Nymphen verstehe, wer will

An einem fließenden Gewässer scheint es für Trolle ganz anders zu sein als dort beim Wasserfall mit dem kleinen See.

Anfangs war stets ein gehöriges Durcheinander ausgebrochen, wenn Benk mit mir zu dem versteckten Kleinod gekommen war. Wie das Trollkind zu seiner Mutter zurückkehren soll, ist mir noch so schleierhaft wie in dem Moment als er zu meinem Begleiter wurde und so wandern wir ziellos doch gemeinsam durch die Welt. Keine Frage also, dass er mich auch zum Wasserfall begleitet. Ganz unschuldiges Kind, das er ist, wusste auch er nicht, warum die Wassernymphen dort so garstig reagierten. Ihre Gesichter wurden zu Fratzen und sie zischten und wüteten in seine Richtung. Nie zuvor hatte ich ihre derartig grausige Seite zu sehen bekommen. Gegen mich hatten sie weiterhin nichts. Weniger noch. Weil Benk dabei war, galt ihre ganze Aufmerksamkeit dem kleinen Troll, ich wurde ignoriert.

Weil ich den Platz schätze, ließ ich mich von diesem Gehabe nicht aufhalten und Benk folgt mir sowieso. Mit der Zeit schienen sich die Nymphen daran zu gewöhnen. Sie behalten ihn zwar weiterhin im Auge, daneben wird ihre alte Routine und ihr Lebensrhythmus nicht mehr großartig gestört.

Ganz anders an der Ache. Die Wesen, welche die Szenerie dort bevölkern, folgen ungehindert ihrem Tun und Wollen, während Benk im Wasser steht und den Blick ins Unterirdische schweifen lässt. Manchmal, wenn er besonders ansprechende Edelsteine entdeckt (das vermute ich, denn das mit Fragen und Antworten ist bei Trollen so eine Sache, die man mit dem Wort „unmöglich“ am besten beschreibt), steckt er schon mal den Kopf unter das Wasser und vergisst alles um sich herum. Ein Anblick, der mich zum Lächeln bringt und das Warten sehr einfach macht. Dann sitze ich mit dem Roten Ei in der Sonne und warte – weiß nicht worauf. Vielleicht, dass der Zauber der Moosmenschen endlich wirkt. Aber dazu gehören genau wie zum Roten Ei und meinen Begegnungen mit Gork noch einige andere Geschichten.

 

 

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10 Kommentare

Eingeordnet unter Natur-Phantasie

10 Antworten zu “Nymphen verstehe, wer will

  1. Meine Liebe, der Zauber hat schon gewirkt.
    Und diese Geschichte ist das Beste vom Tag.
    Danke

  2. Weil es 5 Uhr morgens ist, eigenartige Stimmung, Zwischenzeit, gefällt mir was ich lese hier und setze es auf Stern; den Kopf ins Wasser möchte ich jetzt auch halten, allein, dann wäre vielleicht die Zeit rum, wo solche Texte die beste Wirkung zeitigen.

    • Da hatte das Gelesene ja Glück, zur rechten Zeit am rechten Bildschirm aufscheinen zu dürfen.
      Morgens um fünf halte ich den Kopf nur unter warmes Wasser, das über Jahre aber gar nicht ungern.

  3. …ganz ganz zauberhaft ist dieser kleine Text…
    *voller Bewunderung nun zu dir rüber guck*

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