Landeinotizen

In die Stadt rein findet das Landei mit Navi. Eh klar. Rallyetaugliche Notizen waren einmal. Das ältere Modell – ausgeliehen – wird nervös, wenn das Landei durchs kartographische Nichts fährt. Landei bleibt cool, solange das Ziel schon ein paar Jahre fix und fest steht.

An Orten mit U-Bahn fühlt sich ein Landei immer als Glückspilz. „Welch Glück! In sieben Minuten kommt schon eine Bahn!“

Ein Landei kann sich nicht verlaufen, solange es U-Bahn-Stationen gibt und es den Fahrplan lesen kann.

Nicht als Landei auffallen! – so lautet die Parole. Nach Möglichkeit ein bisschen schneller und zielgerichteter als gefühlt gehen.

Ganz Landei sein: Menschenmassen – die keine sind – bestaunen.

Das trotzige Landei geht zwei, drei Stationen, anstatt zu fahren.

Was macht es für das Landei schwer? Es denkt zu einfach! U-Bahn-Haltestelle klar und dann zum siebzehnten Mal die Erkenntnis: Vier Ausgänge und keine Ahnung! Die Thematik wird traumwärts brav aufgearbeitet. Dennoch wird der Parole treu geblieben. Nur nicht wie ein kopfloses Huhn herumrennen, Landei! Tu, als sei dir noch etwas eingefallen. Dass du noch Brot brauchst oder es den besseren Kaffee an der anderen Ecke gibt.

Was amüsiert das Landei? Wenn der Fahrer Unnötiges im Dialekt erzählt.

Ein stolzes Landei, das nach dem Weg gefragt wird. Aber es stellt klar: Tschuldigung, ich gehöre nicht hierher.

Das Landei wird heimisch, packt während der Fahrten etwas zum Lesen aus. Irgendwie auch nicht viel anders als ein Elektrogerät.

Schwarzfahren und erwischt werden, treibt Tränen in die Augen. Nicht dem Landei. Das lernte schon damals, beim ersten Solo-Ausflug in die Stadt, im letzten Bus, als einzige Passagierin: In der Stadt, ja in der Stadt, da wird kontrolliert!

Teilen hat das Landei gelernt. Ein paar Erreger irgendwelcher Art nahm es mit, die Mütze ließ es dort.

 

 

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30 Kommentare

Eingeordnet unter gefunden, just Life

30 Antworten zu “Landeinotizen

  1. Und darin gleichen wir uns wie ein Ei dem anderen.
    Willkommen im Club und schön, dass du sicher heim gefunden hast.

  2. ©lz

    Ach…wenn es nur die Mütze ist. So bekommen fremde Ohren vielleicht wollige Wärme. Als Spur eines Landei.

  3. Mütze, Landei. Eierwärmer 😀

    Liebe Grüße!

  4. Sweet… irgendwie voll niedlich zum einen.
    Zum anderen, doch dabei festgestellt, das nicht nur vermeintliches Landei Landei ist. Fühl mich dem, dir, sehr nah dabei 🙂

  5. njscholz

    Mützen werden im Frühling eh überbewertet. Ich hoffe, das Mitbringsel erregt zu Haus nicht so großes Aufsehen. 🙂

  6. Man könnte beim Lesen den Eindruck bekommen, dass Du in einer richtigen Großstadt warst und nicht in dem großen Dorf. Schön, dass es Dir gefallen hat und Du wieder gut heim gekommen bist

  7. Verehrteste! Mütze gegen Erreger? Mich deucht, ein schlechter Tausch. Obwohl, das Immunsystem derart anzustacheln, mal wieder volle Leistung zu geben, das kann sich auch als sehr nützlich erweisen. Gute Verbesserung Ihnen und schön, daß das Landei den Großstadtdschungel ohne Riß in der Schale überstand.
    Frischfröhliche Montagsgrüße, ganz die Ihre.

    • Ach, es war nur ein Streifschuss (ich halte nichts davon, jeden gesundheitlichen Firlefanz mitzumachen). Wenn Teetrinken bei Magenkrämpfen nicht hilft, dann zucke ich mit den Schultern und denke: Selber Schuld, wenn du dir nicht helfen lässt. Ich glaube, das scharfe äthiopische Essen hat dann zu der Entweder-Oder-Situation geführt, die mich als geheilt darstellt.

  8. melcoupar

    Ich bin wohl ein Kleinstadtei. Alles, was Du beschreibst kenne ich auch. Da hilft es auch nichts, dass ich schon über 10 Jahre in einer Großstadt lebe. Schön, das Du wieder da bist. Herzlichst. Melanie

    • Am Ende bin ich ein Großstadtkind, das sich nur für ein Landei hält.
      Vielleicht sind wir sogar fast immer etwas anderes, als wir meinen, behaupten, befürchten, verheimlichen, hinausposaunen.
      Liebe Grüße an dich!

      • melcoupar

        Vielleicht bestehen wir einfach aus vielmehr als wir behaupten, befürchten, verheimlichen oder hinausposaunen … Vielmehr als wir uns vorstellen können …

      • Ich glaube, das wäre ganz gut.
        Auch gut möglich.

  9. Ja, so ist das … genau so.
    Herzliche Grüße von Madame, bekennendes Landei.

  10. Deine Landeinotizen habe ich mit einem immer größer werdenden Schmunzeln gelesen…
    gleich zwei mal, und dann wurde aus dem Schmunzeln ein breites Lächeln-Lachen 🙂

    Dir einen schönen Abend!
    Liebe Grüße vom Lu

  11. Liebe Marga,
    habe mich bei diesem Post wunderbar unterhalten und auch getroffen gefühlt. Mal von der einen, mal von der anderen Seite. Ich bin ja eigentlich ein Städtebewohner, der seit ein paar Jahren ganz glücklich in einer Kleinststadt bzw. an deren Peripherie (doch, das gibt es auch bei Kleinstädten, da ist die Peripherie eben noch peripherer und ländlicher) wohnt. Bin also so gesehen nix halbes und nix ganzes, habe aber festgestellt, dass es mir zunehmend schwerer fällt, mich in schwerst bevölkerten Gebieten länger aufzuhalten. Der Mensch ist eben ein komisches Tier.
    Danke jedenfalls fürs Amüsemeng und liebe Grüsse
    Kai

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