KdH – Einblicke ins Danach

BuchcoverHier gibt es nach und nach einige kurze Episoden zu lesen, wie es Simone und Gerry (aus Kommando des Herzens) weiterhin ergangen ist.

[Spoilerwarnung muss wohl sein…]

 

 

Eineinhalb Jahre später (Simone)
Das Timing in Gerrys Beruf war manchmal richtig mies. Erst vor einer Woche waren wir in das neue Haus eingezogen und schon war er wieder unterwegs. Heute fand die Premiere statt, dass ich alleine mit Joel und Noah hier übernachten musste. Wie in der WG gewohnt, legte sich Joel zu mir in das große Bett.
Gerade hatten wir die Gute-Nacht-Geschichte fertig gelesen und ich wartete darauf, dass er einschlief, da fragte er wie aus dem Nichts: „Mam, was ist eine Schlampe?“

gesamt: eineinhalb Jahre später

 

Drei Jahre später (Gerry)

Charly erreichte mich knapp vor meinem Wagen, als ich mich schon auf den Heimweg machen wollte. Ich stöhnte innerlich auf, denn ich hatte den ganzen Tag mit verletzten Kameraden im Reha-Bereich gearbeitet und freute mich auf den Feierabend.
Er schickte voraus, dass er mich als Freund und nicht als Kollege sprechen wolle. Ich nickte diesen Kommentar kurz ab und erfuhr dann, dass Jeff angerufen hatte, um zu verkünden, dass er die nächsten zwei Tage nicht erreichbar sei, weil er sich betrinken würde.

gesamt: drei Jahre später

 

Fünf Jahre später (Simone)

Gerry war in den letzten Tagen unausstehlich und ich hatte eine Ahnung, weswegen das so war. Seit vier Wochen war Jeff nun im Einsatz, was zum Einen immer eine gewisse Lücke auftat, weil die beiden sehr viel von ihrer Freizeit gemeinsam verbrachten. Außerdem hatte ich heute Morgen beobachtet, wie Gerry noch mit einer Semmel zwischen den Zähnen aufgestanden war und die gefaltete und ungelesene Zeitung mit Schwung in den Müll befördert hatte.

Ich war nicht gegangen, um zu sehen, welche Schlagzeile seinen Unmut erregt hatte. Aus Erfahrung konnte ich dieser Handlung entnehmen, dass für die Öffentlichkeit aufbereitete Informationen abgedruckt waren, die mit seinen internen Kenntnissen nicht übereinstimmten. Wenn ein falsches Licht auf seine Kameraden und Freunde geworfen wurde, machte ihn das immer ungehalten.

gesamt: fünf Jahre später

 

Sieben Jahre später (Simone)

Das war die andere Seite: Gerry, der mit seinem einjährigen Sohn unermüdlich das Gehen übte, ihm den Finger reichte und ständig zwischen Küchentisch und Couch hin und her pendelte.

Gleichzeitig hatten wir uns ziemlich in die Haare bekommen, weil ich nicht damit einverstanden war, wie er beim Sprechtag damit umgegangen war, dass die Lehrerin über Noahs Raufereien gesprochen hatte. Er hatte schon vorab gewusst, dass der Junge in den Schulpausen mehrmals Schlägereien angezettelt hatte und wir waren uns prinzipiell einig, dass es so nicht weitergehen konnte.

gesamt: sieben Jahre später

 

Acht Jahre später (Simone)

In der Erinnerung würde ich alles, was folgte, mit dem kaputten Fahrrad in Verbindung bringen, denn damit begannen verschiedenste Ereignisse, die kaum unter einen Hut zu bringen waren. Ich hatte einen Kopf, zwei Hände und zwei Füße und damit nicht genug, um mich gleichzeitig um alle zu kümmern, die mich gerade brauchten.

Auf der Rückbank im Auto saß der zweijährige Simon und jauchzte vor Freude, wenn ich ihm einen Kinderreim immer wieder mit verstellter Stimme vorsagte. Es war ein gewöhnlicher Wochentag gewesen. Hausarbeit, Einkaufen und Kleinkindbetreuung. Ich genoss die Zeit mit unserem Jüngsten, es war das erste Mal, dass ich das Gefühl hatte, nur für ein Kind da sein zu dürfen.

gesamt: acht Jahre später + Goodie

 

Neun Jahre später (Gerry)

Die Haustüre war nicht abgesperrt, obwohl es bereits elf Uhr am Abend war. So hatte ich mir das vorgestellt. Ein indirekter Willkommensgruß, der mich nach neun langen Wochen zu Hause erwartete.

Schon von draußen hatte ich den Lichtschein im Wohnraum gesehen und ich hoffte, dass das bedeutete, Simone sei noch wach.

Ich konnte nicht sagen, enttäuscht zu sein, denn ich wurde sehr wohl persönlich empfangen. Allerdings war es nicht Simone, sondern Jeff, der auf der Couch fläzte und sich einen uralten Bud Spencer Film ansah.

gesamt: neun Jahre später

 

Neun Jahre und ein paar Monate später (Simone)

Jeff kam von der Toilette zurück und schnappte mir mein Glas vor der Nase weg, um es selbst in einem Zug bis zur Hälfte auszutrinken. Ich gab ihm noch währenddessen einen Stoß gegen die Rippen und er legte grinsend den Arm um meine Schultern.

„Simone, ich bestell dir gleich ein neues, aber ich bin am Verdursten!“

Das glaubte ich ihm gerne, denn er war völlig nassgeschwitzt vom vielen Tanzen.

gesamt: neun Jahre und ein paar Monate später

 

Zehn Jahre später (Gerry)

Noah war kein wehleidiges Kind. Meistens musste man den Zehnjährigen sogar davor bewahren, schmerzhafte Fehler zu machen. Ein Beispiel dafür waren im vergangenen Herbst seine Vorbereitungen gewesen, die dazu dienten, einen Sprung aus dem Fenster im ersten Stock in den Garten zu vollführen.

gesamt: zehn Jahre später

 

Elf Jahre später (Simone)

Simon und ich wurden von Gerry und den anderen Kindern direkt bei der Schule abgeholt. Es war der letzte Schultag vor den Weihnachtsferien und weil unser Jüngster ein gebrochenes Schlüsselbein hatte und unsere Babysitterin ausgefallen war, hatte er mich in der letzten Zeit in die Arbeit begleitet.

gesamt: elf Jahre später

 

Zwölf Jahre später (Gerry)

Ich war gerade dabei, die Koteletts für das Mittagessen zu marinieren. Sei langem war das wieder einmal ein normaler Sonntag zu Hause mit meiner Familie und ich war deswegen auch ganz und gar nicht gewillt, mir das von jungen Hormonen zunichte machen zu lassen. Das Gespräch mit Joel verlief hitzig.

gesamt: zwölf Jahre später

 

13 Antworten zu “KdH – Einblicke ins Danach

  1. Pingback: Es gibt immer etwas zu erzählen | marga auwald

  2. melcoupar

    Ich werde es lesen und dann komme ich wieder. Lieben Gruss und danke fürs Teilen per download.

  3. melcoupar

    Ich bin ge- und berührt. Von der Vielschichtigkeit, von der Wegbeschreibung, von den Charakteren … Ich bin von so vielen Dingen in der einen oder anderen Art, mehr oder weniger, persönlich betroffen, dass ich noch etwas geschüttelt bin. Das erste Lächeln wurde mir entlockt beim Lesen meines Namens :-), freudig geschmunzelt wurde, als ich das Gefühl hatte, die Kinder vor mir zu sehen und die Tränen liefen an verschiedenen anderen Stellen (bin wirklich nah am Wasser gebaut). Nach den ersten Absätzen hatte ich das Gefühl einen therapeutischen Text zu lesen und das meine ich durchaus als Kompliment, weil es für jeden zu verstehen ist (mein Kopf las erstmal mit). Das liess irgendwann nach, als ich richtig „drin“ war.
    Ich lese sonst keine längeren Texte von Bloggern, aber ich bin froh, dass ich diesmal wieder meinem spontanen Bauchgefühl gefolgt bin. Schließlich bestimmen Ausnahmen die Regeln.
    Ich danke dir. Nein, Hilfe brauche ich keine. Es blieb nichts für mich offen, was von belang wäre. Ich konnte folgen und verstand. Herzlichst. Melanie

    • Liebe Melanie, vielen Dank für deine Rückmeldung.
      Hut ab, dass du gleich mit der ganzen Mischpoke zurecht gekommen bist. Die haben ja alle ein „Vorleben“.
      Wenn du von nah am Wasser gebaut sein sprichst, willst du gar nicht wissen, in welchem Zustand ich zuweilen schreibend an den eigenen Sachen am Laptop sitzen kann.

      Hab einfach lieben Dank!

      • melcoupar

        Die Ausschnitte waren halt gut ausgesucht von dir … Schlaf schön.

      • Ich „suche“ die nicht aus 😉
        Übrigens hätte ich nie entdeckt, dass du den Namen mit einer teilst. Ihr seid so anders, das hätte für mich nicht gereicht, eine Verbindung herzustellen. Fand ich interessant zu entdecken.

      • melcoupar

        Ist schon klar: du suchst nicht aus und ich verstehe ohne weitere Infos .. 🙂 Für mich das Schöpfen aus der gleichen Quelle. Für dennoch weitere Infos und das Stillen meiner entfachten Neugier ist das Buch bereits bestellt. Lieben Gruss und dir einen herrlichen Tag.
        P.S. Ja, es ist interessant. Tatsächlich gibt es Ähnlichkeiten. Obwohl ich dazu sagen muss, das ich in auch den unsinnigsten äusserlichen Begebenheiten (die erstmal gar nichts mit mir zu tun haben) Ähnliches herleiten kann 🙂

      • Herleitereien kenne ich 🙂

        Ich hab ja noch ein paar Sequenzen auf Lager (unter anderem). Leicht motiviert, mal wieder eine raufzuladen (Fehler werden großherzig verziehen oder? – das Grobdrüberlesen war ja schon erschreckerlich)
        Das latent (oder nicht) Therapeutische springt mir jetzt wahrlich ins Auge 🙂

        Ich danke dir. Einfach so und für alles! ❤

  4. Pingback: Drei auf einen Streich | marga auwald

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