Archiv der Kategorie: faszinierend

Nebenwirkungen

Mitten drin stecke ich in meiner Aktion 475 und ich präsentiere an dieser Stelle mögliche Nebenwirkungen.

Täglich wird eine Sache mehr dazu bestimmt, den Haushalt zu verlassen. Dadurch ändert sich der Blick und man geht Ecken an, die lange in Ruhe vor sich hindümpeln durften.

Aber Dinge werden nicht nur ausrangiert.

Nebenwirkung Nr 1: Ich beginne, Kaputtes zu reparieren. Und bei Gott, ich weiß nicht erst seit heute, dass sie momentan nicht gebrauchstüchtig sind.

Nebenwirkung Nr 2: Es gibt tatsächlich Gegenstände, welche sich heimisch anfühlen, im Grunde aber nicht mir gehören. Ich bringe diese Platzhalter also nach Hause und ja, wenn sie sich wirklich schon eigen anfühlten, dann zähle ich sie mit. (Wie gesagt, mit dem genauen und offiziellen Regelwerk habe ich mich nicht befasst.)

Nebenwirkung Nr 3: Mir wird klar, was sich überhaupt in unserem (momentanen 😉 ) Besitz befindet und ich beginne es erneut zu nutzen. Überschrift könnte sein: Use it or lose it. (Nutze es oder verliere deinen Anspruch darauf. – Hey, glaubt es oder nicht, es gibt Sachen, die laufen doch wirklich mit den Jahren ab oder funktionieren nicht mehr!) Wobei ich auch gerne sagen würde: Use it or loose it! (Nutze es oder lasse es frei!)

Nebenwirkung Nr 4: Wenn ich mich entscheide, dass etwas bleibt, dann braucht es einen Platz. Es kommt Ordnung ins System.

Nebenwirkung Nr 5: Ein Flow-Gefühl, welches es an einem Punkt sehr leicht macht, auszusortieren. 10 CDs zählen plötzlich nur noch als ein einzelnes Hauruck-und-Weg.

 

 

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Zum Lächeln verführt

Für mich war es ursprünglich das Abhaken einer weiteren Notwendigkeit.

Empfangen wurde ich mit höfischer Geste und einem großen, freundlichen Lachen. Als wäre das Auswechseln einer kaputten Glühbirne, noch dazu nach offizieller Öffnungszeit der Werkstatt, das Highlight – oder besser noch: eines von vielen Highlights – des Tages.

Beim Wegfahren bemerkte ich, dass ich mit einem fragenden Lächeln im Auto saß. Warum war er so freundlich? So gut aufgelegt? Hilfsbereit und charmant?

Und warum, WARUM, stelle ich mir Fragen, wenn ich einem Menschen begegne, der die Aura eines Frischverliebten um sich trägt und andere damit berührt?

 

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Der Oper immer wieder eine Chance geben

Das solle man, habe ich gehört. Und es kann sich rentieren.

Ich war in der MET. Metropolitan Opera House in New York. So direkt und physisch wäre das wohl ein Wow-Erlebnis gewesen, für Pfützenhüpfer wie mich gibt es auch andere Möglichkeiten. Diese heißen ganz banal Cineplexx. In Live-Übertragung durfte ich Die Zauberflöte genießen. Mozart wurde schon als Robbie Williams der Klassiker bezeichnet und hey, bei Robbie Williams sage ich nicht nein.

Im Ernst: Es war ein Erlebnis, das nachwirkt. Ich bestaune immer die Kreativität und die Möglichkeiten, wenn man nur groß denkt (und das passende Budget dazu hat) und die Künstler:innen sind einfach phänomenal. Was mit der Stimme/dem Körper alles machbar ist! In der Pause gab es Interviews mit Sänger:innen und Produzenten, außerdem ist ein Blick hinter die Kulissen möglich. Dirigiert von James Levine. Wer ihn kennt, weiß um die Ehre, wenn auch nur über Live-Schaltung dabei gewesen zu sein.

Ich empfehle das Große im Kleinen also uneingeschränkt.

 

 

 

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Durch Erziehung könnte ich neu werden

Mein Kind soll mir gehorchen, aber kein Mensch werden, der immer tut, was andere ihm sagen. Werte wie Respekt und Achtung voreinander erwarte ich, wer diese Werte nicht teilt, mit dem tue ich mir schwer.

Erkennt der geneigte Leser/die geneigte Leserin das Indenschwanzbeißen?

Hartmut Rosa (Soziologe und Politikwissenschaftler) schreibt über Resonanz. In einem anderen Zusammenhang zwar, aber ich nehme es persönlich. Menschen brauchen einander. Das Du, an dem man sich selbst entdecken kann. Herrscht ein Mangel daran, gibt es ihm zufolge zwei Möglichkeiten. Wieder resonanzfähig werden oder fusionieren.

Fusion denken wir uns wie ein Echo. Was ich aussende, soll auch zurückkommen. Alles andere muss verdrängt, bedrängt, abgespalten, bestraft und bekämpft werden. Wir kennen es im großen Stil aus der Geschichte und im Kleinen aus unserem Alltag; Stichwort Erziehung (s.o.).

Resonanz hingegen ist ein Spiel aus Frage und Antwort. Ein Zuhören, Sprechen, Gehörtwerden. Eine Auseinandersetzung mit dem Anderen (anderen Menschen, anders Denkenden, anders Wertenden, anderer Wirklichkeit). Transformation im und durch das Leben.

Die Desynchronisationskrise in der wir derzeit stecken hat mit dem erhöhten Lebenstempo zu tun, folgert Rosa. Denn Fragen und Antworten brauchen Zeit, die wir uns nicht mehr nehmen bzw. das System nicht mehr gibt.  Burnouts – das finde ich einen interessanten Gedanken dabei – entstehen wiederum aus der fehlenden Resonanz zwischen Psyche/Seele und sozialem Geschehen. Wir sind für die Natur (Nachwachsen von Pflanzen, Regeneration von Böden, Reproduktion von Tieren, …) und das Natürliche in uns zu schnell.

„Der permanente Zwang zur Steigerung in allen Lebensbereichen unterläuft und untergräbt tendenziell die Möglichkeiten eines resonanten Lebensverhältnisses.“ (Interview mit Hartmut Rosa in thema vorarlberg. Standpunkte für Wirtschaft und Gesellschaft. Mai 2017 Ausgabe 28)

Kein Wunder also, dass Fusionsdenken, Fusionsreden, Fusionstaten so leicht zu entdecken sind. Gleichmacherei, Abstoßen von allem, was stört bzw. Resonanz und damit Zeit erfordert.

Kein Wunder, aber auch nicht die einzige Möglichkeit.

 

 

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Wer war ich?

Ein altes Schreibbuch fiel mir in die Hände und ich blätterte kurz darin. Quasi vor dem Zurückstellen. Schließlich blieb ich ein wenig hängen.

Ich weiß, dass ich in Rom war. Mit dem Nachtzug dahin. Aber ich hätte jeden Schwur geschworen, dass ich noch nie ein paar Stunden mit drei Kolumbianerinnen verbracht habe. Nur stand das da blau auf weiß. Mir selbst sollte ich wohl glauben können, oder?

Und Benita Ferrero-Waldner kenne ich. Aus den Medien. Das behaupte ich heute und damals war ich auf einer Lesung mit der Leibhaftigen.

Welch große Tiefen in mir wohnen und die ich nicht (mehr) kenne!

Nie schrieb ich im Glauben daran, dass ich einmal lesen würde. Vielleicht könnte es doch ganz interessant werden.

 

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Mit frischen Augen

Kennt ihr das? Etwas Bekanntes wird über andere in ein neues Gewand gesteckt, so dass ihr plötzlich von Faszination gepackt seid? Klar, es ist „nur“ ein Gewand. Aber es tut gut, so manches wieder als das Wunder sehen zu können, das es ist.

Daniel Hager hat, nach eigenen Worten, im Zug ein wenig „geschnipselt“ und ich spüre ein Staunen und die Dankbarkeit, hier wohnen zu dürfen.

 

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Ich kenn dich besser als du dich selbst

Viel wird einem erleichtert mit den neuen Medien. Rechtschreibung zum Beispiel. Oder vielgetippte Worte werden automatisch vorgeschlagen; ja ganze Wortwendungen und Satzbauteile. Ich finde das selten hilfreich, meist sogar lästig. Warum glaubt man mir nicht, dass ich einkaufen werde und nicht einkaufen würde? Das ist in der Aussage etwas komplett anderes. Traut man (wer?) mir nicht zu, zu wissen, was ich sagen will? Oder bin ich Teil eines Chiffriercodeexperiments? Womöglich habe ich die lernresistente Montagstechnik erwischt.
Ja, ich bin nicht die Höflichste, die immer mit Hallo und Servus beginnt und mit herzlichen und lieben Trallalas endet. Nicht immer. Aber oft genug. Zumindest behaupte ich, den Namen Marga häufiger als der Durchschnittsmensch zu benutzen.

Aber was kommt heraus?

Das!

Ich werfe sich an Montage und fünften Uhr abhaken. Grüß unf Muss, Eva

Eva! Ich meine, Magda oder Martha – damit lebe ich. Aber ich habe ein M getippt, ein A ein R ein G und ein A. Garantiert! Ich schreib mal wieder einen Brief! Das hat bisher recht gut geklappt…

 

Wen die ursprüngliche Nachricht interessiert:
Ich werde dich am Montag um fünf Uhr abholen. Gruß und Kuss, Marga

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Zum Lesen verführt

Lange sah ich mich als großen Glückspilz bei Gewinnspielen. Als müsste ich nur mitmachen und dürfte innerlich schon jubeln. Ausschlaggebend dafür war wohl, dass ich im Kindergarten und im Jahr darauf gleich noch einmal für mich völlig überraschend und ohne Zusammenhang Bücher gewonnen habe. Ein wandelnder Glückspilz – das war meine Selbstwahrnehmung.

Die hielt lange an. So lange, bis ich einmal nachdachte, wann ich das letzte Mal etwas wirklich gewonnen hatte. Da waren ein Amsterdamflug, ein Hexenkochbuch und vielleicht noch zwei, drei vergessene Begebenheiten (auch jetzt noch meine ich, das war bestimmt mehr; bestimmt!). Jedenfalls wurde mein Selbstbild nüchterner. Dann bekam ich ein Abo geschenkt, Buchgutscheine und ein Buch über Lachyoga wurde mir völlig losgelöst von irgendeiner Teilnahme mit Glückwünschen zugestellt. Eine Kinderbuchaktion brachte drei neue Pappfamilienmitglieder und schließlich trudelte in letzter Zeit wieder vielfältiges Lesefutter ein.

Ich muss mein Selbstbild erneut revidieren. Tatsächlich bin ich ein Glückspilz!

 

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Wirrsinn [26]

Schreiben ist manchmal, als hätte man drei G’Spritzte getrunken.

 

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Liebe auf den ersten Blick

Wann genau, weiß ich nicht mehr. Wo, umso besser. Mit ein bisschen Intuition und Glück würde ich auch noch den richtigen Tisch finden. An den er sich setzte. Groß, schlank, sportlich mit Hemd und Jackett gekleidet. Seine Bewegungen aufrecht und entspannt, was für einen Mann seines Alters nicht selbstverständlich ist. Seine Haare durch und durch weiß. Und die Augen? Die Augen! Wach, interessiert, freundlich. Er sah mich nicht, ich ihn zum ersten und letzten Mal.

Man müsste über ein paar Definitionen diskutieren, aber seither glaube ich an Liebe auf den ersten Blick.

 

 

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