Abstauben

Es gibt diese Momente, da lenkt einen kein Buch, kein Film, kein Handy ab. Gedanken schweben an die Oberfläche. Mehr als Gedanken noch ergibt sich ein Blick auf einen selber. Eine seltene Gelegenheit im steten Taumel durch Raum und Zeit.

Das letzte Mal ist zehn Jahre her. In echt oder gefühlt.

Trägt noch, was damals begonnen wurde? Liegen mir die Gesprächsthemen von heute überhaupt? Kommen meine Gebete noch aus dem Herzen? Ist die Bluse an meinem Körper nicht längst ausgetragen? Hat sich mein Geschmack im Essen wirklich kein Stück bewegt?

Bin ich lebendig oder eine Endlosschleife an Gewohnheiten?

Fängt man so erst einmal an, durch Lebenseinschnitte gefordert oder von einer Stunde mit sich selbst geschenkt, kann durchaus ein anregender Dialog mit dem eigenen Inneren beginnen.

Ein Nein auf solche Fragen als Startfreigabe für eine neue Suche und damit für ein Finden, das Horizonte an ungewohnten Grenzen absteckt.

Ob dieser Platz auch in dem Buch „1000 places to be before we die“ vorkommt, welches selbst seinen Standort seit zehn Jahren – in echt oder gefühlt – nicht mehr gewechselt hat?

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26 Kommentare

Eingeordnet unter ein bisschen Philosophie, just Life

26 Antworten zu “Abstauben

  1. Ich bin eine lebendige Endlosschleife an Wiederholungen.

  2. Hua, das ist ja wie Dateien sortieren. Anschauen. Bewundern. Belustigt sein. Fragend schauen. Irritiert Kopfschütteln. Ordentlich einsortieren. Wegschmeißen.

    • Kombiniert mit einer Portion: Oi, da hängt dann aber mein Leben dran. Je mehr sich ändert, umso größer die (gefühlte) Unsicherheit. Ist bei Daten nicht ganz so fundamental 🙂

      • Oha, stop. Nein, soweit bitte nicht. Es soll nicht Klippengangartig enden. Bitte siehe den Fokus eher auf, beruhigt wieder ins Regal stellen und freuen, dass ganz viel so ist, wie es ist !

      • Manchmal wird es eben klippengrenzgängig im Leben. Wobei das oftmals eine Empfindung ist und zum Glück keine tatsächliche Erfahrung auf Leben und Tod. Solange man weiß, dass man eh immer Boden unter den Füßen und Luft in den Lungen hat, geht es weiter.

      • Ja, genauso ist es. Das muss ich mir übrigens immer mal auch wieder vor Augen führen. Dann läuft der Puls auch wieder ruhiger…

      • Ich sauge mir das auch nicht nur aus den Fingern…

  3. Huch, auf die Sendentaste gekommen. Fehlt doch noch drüber freuen und wiedererkennen .
    Und die lieben Grüße fehlen noch 😀

  4. Und ich lande dann bei Rilkes kategorischem Imperativ: Du musst dein Leben ändern. (http://www.rilke.de/gedichte/archaischer_torso_apollos.htm)
    Ich mag solche Fragen. Hinterher weiß man, wo man steht, mit ein bisschen Glück und Geduld, und wo nicht.
    Ganz liebe Grüße an dich
    Christiane

    • Es könnte auch sein, dass das Leben übernimmt, was man selber zu lange hinauszögern. Entweder ändert man das Leben selbst, oder es wird sich ändern.
      Liest sich bei dir aber so, dass es sich lohnt.
      Also: Auf!
      Liebe Grüße und viel Spaß am Ändern 🙂

  5. Wunderbare Fragen. Ich mag die Worte sehr, die du findest und mit dem du das innere Abstauben so poetisch beschreibst.

  6. So wenig, wie uns andere Menschen vorschreiben können, an welchen Plätzen wir gewesen sein müssen, bevor wir sterben (Sehen Sie meine Halsschlagader bitte angemessen klopfen!), so wenig können wir uns aussuchen, wann wir maikäferig auf dem Rücken liegen und uns versuchen, rückblickend zu besinnen, wie oder wer wir einst waren. Rein körperlich erneuern wir uns alle sieben Jahr. Und nun? Jeder Gedanke, jeder Gedankenaustausch und letztendlich jede Begenung läßt uns billardkugelig weitertreideln. und verändert uns, unsere Position und den Anblick, den wir darstellen. Haben Sie schonmal eine Billardkugel in einer Endlosschleife gesehen? Ich nicht.

    Anfänge können ins Leere verlaufen, Gesprächsthemen kommen kaum der Aktualität hinterdrein, die Bluse ist mal zu eng, mal zu schlodderig und Essen, ach, übers Essen mit sich selbst zu reden ist müßig. Aber die Gebete, gerade die aus dem Herzen, die bleiben doch immer eines: Genau sie selbst. Vor allem, wenn man maikäferig ist!

    Ich sende Ihnen staubwedelschwenkende Grüße und wünsche tausend Fingerkuppen, an denen es sich trefflich wieder aus der Rückenlage krabbeln läßt.
    Immer die Ihre, eine davon seiend.

    • Vielen lieben Dank für Ihre Gedanken und Ergänzungen dazu!
      Für mich passt recht gut der Begriff „lebendig“ dazu, wenn man sich den ständigen Veränderungen anheim gibt. Das mag ich sein. Vor allem lebendig am Leben.
      Grüße der Verbundenheit

Dazu möchte ich gerne sagen:

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