Archiv der Kategorie: gefunden

Katja

Europa, Deutschland

Wir treffen uns in einem Café. Es ist selten, dass Katja und ich uns sehen. Gerne würde ich die geflügelten Worte nutzen, dass es trotzdem immer so ist, als wäre keine Zeit vergangen. Nur: Es ist nicht wahr. Tatsächlich brauchen wir eine gewisse Zeit, bis wir uns auf einander eingestimmt haben. Katja trinkt Cola mit Eiswürfeln, ich wärme meine Hände an einem Kaffee Latte. Während ich etwas ruhiger bin, meinen Alltag aber nach dem Tempo zweier Kinder richte, die mitunter um sechs Uhr morgens ihren Schalter auf ON stellen, ackert sie ihre Nächte durch und weiß genau, was sie von den Menschen und Dingen hält. Wir unterhalten uns über „intakte Familiensysteme“ – was man darunter verstehen sollte. Was man darunter verstehen könnte. Was, wenn sich da jemand rausschreibt, der dem eigenen empfinden nach dazugehört? Was, wenn sich jemand reindrängt, obwohl keine Stimmen zu vergeben waren? Wir kommen von einem Thema zum anderen und von einem Getränk zum anderen. Die Geschichte von ihrem letzten Vollrausch amüsiert mich – so anders als meine Welt. Gag reel, sag ich nur. Mittlerweile ist auch mir warm geworden und ich trinke einen alkoholfreien Caipirinha. Der schmeckt so gut und so ähnlich, dass ich mich fast beduselt meine. Placebo angetrunken. Katja nennt mich bemitleidenswert, was mich in meinem Rausch nicht stört.
Ich baue Zelte im Garten auf und nicht im Wohnzimmer. Doch bei ihr hat viel Platz. Ritalingesteuerte Erwachsene, Transvestiten, bunt zusammengewürfelte Familienstrukturen, Klischees und fantastische Wendungen. Da fühle ich mich angenommen, auch wenn ich mit Milchflecken auf dem Shirt vor ihr sitze.

 

Bis zum Himmel und zurück – Catharina Junk

 

 

Werbeanzeigen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter gefunden

Die schnelle Fünfzehn

Egal ob im Büro oder Haushalt, bei der Kinderbetreuung oder einem Wohnungsumzug. Alle kennen diese Phasen, da kann man sich drehen und wenden, überall warten nur Dinge, die zu erledigen sind. Die Entscheidung, wo man anfangen soll, fällt schwer und der ganze Berg macht einen vom Ansehen (bzw. Erspüren) allein schon müde. Am besten liegenbleiben und gar nichts tun. Alte Überlebenstaktik: tot stellen.

Irgendwann und irgendwo hab ich ein Prinzip aufgeschnappt, das für mich in dieser Situation sehr erlösend funktioniert. (Die beiden „irgend…“ am Satzanfang deuten darauf hin, dass ich leider zu keiner korrekten bzw. genauen Quellenangabe in der Lage bin. Ich bin allerdings zuversichtlich, dass es trotzdem funktioniert!)

Die schnelle Fünfzehn nennt sich die Taktik, welchee einen quasi von den Toten erweckt und sie ist in einem Satz erklärbar.

Fünfzehn Minuten lang erledigt man nur Dinge, die maximal eine Minute in Anspruch nehmen.

Also Altpapier vom Tisch in den Sammelbehälter (kommt natürlich darauf an, ob der unterm Tisch steht oder zwei Straßen weiter…), Füße rasieren, klebrige Hände waschen, Termin in der Werkstatt vereinbaren, zur Toilette gehen, Waschmaschine füllen und einschalten, Tisch abwischen, Stifte in den Stiftbehälter, Fenster auf, umziehen (ohne den Auswahlprozess gerechnet!), erledigten Arbeitsauftrag vom eigenen Schreibtisch zum nächsten bringen, Kompost entsorgen, Augen zu und durchatmen, hinsitzen und eine Entscheidung fällen, Blumen gießen.

Waren das fünfzehn? Jedenfalls ist schon wieder einiges erledigt und man (ich zum Beispiel) kommt wieder in den Schwung, um etwas anzugehen.

 

7 Kommentare

Eingeordnet unter gefunden, just Life

Lasciate ogni speranza!

(Lasst alle Hoffnung fahren! – Zitat aus Dante Alighieris Die göttliche Komödie)

 

Janice Jakait – die Frau, die über den Atlantik gerudert ist – hat mich zu diesem Thema gebracht. Sie macht den Vorschlag, nicht in der Hoffnung zu leben. Ja, ich weiß. Anfangs fragte ich mich auch, was daran falsch sein soll.

Stattdessen wähle man das Vertrauen. Es befriedet die Zukunft.

Je mehr ich es in meine Tage einfließen lasse, umso mehr staune ich über diese Wahrheit, die so einfach ist.

Übrigens: Vergebung befriedet die Vergangenheit. Frieden ist möglich!

 

 

11 Kommentare

Eingeordnet unter ein bisschen Philosophie, gefunden

Du lebst zum ersten Mal

Ja, ja, man mag an Wiedergeburt, Seelenwanderung oder ähnliches glauben bzw. davon wissen, dennoch sehe ich:

Hier, heute und jetzt gibt es mich in einer einzigartigen Konstellation. So gesehen stimmt es, ich lebe zum ersten Mal.

Darauf bezieht sich ein Kalendergedanke, der mich diese Tage begleitet und der mich derart wohltuend und erleichternd berührt, dass ich ihn an dieser Stelle sinngemäß wiedergeben mag:

Du lebst zum ersten Mal. Ist das nicht Grund genug dir die eigenen Fehler und Schwächen zu verzeihen?

 

 

21 Kommentare

Eingeordnet unter faszinierend, gefunden

Zirka Halbzeit

„Jeder kann zaubern,

jeder kann seine Ziele erreichen,

wenn er denken kann,

wenn er warten kann,

wenn er fasten kann.“

(Hermann Hesse)

5 Kommentare

Eingeordnet unter gefunden

(Werden und) Vergehen

 

Diesen Artikel muss will ich hier teilen.

Mit gehöriger Verspätung kam er zu mir. Titelt sich „Ganz am Ende“ und hat 2016 den Reporterpreis bekommen. Ganz zu Recht, sage ich.

„Gerade in einer Gesellschaft, in der Tod weniger als Gewissheit, sondern als Folge schlechter Lebensentscheidungen gilt.“

Was passiert beim Sterben? Wer sieht was und benennt es wie? Warum ist es immer ein Blick von außen und wie kann man doch ein wenig Einblick gewinnen?

Es ist Roland Schulz, der es versucht und atemberaubend schafft.

Aber lest selbst: Ganz am Ende

 

 

8 Kommentare

Eingeordnet unter faszinierend, gefunden

Worauf wir achten

Wir kennen das Phänomen. Plötzlich sind alle schwanger. Haben Krebs. Heiraten oder lassen sich scheiden.

Erlebe ich Menschen im Straßenverkehr, welche sich mir zuvorkommend verhalten, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass auch ich so reagieren werde. Kann. Will.

Auf den Punkt gebracht kann man sagen: Worauf wir achten, wird mehr.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein achtsames Jahr 2018, in dem wir vermehren, was uns wichtig ist!

10 Kommentare

Eingeordnet unter faszinierend, gefunden

Wie schreibt man das?

Es gibt Fragen, die tauchen in ganz bestimmten Momenten auf. Wenn man einen Satz schreiben will und plötzlich nur noch rätselt.

Folgendes vorangestellt:

Der Künstler malt.

Der Müller mahlt.

ABER: Beide ma??en!

Wie würdet ihr die letzte Aussage schriftlich festhalten? Bzw. kennt jemand die korrekte Antwort?

 

15 Kommentare

Eingeordnet unter gefunden

Seit ich ein Kind hab´

Mit einem Kind ändert sich das Leben ziemlich. Die Welt sieht anders aus, man kennst sich selbst nicht mehr und kommt mit wesentlich weniger Schlaf aus.

Die Wiener Sänger Christoph & Lolo haben das hübsch verpackt und sozusagen eine Checkliste erstellt. Mal sehen…

Seit ich ein Kind hab‘, lächeln mir wildfremde Menschen einfach zu.

Seit ich ein Kind hab‘, mach‘ ich Früchtekuchen statt Tiramisu.

Seit ich ein Kind hab‘, geht’s mir immer bestens, vielen Dank.

Seit ich ein Kind hab‘, hab ich Augenringe und bin ständig krank.

Seit ich ein Kind hab‘, pass‘ ich nicht mehr in die engen Hosen rein.

Seit ich ein Kind hab‘, hab ich Spucke auf dem Arm und Rotz am Bein.

Seit ich ein Kind hab‘, vertrag‘ ich keinen Alkohol mehr.

Seit ich ein Kind hab‘, respektiere ich Nichtraucher.

Seit ich ein Kind hab‘, hasse ich Hundebesitzer.

Seit ich ein Kind hab‘, hassen mich Hundebesitzer.

Seitdem ich ein Kind hab‘, bekomm‘ ich keine Osterhasen mehr, ich kauf‘ sie selber, und verpack‘ sie und dann schenke ich sie her.

Und seitdem ich ein Kind hab‘, red‘ ich gerne über mich und ich beginne jeden zweiten Satz mit „Seit ich ein Kind hab‘,…“.

Seit ich ein Kind hab‘, sag‘ ich nicht mehr Kot und Harn,

seit ich ein Kind hab‘, sag‘ ich „Gacki“ und „Lulu“.

Seitdem ich ein Kind hab‘, verfluch‘ ich Hello Kitty und ich hasse Winnie Pooh.

Seit ich ein Kind hab‘, glauben Leute, dass man mir vertrauen kann.

Seit ich ein Kind hab‘, schrei‘ ich regelmäßig Autofahrer an.

Seit ich ein Kind hab‘, hab‘ ich immer einen Haufen Obst im Haus.

Seit ich ein Kind hab‘, kenn‘ ich mich im IKEA aus.

Seit ich ein Kind hab‘, hat mein Badewasser 37 Grad.

Seit ich ein Kind hab‘, weiß ich, welches Gasthaus einen Hochstuhl hat.

Seit ich ein Kind hab‘, ekelt mir vor überhaupt nichts mehr.

Seit ich ein Kind hab‘, liebe ich meinen Geschirrspüler

Seit ich ein Kind hab‘, denk ich, was hat sich der Architekt gedacht.

Seit ich ein Kind hab‘, frag‘ ich mich, welches Geräusch ein Fuchs wohl macht.

(vollständige Liste unter www.vater-sein.at/seit-ich-ein-kind-hab)

 

24 Kommentare

Eingeordnet unter gefunden

Wortwörtlich ist auch nicht optimal

„Wer glaubt, dass Volksvertreter das Volk vertreten, glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten“

Ein Graffiti

22 Kommentare

Eingeordnet unter gefunden