Archiv der Kategorie: faszinierend

Abgespeckt

Fast ein Jahr ist es her, dass ich eine Aktion ausprobierte, die sich mit dem Aussortieren von Dingen befasste. 475 Sachen weg? Locker! In einem Monat? Nie und nimmer. Ich nahm mir dafür wesentlich mehr Zeit. Und merke, wie sich dadurch noch viel mehr getan hat. Ich wage mich nun eher an entlegene Ecken der Wohnung heran – auch weil ich weiß, da war ich schon mal und es ist bestimmt nicht mehr so „schlimm“ wie damals. Auch eine Haltung von „use it or lo(o)se it“ hat sich breit gemacht. Dinge werden benutzt, gebraucht, aufgebraucht – oder aussortiert. Flohmarkt, Müll, Menschen, die sich darüber freuen. Neben einem total erleichterten Bücherregal lese ich nun nicht mehr auf Grund eines Selbstbildes – wie ich bemerken durfte -, sondern nach Lust und Laune. Nach einem „Lesefrühling“ gehörte der Sommer der freien Natur und der Herbst steht im Moment im Zeichen von Zeitschriften. Die liegen praktischer Weise in der Bücherei zum Ausleihen bereit.

Gerade kürzlich zog eine Allrounder Küchenmaschine bei uns ein. Das war eine Entscheidung aufgrund von Platz und Nutzen. So sitze ich nun hier. Eine Küchenschublade wurde geputzt, Brotgewürz gefunden >> use it or … << und somit ist die Maschine eingeweiht und es duftet während dieser Zeilen wundervoll durch den Raum.

Minus 475? Ich kann dem ein Plus an Qualität auf verschiedenen Ebenen gegenüberstellen.

 

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Du lebst zum ersten Mal

Ja, ja, man mag an Wiedergeburt, Seelenwanderung oder ähnliches glauben bzw. davon wissen, dennoch sehe ich:

Hier, heute und jetzt gibt es mich in einer einzigartigen Konstellation. So gesehen stimmt es, ich lebe zum ersten Mal.

Darauf bezieht sich ein Kalendergedanke, der mich diese Tage begleitet und der mich derart wohltuend und erleichternd berührt, dass ich ihn an dieser Stelle sinngemäß wiedergeben mag:

Du lebst zum ersten Mal. Ist das nicht Grund genug dir die eigenen Fehler und Schwächen zu verzeihen?

 

 

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Das Leben ist nicht fair

Diesen Satz hört man hin und wieder, manchen ist er auch selbst schon durch den Kopf gegeistert.

Wenn ausgerechnet vor mir der älteste und langsamste Traktor aller Zeiten plus Heuanhänger in die Straße einfährt, wenn ich den Job verliere, mein USB-Stick mit einer zweihundert Seiten langen Dissertation unter einen Spielzeughammer gerät, wenn meine Tasche gestohlen wird, wenn eine Diagnose die Welt auf den Kopf stellt, wenn irgendwie immer mein Essen von der Bestellliste verschwindet.

Das ist nicht fair. Das ist nicht fair!

Wie ein Hilferuf kann es klingen, wie eine Anklage, wie ein paar Worte, wo sonst keine gefunden werden.

Meist aber heißt es (frei übersetzt): „Das soll nicht mir passieren!“

Oder nicht? Denkt nach. Forscht in euch.

 

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Ein (Nach)Wort zu Walpurgis

„Wir sind oversexed, aber underfucked.“ (Talaya Schmid)

Sehr pointiert ausgedrückt, doch wer diese Sprache spricht, wird es nachvollziehen können. In Werbung, Literatur, Bildern, Filmen, Plakaten – schlicht rund um uns herum spielt Sex eine Rolle. Es fällt schon immer weniger ins Gewicht, weil die Masse ein Gefühl der Normalität erzeugt. Unsere Sensoren sind abgestumpft. Mehr vom selben und das in rascher Abfolge.

Underfucked? Wenn es um Begehren, echte Begegnung, individuellen Ausdruck geht, dann… nun, jede und jeder darf unter diesem Blick betrachten, was er respektive sie von Haus aus kennt. Talaya Schmid ist nicht die einzige, welche der Sexualität ein heilendes Attribut für Körper und Seele zuschreibt. Einst wurde an Beltane die Verschmelzung von dem väterlichen und dem mütterlichen Prinzip gefeiert. Ausdruck im Großen wie im Kleinen. Das Licht, das Werden hat gesiegt, Fruchtbarkeit zieht ins Land.

Wie viel würde in uns wohl wachsen, wäre eine echte Verbindung möglich würde eine echte Verbindung praktiziert!

 

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Ansichten zum Besitz

Eine meiner liebsten Geschichten (frei wiedergegeben): Ein Mönch steht an einer Straßenecke und wartet auf den Bus. Mit einem Mal kommt ein junger Mann um die Ecke gerannt, schnappt sich den Rucksack des Mönches und sprintet davon. Anfangs versucht der Mönch den Mann einzuholen und ruft ihm dabei etwas zu. Die Verfolgung wird schnell aufgegeben. Was er dem Dieb nachgerufen habe, wird der Mönch gefragt. „Ich schenke ihn dir!“

Mir ist diese Erzählung oft im Bewusstsein. In meinen Augen erweitert sich dabei das Verständnis von Besitz und unserem Umgang damit. Wie oft meint man, was einem gehört, muss auch da bleiben? Wie groß die Hürde, etwas weiterzugeben, das eine gewisse Bedeutung hat? Wie anders ein Leben im Bewusstsein, dass nichts wirklich besessen werden kann?

Schon die amerikanischen Ureinwohner wunderten sich darüber, dass Land von ihnen gekauft werden wollte. Sie besaßen es nicht und einen Preis dafür gab es deshalb auch nicht. Nun, zumindest war die Wahrnehmung einmal so.

 

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(Werden und) Vergehen

 

Diesen Artikel muss will ich hier teilen.

Mit gehöriger Verspätung kam er zu mir. Titelt sich „Ganz am Ende“ und hat 2016 den Reporterpreis bekommen. Ganz zu Recht, sage ich.

„Gerade in einer Gesellschaft, in der Tod weniger als Gewissheit, sondern als Folge schlechter Lebensentscheidungen gilt.“

Was passiert beim Sterben? Wer sieht was und benennt es wie? Warum ist es immer ein Blick von außen und wie kann man doch ein wenig Einblick gewinnen?

Es ist Roland Schulz, der es versucht und atemberaubend schafft.

Aber lest selbst: Ganz am Ende

 

 

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Magie im Alltag

Wenn ich aufhören würde an mehr zu glauben, als es mit den Sinnen vordergründig wahrzunehmen gibt, wäre ich nicht mehr ich.

Davon bin ich überzeugt und jeder Versuch in eine andere Richtung ist nicht so toll ausgegangen. Vom Kopf aus sein wollen wie man sich andere vorstellt – ein schwachsinniges Verfahren (das sage ich allen, die davon kosten wollen; Paradies und Apfel sozusagen).

So bin ich also gerne bereit die Magie im Alltag zu entdecken.

Trotzdem gibt es Tage, da taucht dieser Satz in mir auf. Ziemlich pampig. Da nervt mich jede und jeder, alles zerrt an den Nerven oder am Körper. Ach, sagt es dann in mir, l… mich doch alle mal am A…! (wer die Situation kennt, kann sicher ohne Probleme die Lücken füllen) Nichts, was ich oft ausspreche, aber eben hin und wieder gedacht bekomme (Distanzierung ist alles! hehe).

Und dann… Dann! Kommt die Magie ins Spiel. Ich bin drinnen in meinem Schneckenhaus und mpf-e vor mich hin. Wie aus dem Nichts kommt eine Karte. Vielleicht noch ein Brief. Eine Mail oder zwei oder drei. Sogar ein Anruf. Oder eine Begegnung, ein Lächeln – es wird immer besser. Und ich merke: Die alle haben den Satz von oben zum Glück genau so verstanden, wie er ausgesendet wurde. Als Notsignal einer Seele, die sich gerade im Kreis dreht und ein nettes Wort braucht.

 

 

 

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Wer ich gerne wäre

Nach wie vor räume ich. Aus. Es ist eine (interessante) Sache, was das in anderen Menschen macht. Und in mir. Ich staune für mein Leben gern!

Wer noch weiß, wie das Konzept funktioniert, ahnt, dass ich gehörig hinterher hinke. Hatte ich nicht gesagt, dass ich mir Freiheiten nehme?! Es braucht doch tatsächlich auch Zeit und ein gewisses Maß an Achtsamkeit, 22 Dinge oder mehr auszusortieren. Ein Maß an Zeit und Achtsamkeit, welches mit einem Zweijährigen am Hosenbein (und überall anders auch) schwer aufzubringen ist. Also splitte ich völlig frei nach meinen Möglichkeiten. Gerade höre ich mich durch meine CDs und will wissen: Regt sich da noch etwas in mir?

Ein interessanter Aspekt beim Sortieren waren und sind ein paar wenige Zeilen im Artikel, welcher die Idee überhaupt erst zu mir brachte. An manchen Dingen haftet der Wunsch, eine bestimmte Person zu sein. Jemand der Spanisch spricht. Oder dermaßen interessante Kalender(einträge) besitzt, dass sie später lesenswert sind. Eine Frau, die sich für dieses engagiert und jenes unternommen hat. Viele Ecken habe ich schon mehr als einmal angesteuert. Da geht noch mehr – und das sage ich ohne Stress. Aber es braucht einige Anläufe, um so manchen emotionalen Kleb zu lösen.

 

 

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Worauf wir achten

Wir kennen das Phänomen. Plötzlich sind alle schwanger. Haben Krebs. Heiraten oder lassen sich scheiden.

Erlebe ich Menschen im Straßenverkehr, welche sich mir zuvorkommend verhalten, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass auch ich so reagieren werde. Kann. Will.

Auf den Punkt gebracht kann man sagen: Worauf wir achten, wird mehr.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein achtsames Jahr 2018, in dem wir vermehren, was uns wichtig ist!

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Nebenwirkungen

Mitten drin stecke ich in meiner Aktion 475 und ich präsentiere an dieser Stelle mögliche Nebenwirkungen.

Täglich wird eine Sache mehr dazu bestimmt, den Haushalt zu verlassen. Dadurch ändert sich der Blick und man geht Ecken an, die lange in Ruhe vor sich hindümpeln durften.

Aber Dinge werden nicht nur ausrangiert.

Nebenwirkung Nr 1: Ich beginne, Kaputtes zu reparieren. Und bei Gott, ich weiß nicht erst seit heute, dass sie momentan nicht gebrauchstüchtig sind.

Nebenwirkung Nr 2: Es gibt tatsächlich Gegenstände, welche sich heimisch anfühlen, im Grunde aber nicht mir gehören. Ich bringe diese Platzhalter also nach Hause und ja, wenn sie sich wirklich schon eigen anfühlten, dann zähle ich sie mit. (Wie gesagt, mit dem genauen und offiziellen Regelwerk habe ich mich nicht befasst.)

Nebenwirkung Nr 3: Mir wird klar, was sich überhaupt in unserem (momentanen 😉 ) Besitz befindet und ich beginne es erneut zu nutzen. Überschrift könnte sein: Use it or lose it. (Nutze es oder verliere deinen Anspruch darauf. – Hey, glaubt es oder nicht, es gibt Sachen, die laufen doch wirklich mit den Jahren ab oder funktionieren nicht mehr!) Wobei ich auch gerne sagen würde: Use it or loose it! (Nutze es oder lasse es frei!)

Nebenwirkung Nr 4: Wenn ich mich entscheide, dass etwas bleibt, dann braucht es einen Platz. Es kommt Ordnung ins System.

Nebenwirkung Nr 5: Ein Flow-Gefühl, welches es an einem Punkt sehr leicht macht, auszusortieren. 10 CDs zählen plötzlich nur noch als ein einzelnes Hauruck-und-Weg.

 

 

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