Warum ich nicht weiß, was ich denke

Awards, ich gebe es zu, haben es mir nie wirklich angetan. Vermutlich weil ich sie eh immer außer Reichweite vermutete. Wesentlich mehr als ein Heft an der Brustliebsteraward

inspirieren mich auch jetzt noch die Fragen an sich. Und so hat mir Mme Contraire eine Freude gemacht. Vielen Dank – ich lerne andere dadurch gerne kennen und mich selbst damit.

Ich bitte um Nachsicht, dass ich mich über die restlichen Regeln ein weiteres Mal hinwegsetze. Wenn ich denn einmal Fragen habe, die sich dafür eignen, dann werde ich das alles, alles nachholen.

 

1) Madame duzt, Madame siezt, Madame ist verwirrt. Wie halten Sie es mit Duzen und Siezen, was bedingt die jeweilige Anrede und was steckt letztendlich Ihrer Meinung nach hinter all dem Formalismus?

Also ich komme aus einer Ecke, in der das Du ganz natürlich verwendet wird. Im heimischen Bereich sowieso – egal ob Arzt oder Bankdirektor. Dass das für den Pfarrer nicht gelten soll, kommt mir so eigenartig vor, dass ich jede personalisierte Anrede vermeide.

In beruflichen oder anderen größeren Kreisen passe ich mich an (muss dazu manchmal nachlesen oder abwarten, wie ich nochmal angesprochen werde). Allerdings ist ab drei Kontakten, die sich angenehm darstellten, jedes Sie für mich reine Impulsbeherrschung.

Einzig Käthe hat es bislang (und unerklärlicher Weise) geschafft, mich beim Sie zu halten. Doch ich wette, würde sie mir persönlich gegenüberstehen, ich wüsste gar nicht mehr, was Impulsbeherrschung ist und damit müsste sie dann leben.

Persönlich empfinde ich das Siezen dementsprechend mehr als Ausdruck von Distanz – die ja durchaus sein darf – und weniger von Respekt. Ich passe mich an und halte mich dabei an die Regel: Die ältere Person bietet das Du an, nicht umgekehrt.

2) Wenn Sie zurückschauen auf Ihren ersten Blogeintrag, sich Ihre ursprüngliche Intention vor Augen halten, weshalb Sie ein Blog gestartet haben: Haben sich Ihre Ziele im Laufe der Zeit verändert? Haben Sie erreicht, was Sie ursprünglich beabsichtigt haben mit Ihrer Blogidee?

Das ist ein lustiger Denkausflug. Tatsächlich wollte ich auch ein bisschen herausfinden, was in Marga Auwald steckt; vielleicht verborgene oder zurückgehaltende Seiten in den Vordergrund treten lassen. Irgendwie bin es aber doch nur ich geworden. Ohne das Gefühl, für meine Worte und Gedanken einen halberfundenen Namen zu benötigen.

3) Waren Sie schon einmal gedanklich soweit, Ihren Blog wieder zu schließen? Welche Tiefen sind Ihnen als Blogger schon begegnet?

Nein, an ein Schließen habe ich noch nie gedacht. Ich finde es allerdings befreiend, in der Nutzung verschiedene Intensitäten zu leben, ohne das Bedürfnis, mich großartig erklären zu müssen.

Tiefen? Nein, kommen mir keine in den Sinn. Manches Mal habe ich aber das Lesen von anderen Blogs beendet, wenn ich bemerkte, dass mir der Ton oder das Thema auf Dauer innerlich zu schaffen machten – auf eine Art und Weise, die ich nicht verarbeiten wollte.

3) Und welche Höhen haben Sie in Ihrem Bloggerleben bereits erlebt? Ein besonders denkwürdiges Blogereignis?

Als Höhen bezeichne ich, wie ich durch das Lesen anderer Blogs und durch Kommentare inspiriert werde und ich Veränderungen an meinem Denken und Schreiben bemerke. Experimentierfreude zum Beispiel. Oder Gedanken an andere Blogger:innen, die mich auch abseits vom PC zum Lächeln bringen.

Zu besonders denkwürdigen Blogereignissen würde ich jene zählen, wenn ich mich das erste Mal bei einer zuvor nur aus der Stille heraus bewunderten Person zu Wort meldete.

4) Wenn Sie anonym bloggen: Lassen Sie Menschen aus Ihrem realen Umfeld in den Genuss Ihres Blogs kommen? Warum nicht?

Manche wissen’s, manche nicht. Wenn mich der Gedanke an ein Bekanntwerden zu nervös macht, dann bleibt es geheim.

Nur weil eine einzige Person aus meinem Umfeld am Anfang las und das ausgesprochener Weise gerne tat, blieb ich überhaupt am Ball – davon bin ich überzeugt.

5) Haben Sie sich schon einmal gewünscht, einen Blogbeitrag nie veröffentlicht zu haben?

Nein. Allerdings ließ ich auf einzelne Beiträge recht rasch etwas anderes folgen, weil mich das Ganz-oben-Stehen unruhig machte. Aber wegnehmen gilt nicht!

6) Wie viele unveröffentlichte Beiträge liegen noch in Bearbeitung, wie viele davon werden es voraussichtlich zur Veröffentlichung schaffen?

Es gibt derzeit acht Entwürfe.

Einer wurde thematisch ähnlich anderweitig und spontan veröffentlicht.

Ein weiterer war eine Frage, die sich mir stellte, welche ich am Ende lieber einigen ausgewählten Personen direkt und weniger öffentlich gestellt habe.

Einen kann ich denken aber nicht schreiben.

Zwei sind gerade weit weg von aktuell.

Bei einem bin ich mir noch nicht sicher, ob er es zur Veröffentlichung schafft.

Zwei werden noch kommen. Mehr als einen pro Tag gibt es nicht und wenn es gerade „flutscht“, dann wird es ein Entwurf.

Somit – schwuppdiwupp – sind jetzt noch drei gespeichert. Man soll aufräumen, wenn es gerade leicht geht.

7) Inspiration, Technik, Ritual, Zeiteinteilung. Wie schreiben Sie?

Spontan. Wenn ich eine Idee oder ein Bedürfnis habe, dann suche ich die Möglichkeit, das zu schreiben/zeigen. Notfalls auf Papier vornotiert.

Frei von Zwängen aber mit Mut zum Tun/Ausprobieren.

8) Mögen Sie Kuchen?

Ja. Vielerlei! Guss weniger und nicht zuckerschocksüß, aber ansonsten bin ich eine dankbare Esserin – die sich auch vor zweiten Stücken nicht fürchtet.

9) Wie lautet die Frage, die Sie schon immer einmal gerne gestellt bekämen? Sie dürfen Ihre Antwort darauf natürlich gleich mitliefern, wenn Sie möchten.

Um ehrlich zu sein, vermute ich schon lange, dass mein Schreiben auch daher rührt, zu Wort kommen zu wollen. Dort gebe ich meinem Mitteilungsbedürfnis stärker nach.

In Gesprächen halte ich mich tendenziell eher kurz (subjektiv und situativ gesehen). Und das gerne. Wenn mir aber jemand zuhört, einfach nur zuhört, ohne auf etwas zu warten, dann gelange ich manchmal an Punkte, die ich auch davor nicht erahnt hatte. Dabei hängt wohl weniger von der Frage als vielmehr von dem Raum ab, der mir geschenkt wird. Funktioniert allerdings nicht auf Kommando…

Antworten, die mich von mir interessieren würden:

Was denkst du am Morgen als erstes?

Wo ziehst du bei Menschen Grenzen? Wo bei Tieren?

Wo in deinem Körper fühlst du dich am wohlsten?

Warum magst du nicht ausprobieren, was viele empfehlen?

Die Antworten dazu kenne ich erst, wenn ich mich aufs Antworten einlasse – und das tue ich jetzt nicht. Ich glaube, sie sind noch nicht reif oder nicht wirklich wichtig.

 

 

Advertisements

24 Kommentare

Eingeordnet unter gefunden

24 Antworten zu “Warum ich nicht weiß, was ich denke

  1. Jaaaaa, sehr interessant ….

  2. Deine Fragen an Dich sind aber spannend! Du solltest es mit den 11 Folgefragen mal versuchen 😉

  3. Vielen Dank, dass du dir die Zeit für meine Fragen genommen hast! Ich wusste, warum ich sie dir stelle – deine Antworten sind höchst interessant! Die selbstgestellten Fragen ebenso und um so mehr, da ich es tatsächlich nachvollziehen kann, was du damit meinst, du fändest Antworten zu dir selbst beim Antworten selbst… Schön, wenn es Möglichkeiten gibt, einfach drauflos zu sprechen und sich selbst dabei kennenzulernen! Praktiziere ich seit kurzem auch, und das tut wirklich gut. Ansonsten schließe ich mich meiner Vorrednerin an: 11 Fragen aus deiner Feder, gerne in der Art, wie du sie schon formuliert hast, werden mit Sicherheit freudvoll beantwortet!
    Viele Grüße und bis bald!
    Mme C.

  4. Immer wieder schön und interessant an den Antworten teilhaben zu dürfen und die Marga, die mir nicht fremd wirkt, wieder ein wenig mehr kennen lernen dürfen.

  5. Danke 🙂 Es ist schön, von Marga etwas mehr zu erfahren. LG Annette

  6. Ich mochte deine Antworten … und ich kann die erste Frage, die du dir stellst, für mich beantworten. „War das eben ein MAU auf dem Dach?“ Mein erster Gedanke gilt so oft dem hungrigen Fellträger, dass ich schon lachen muss.
    Liebe Grüße
    Christiane 😉

  7. Wenn ich mit meinen Händen gestalten kann, fühle ich mich am wohlsten. Was das sein könnte an diesem neuen Tag, daran denke ich am Morgen.
    Niemand sollte sich dahinein von außen einmischen, weder Mensch noch Tier und niemand sollte mir anraten, mich dabei auf etwas spezielles festzulegen.
    Habe ich meine Eigenbrödelei vollbracht, backe ich Kuchen. Für alle.
    Kommst du?

    • Liebe Arabella, du bringst so einiges auf den Punkt. Hast praktisch alle Fragen beantwortet und ich sag – damit hast du sicherlich gerechnet – gerne JA. Sicher komme ich zum Kuchenessen. Auch zum nur Nebendirsitzen oder durch den Garten stromern.
      Liebste Grüße,
      Marga

  8. Und das ich davon ausgehen kann, ist das Beste, was mir passieren konnte.<3

  9. Liebe Marga,
    wenn du willst, kommt hier der nächste: Ich habe dich soeben mit einem Award beworfen. Nicht erschrecken: nur ein ganz kleiner. Vielleicht magst du vorbeikommen und dir die Bescherung mal ansehen?
    https://365tageasatzaday.wordpress.com/2015/09/07/blogger-recognition-award-2/
    Liebe Grüße
    Christiane

    • 😀 Bei diesen Geleitworten kann ich schon mal nicht anders, als den Standort zu wechseln. Dauert aber ein bisschen, ich bin grad immer wieder unterwegs.
      Danke und liebe Grüße,
      Marga

      • Dieser Award ist besonders, denn er besteht aus zwei Fragen, die auch so weitergegeben werden sollen: 1. Beschreibe deinen Weg zum Blogger; und 2. Gib (neuen) Bloggern (hilfreiche) Tipps. Das ist alles, und ich muss sagen, nachdem ich es zuerst in drei Sätzen abfrühstücken wollte, ist ein ziemlicher Rattenschwanz draus entstanden …
        Wenn es was für dich ist, mach mit, ansonsten vergiss es einfach :-D, es besteht ganz sicher kein Zwang.
        Ganz liebe Grüße an dich,
        ich hoffe, alles ist gut
        Christiane

  10. Endlich, endlich erlaube ich mir, meine Marga auf Ihrem Blog zu besuchen und nachzulesen. Ich war so hibbelig, Ihre Antworten zu lesen, bevor ich meine geschruben hätte ~~~~~~~~~~~~ Ich ahnte zugeneigte Beeinflussung. Und die hätte es gegeben, wenn ich das jetzt so lese. Und weil meine Lieblingsimperative mich immer so hübschig schilt, wenn ich pardongisiere erfolgt mal wieder eine Steilvorlage: Vergeben Sie mir meine Abwesenheit hier, sie war dem Wissen um meine Neugier geschuldet.
    So, weiter nachlesen bei Ihnen bonfortionöser Fragenantwortmaid!
    Herzlich, die Ihre, abersowasvonzugeneigt.

    • Das heißt ja wohl, dass ich auch bei Ihnen einiges zum Nachlesen finden kann. Darauf freue ich mich – gleich nachdem der Koffer ordentlich ausgepackt ist und der Alltag… ach, was ist schon Alltag… ich komme jedenfalls wieder!
      Absolut zugeneigte Grüße in den Abend hinein – die Ihre

Dazu möchte ich gerne sagen:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s