnippen, weil Nimmmichnimmmichnimmmich!

 

Also. Böse sein. Ich übersetze das in direkter, klarer, gerader, schärfer, mit Biss.

 

Dieses Attribut würde mir noch fehlen. Sei unterentwickelt. Darum geradezu erwünscht und bestimmt auch gesund sei es, wenn ich ein bisschen mehr Galle unter den Menschen verteilen würde.

Ich kann das.

Ehrlich.

Als Beweis eine kleine Episode.

 

Es geht darum, das Essen zu bestellen.

Was nimmst du? Was nimmst du? – Latent genervt bin ich davon eh immer.

Das schlucke ich brav, quasi als Aperitif.

Man gewöhnt sich mehr oder weniger freiwillig an vieles.

Dann die nächste Frage. Wer nimmt eine Vorspeise? Also Salat. Zum Beispiel. Leider hört niemand zu, vor lauter Wasnimmstdu.

Ich ermuntere zum Salat zum Beispiel, schlucke gleichzeitig noch eine Runde Aperitif.

Aber wenn sonst niemand, dann nehm ich auch keine Vorspeise, lautet die Antwort.

Hier fängt der Beweis an.

Achtung, es wird heftig.

 

Ein Schimpfwort kommt zu Beginn. Aber weil ich Refr., mag ich mich nicht entscheiden. Soll ja für jeden das passend schlimme sein. Somit und in der Hoffnung, vollste Zufriedenheit zu erreichen:

______________ (Schimpfwort einsetzen), wenn wir schon beim Vorspeisensalat nicht dafür einstehen können, was wir gerade möchten, wie sollen wir dann jemals alleine aufs Klo gehen, einen Vortrag verlassen, Zivilcourage zeigen oder das Thema Tod (wahlweise Leben – weil Refr.) angehen?

 

Ich hab die Causa Salat mit einem Zehnjährigen besprochen und ______________ (Schimpfwort einsetzen, weil eh wissen) sogar der ist vollauf davon überzeugt: Wenn ich gerade in einem Lokal sitze und Lust auf was Rohgemüsiges vorneweg habe, dann ________________ (eh wissen) bestelle ich das, ganz egal, ob die anderen das tun, nicht tun, verstehen, gerne sehen, lieber ein Dessert verputzen und so weiter.

 

So.

Beweisführung abgeschlossen.

Ich finde, ich kann ganz schön direkt und bissig sein.

Nun aber die wichtige Frage dazu: Was nützt es? Und wem?

Ich finde ein bisschen Romantik und rosarote heile Welt sehen viel einfacher.

Das geht in einer Zeile.

Augen zu und auf den eigenen Herzschlag hören, schon ist alles gut.

Bei Bedarf die Augen eher ein bisschen zukneifen und die Finger in die Ohren, um das Pochen noch wahrzunehmen, aber auch das braucht keinen eigenen Absatz.

Ganz Refr. auch mir selbst gegenüber kann ich schon ganz alleine aufs Häuschen und werde die Galle weiterhin dort abladen, wo sie hingehört.

Nur wenn ich den Weg nicht mehr schaffe, dann verteile ich ein bisschen Dampf unter denen, die keine Angst vor meinem Mundgeruch haben. In den meisten Fällen ist der Brechreiz damit besiegt.

Und dass ich es könnte, mannomann, ich glaube, das ist nun allen klar.

 

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59 Kommentare

Eingeordnet unter just Life

59 Antworten zu “Der Versuch eines Beweises

  1. ©lz

    Im Grunde braucht man es nicht sein: BÖSER
    Die anderen sind es schon genug.
    Direkt. Bestimmend. Mutig & dies mit Charme besticht.

  2. Ich sehe da die Gefahr, dass die ganze Runde verhungert, wenn sich alle immer nach den anderen orientieren und es nie zu einer Bestellung kommt :mrgreen:

  3. Das erinnert an diese Internet Datei wie Frauen etwas zu trinken bestellen und wie es Männer tun.

    • Wie Du nur zu diesem Bild kommst! Ich saß natürlich in einer Runde mit neun Männern, alle Arme wie Popey, I love Mama-Tattoos, Dreitagebart, Waschbrettbauch, Knackarsch, kurz Testosteron pur in der klischeehaftesten Ausprägung!

  4. Meine kleine (liebe) Giftspritze, Du 🙂

    Liebe Grüße,
    Silvia

  5. Verfluchtnochmal. Kruzifixverflixt. Sapperlottchen. So, damit es beim nächsten Mal nicht beim Versuch des Beweises bleiben muß. Und dann noch meine Taktik, wenn der Restaurantbesuch causasalatisch zu werden droht:
    Weißt du schon, was du nimmst? Nö. Vorspeise? Weiß nicht. Haste was gefunden? Mmmh. ~~~~~~ Kellner kommt, ich rattere als erste meine Bestellung herunter inklusive Vor- Haupt- und Nebenspeise, sowie Sonderwünsche. Peng. Und während die anderen hektisch in der Speisekarte nachblättern, was die Knoblochen denn nun genommen hat, habe ich Zeit für einen Augenflirt mit der Bedienung. Ha!
    Grüße aus Lipperlandien, Ihre Käthe.

    • Also bei Sapperlottchen, da werde ich geradezu rot. Muss es soooo heftig sein? Und natürlich haben Sie mich durchschaut. Beziehungsweise genau gelesen. Es war ein Versuch. Denn direkt habe ich die Causa am Tisch nicht angesprochen. Erst am nächsten Tag. Das mit dem Keineauskunft vorneweg habe ich übrigens auch durchgezogen und weil meine Bestellung in dem Gerede nicht gehört wurde, war der Aufreger komplett, bis mein Teller endlich kam. Grüße aus dem Nachbarlande, Marga

      • Ja, Liebste, manchmal muß es richtig verderbtheftig seyn. Gerne auch hirnarschverdammich oder tüdelühtumpig. In Zukunft die Causa bitte umgehend ansprechen. Testosterongepumpte hungrige Männer anblaffen, eine Mutübung sondergleichen. Nur zickende Schmallippennweiber sind gefährlicher.
        Wissende Grüße, die Ihre, heute kuschelig.

      • Meine Liebe, das mit den Männern war eine Überzeichnung ins Gegenteil, demzufolge saß ich inmitten einer Mutübung. Ein Gegackerabend (möchte ich schon die ganze Zeit sagen), wie er drei Mal im Jahr vorkommt. Aber wo lässt sich besser üben, als bei titulierten Mutübungen?
        Herzliche Grüße mitten in Ihr Gekuschel

      • Ich hätte ahnen können, daß Sie für die Übung die schwierigere Variante sich aussuchen, liebste Marga. Gegackerabende ertrage ich nur unter Zufuhr von sinnvernebelnden Substanzen, dann werde ich auch gackerig und plusterig. Mit Ihnen wäre das bestümmpt sehr lustig..
        Herzlich in einen neuen Tag hinein grüßt, die Ihre, zettelsortierend.

      • Drei Mal im Jahr und dann mit allem Drum und Dran ist so Gegackere nicht zu verachten.
        Die von Ihnen genannten Begleitumstände kenne ich. Wir würden sicher einen tollen plusterigen Kanon zustande bringen!
        Ist Ihnen da gerade ein Zettelchen unter den Tisch gefallen?
        Herzliche Grüße von der meistens zumindest gedankensortierenden Marga

  6. „Gut. Also. Wir haben jetzt alle Ihre Beweisführung vernehmen können. Noch irgendwelche Zeugen? Nein? Herr Staatsanwalt, Sie noch eine Frage?“
    „Nöööö!“
    „Dann kommen wir gleich zur Urteilsverkündung: halten Sie sich fern von mir, bitte! Und nicht hauen. Und bitte nie einen Rohkostsalat, wenn ich im selben Raum bin! Ja, ja, Sie können böse sein. Sehr sogar, zufrieden? Die Verhandlung ist geschlossen …… Mann, ich hab mir schon wieder in die Hosen gemacht. Sie ist auch wirklich zu angsteinflößend…….“

    • Und dann – man beachte – ging es nur um Salat! Wer weiß, was rund um Konfektionsgrößen oder gar Zwischenmenschlichem passieren würde!

  7. Mh, Hauptsache ich bekomme ein Dessert, den Rest ertrage ich.
    Sollte man beim Dessert immer noch zicken, ich habe dem Kellner schon bei der Vorspeise gesagt, dass ich das Trinkgeld festlege;-)

  8. Bösesein als Abrundung der Persönlichkeit, das hat was. Diese Essensszenen haben allerdings das Zeug dazu, in dieser Hinsicht sehr abrundend zu wirken. Schön ist ja auch der Satz von Tante X, wenn alle endlich ihr Essen haben: Ich hab‘ schon wieder das Falsche genommen, das nächste Mal nem‘ ich das, was du hast! Da kann man schon … sehr viel für die Abrundung seiner Persönlichkeit tun!

    • Ich werd ja auch ganz rund, wenn schon jemand bei mir probieren will, bevor ich selbst einen einzigen Bissen hatte. Oder mir seinen Teller unter die Nase hält. Rund, runder, am rundesten.

  9. Oh, eins fällt mir auch noch ein. Meine Schwester bestellt fast immer Rindersteak durchgebraten und NIE ist ihr das Fleisch recht.
    Beim letzten Mal hat unsere Frau Mutter sie gebeten, mal was anderes zu bestellen.:-D 😀 😀

  10. Sehr amüsant, liebe Marga. Wasnimmstdu, lach, wer kennt es nicht. Ähnlich Darfichmalbeidirprobieren. Köstlich 🙂

  11. melcoupar

    Ich gebe es zu: ich bin eine von denen, die sich oft einfach nicht entscheiden kann. Aber ich vermeide tunlichst die Frage, was denn die anderen bestellen. Meine Herausforderung ist mir meine Zeit zu nehmen (und mich nicht unter Druck setzen zu lassen: wir wollen doch alle zusammen essen; auf was hast du denn Hunger, nimm doch das … etc.) und dem Kellner zu sagen, dass ich noch nicht soweit bin 🙂

    • Alleine dafür, dass du das einfach um mehr Zeit bitten würdest, würde ich mich schon bei dir bedanken. Eine, die auf sich selbst achtet. Dadurch fühle ich mich immer befreit – muss nicht alles ich im Blick behalten.
      Und verhungern tun wir alle nicht so schnell.

      Ich stelle die Frage übrigens durchaus auch. Aber nicht, um herauszufinden, was ich bestellen soll oder kann.

      • melcoupar

        Irgendwie erinnern mich Deine Worte an eine Freundin, die immer als Hütehund bezeichnet wurde … Sie hat die Gruppe liebevoll beisammen gehalten … Eine tolle Netzwerkerin. So nebenbei …
        Manchmal weiß ich auch schon Mittags ganz genau, was ich am Abend essen will 🙂

      • Und dann lässt du dich auch nicht davon abhalten. Zumindest nicht, wenn es nicht sein muss, oder?

      • melcoupar

        Ne, davon lasse ich mich nicht abhalten. Ist doch mein Hunger …

  12. Also …ähm….es kam schon mal vor. So hier und da. Aber stets bemüht, dass nie wieder. Also meistens.
    😀

    • Danke für deine Worte! Da ergänze ich doch allergernst: Ich mag die doch alle trotzdem.
      Persönlich würde ich mir einfach lieber um andere Sachen Gedanken machen. Aber ich werde nie wieder schimpfen. Also meistens. 😉

  13. Hm…wie kann sich nur jemand von dir wünschen BÖSER zu sein,
    also echt, bin erst mal baff…

Dazu möchte ich gerne sagen:

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