Wider die Samthandschuhe

Ironisch, dass ein sprichwörtliches Anfassen mit Samthandschuhen zu einem buchstäblichen Verlust von Fingerspitzengefühl führt.

Es gibt Dinge, über die denkt man erst nach, wenn sie einen betreffen. Ein eingewachsener kleiner Zehennagel zum Beispiel. Oder Flecken, die vor den Augen tanzen. Auch so etwas: Kennst Du Deine Handschuhgröße? Da fängt die Sache nämlich an. Und dann gibt es nebst Zahlen auch die S/M/L-Variante. Nicht zu schweigen von der Tatsache, dass M nicht M ist und so weiter.

Die ganzen (alten) Höfischen oder (alten) Diener oder Einbrecher oder Magier oder Menschen in Hygienejobs oder Menschen in Dreckjobs oder mit Verletzungsgefahr; sie alle haben mein Mitgefühl (die Einbrecher brauchen es vielleicht weniger), weil sie Handschuhe tragen (müssen). Meiner Erfahrung nach bleiben viele kleine und große, jedenfalls wichtige Informationen außen vor, wenn man seine Finger einpackt. Das reicht schon, um mich auf Dauer unleidlich werden zu lassen. Es fehlt schlicht das Fingerspitzengefühl.

Denkt daran und seid froh, über uneingeschränkte Empfindsamkeit.

 

 

 

 

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15 Kommentare

Eingeordnet unter just Life

15 Antworten zu “Wider die Samthandschuhe

  1. Ich habe Handschuhgröße 7,5. Wie du weißt steh ich auf altherkömmlich Eleganz.

  2. textstaub

    Wobei ja zuweilen ein Fingerkondom dem sensiblen Fingerspitzengefühl vorzuziehen ist. Zumal dann an Stellen die auch ohne dieses Spitzengefühl reparabel sind.
    Und da ich mich weder hier
    http://www.lederhandschuhmacher.de/
    noch bei Röckel mit Königlichem Fingerschutz eindecke nehme ich einfach s und bin vorübergehend auch zufrieden.
    Bei diffiziler Feinjustierung bleibt immer die Haut der erste Handschuh.

  3. Ja, unbedingt Ja. Ich mag zum Beispiel nicht mit Handschuhen fotografieren. Lieber friere ich mir (gefühlt) die Fingerspitzen ab. Meine Handschuhgröße habe ich dagegen (glaube ich) noch nie gekannt … hm.
    Liebe Grüße
    Christiane

    • Wie gesagt, darüber denken viele erst nach, wenn sie müssen. Und für ein Paar Handschuhe um dem Fingergefriertod zu entgehen muss man die Größe wohl auch nicht wirklich kennen. Reinschlüpfen und sehen/fühlen reicht dafür 🙂
      Morgengrüße an dich!

  4. 🙂 Sehr schön !

    Das kenne ich, da ich ebenso einer bin, bei dem das „fühlen“ ausgesprochen stark ausgeprägt ist. Ich kann etwas erst dann wirklich „erfassen“, wenn ich es berühre – oder mich berühren lasse. Vielleicht noch zusammen mit dem Gehör, was aber untergeordnet ist. Sehen ist auch wichtig, aber zumindest bei mir nur Mittel zum Zweck. Die Orientierung erhalte ich über das fühlen. Kann auch nicht gut mit Handschuhen arbeiten. Dafür „fühle“ ich zum Beispiel, wo genau eine Türfalz klemmt 😉 Oder auch, wo ein Maschinenlager sich beginnt, zu verabschieden.

    Schaue mal HIER, es gibt eine Art Wissenschaft, die sich die verschiedenen Menschentypen, was die Art der Wahrnehmung betrifft, zu Nutze macht. Natürlich kommerziell, wie meist … aber interessant.

    Grüße !

  5. Ironisch, dass ein sprichwörtliches Anfassen mit Samthandschuhen zu einem buchstäblichen Verlust von Fingerspitzengefühl führt.
    .
    Das finde ich äußerst tiefsinnig ! Im übrigen führt das Anfassen mit Samthandschuhen bei der so angefassten Person womöglich auch noch zu Realitätsverlust, weil ja die Samthandschuhe für Wahrheit nicht durchlässig sind ….

    • Und es gibt Menschen, die sanfte Berührungen, welche nicht eindeutig wahrgenommen werden können, überhaupt nicht ausstehen können.
      … Für die Wahrheit undurchlässig … darüber kann man gut nachdenken und weitere Bilder und Weisheiten finden.
      Danke!

  6. Ironisch, dass ein sprichwörtliches Anfassen mit Samthandschuhen zu einem buchstäblichen Verlust von Fingerspitzengefühl führt.

    Gut wenn Eltern diesen Satz lesen und verinnerlichen würden 😉

    • Einst war ich auf einem Vortrag von Jasper Juul. Ziemlich bekannter Familientherapeut und live wirklich bemerkenswert. Ich erinnere mich gut daran, wie er einer unsicheren Mutter eines ein, zwei (?) jährigen Kindes zu ihrem Problem (?) sagte: Das hält er aus. Kinder können Frust aushalten.

      Andere in Watte zu packen – Kind oder nicht – hilft nie, mit der Welt und dem Leben in echten Kontakt zu treten. Man muss sie ja deswegen nicht gleich in eine Wand schubsen…
      Danke für deine Ergänzung!

  7. Solange es der Samt- und nicht der Fehdehandschuh ist

Dazu möchte ich gerne sagen:

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