Kleines großes Wort

Das Leben stellt bestimmt nicht allen dieselben Fragen.

Und ich gehe davon aus, dass meine Antworten lange nicht der Wahrheit letzter Schluss sind.

Dies hier ist eher der Versuch, eine kleine Etappe des Denkens durch das Niederschreiben zu ordnen.

Ich fühle mich verpflichtet voranzustellen, dass es ein überaus heikles Thema ist und ich damit nur mir selbst Ausdruck gebe – von meinem momentanen Stand- und Blickpunkt aus.

Vielleicht ist gleichzeitig alles ganz anders…

Bei Festen, wenn getrunken wird, dann wird manches Mal auch für bzw. auf etwas angestoßen. Das Geburtstagskind, das Zusammensein, die Gesundheit zum Beispiel.

Ich bin da gerne mit dabei.

Über eine Fourmulierung, einen Gedanken, der bei solchen Gelegenheiten schon öfters ausgesprochen wurde, stolpere ich allerdings jedes Mal.

„Ohne Gesundheit ist alles nichts“, heißt es. – Oder so ähnlich.

Und in mir taucht dann postwendend ein „Wirklich?“ auf.

Ich kenne es, nichts sehnlicher als gesund sein zu wollen, zu trauern, zu bitten, zu wünschen, zu hoffen, aufzugeben, zu wüten, zu hadern.

Nichts davon mag ich unterschlagen.

Doch

Wenn der alte Anästhesist, der aussieht als gehöre er in Pension, über die Wange streicht und eine Träne trocknet, ist das nichts?

Wenn ein Finger mit aller Kraft und allem Sein, aller Frustration und zugleich Hoffnung bewegt wird, ist das nichts?

Wenn man eine Stunde der Verzweiflung hinter sich gebracht hat, ist das nichts?

Das Zusammenrücken der Lieben, ist das nichts?

Die letzte gemeinsame Zeit, nenne ich die „nichts“?

Ist ein Leben mit Schmerz und Krankheit „nichts“ zu nennen?

Wenn jemand, der alleine in seiner schwierigen Nichts-Situation steckt, plötzlich einen anderen an die Seite bekommt, der versteht, weil er selbst mitten hinein geworfen wurde – ist das nichts?

Ich von hier und jetzt aus möchte bitten: Nennt es viel und bedeutsam, aber nicht alles, denn dann ist daneben nur nichts.

 

 

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35 Kommentare

Eingeordnet unter ein bisschen Philosophie, gesucht

35 Antworten zu “Kleines großes Wort

  1. Lebenszeit ist auch in Krankheit vorhanden.
    Wie sollte da nichts sein?

  2. Du hast unbedingt recht. Das ist wieder die Geschichte, dass es mehr gibt als nur schwarz und weiß, nämlich so unendlich viele Grautöne …
    Aber das hat mit „zulassen wollen“ zu tun, mit der Erkenntnis, dass es „weiß“ (vielleicht) nicht gibt, dass man einem Traum (von der perfekten Welt?) nachrennt.
    Alles keine leichten Themen.

  3. melcoupar

    Wenn ich so etwas höre, dann frage ich mich immer, was denn Gesundheit ist oder heil sein?! Für mich sprengt das Grenzen … Nichts ist da nicht.

  4. Ich bin da ganz Christianes Meinung, das Leben besteht doch hauptsächlich aus Grautönen, rein weiße oder rein schwarze Momente gibt es ja eigentlich nicht.
    Und auch Lebensqualität ist eine absolut subjektive Sache

  5. Du sprichst mir aus der Seele.

  6. Dein Doch und deine Silben finde ich sehr wahr und tief.

  7. Die meisten Dinge kann man Regeln und sich anpassen. Bei Gesundheit ist das nur bedingt möglich. Entsprechend ist es so wichtig. Es ist auch eine Altersfrage. Junge Menschen nehmen es als gegeben an. Je älter man wird desto wichtiger wird die Gesundheit weil man immer mehr Fälle kennt, die das Leben trotz materieller Reichtümer nicht mehr genießen konnten.

  8. Es ist halt so ein Spruch, 08/15, wie so viele, nix wirklich von Bedeutung!

    Aber deine“Ausnahmen“ sind sehr sehr schön, so lieb dein Post insgesamt 🙂

  9. Und ich habe noch vergesen zu sagen, wie gut mir der Text nach dem DOCH gefällt ! So schöne Beispiele und sie erinnern mich an eines meiner Lieblingsworte: „TROTZDEM“

  10. Pingback: Wirrsinn [17] | marga auwald

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