Der passende Ton

Musik taucht in meinem Leben ganz von alleine auf. Dann gibt es Phasen – sie kommen wieder; mit Muße aber Gott sei Dank – in denen ich darin schwelge, bade, aufgehe, untertauche, träume und dadurch werden bestimmte Interpret:innen oder Lieder mit Emotionen, Lebens- oder Schaffensphasen verwoben.

Welche Freude, wenn so etwas Vergangenes ganz unvorhergesehen wieder Einzug hält.

Natürlich waren nicht alle diese musikunterlegten Zeiten nur schön oder angenehm. Es sind Freunde, die von damals erzählen und mir zeigen, welcher Weg dazwischen liegt und welche Herzverbindung dennoch besteht. Verloren ist nichts aber nicht alle Gäste müssen in meinem Seelenhaus wohnen bleiben. Das wäre dann auch zu voll. In Gastfreundschaft loslassen – sozusagen.

Musikgeschenke von Familie und Freunden mag ich sehr gerne. Selbst dümpelt man ja vorzugsweise in der gleichen Soße. Alin Coen ist ganz neu bei mir eingetrudelt. Danke!

 

 

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Alles fließt

Kaum auf die Beine gekommen, schicke ich per Knopfdruck drei Liter den Abfluss hinunter. Es folgt das Warten auf warmes Wasser und das Drunterstellen. Als nächstes was zu trinken und mein Frühstück gäbe es auch nicht ohne.

Wasser.

Ich lese von den Turkana in Kenia, welche, wie viele, viele andere, unter einer Dürre leiden. Schon in der ersten halben Stunde meines Tages kann ich dem Thema nicht entfliehen. Es sind klitzekleine Bewegungen und das flüssige Gold sprudelt aus allen Leitungen. Marshall B. Rosenberg tönt in mir. Er sagt (in etwa), dass keiner jemals vollständig satt sein kann, solange es Hunger auf der Welt gibt.

Dieses Gefühl kenne ich. Wasser ist für mich in erster Linie Genuss, Notwendigkeit, Erfrischung, Reinigung. Oftmals noch selbstverständlich obendrein. Nur, ganz ohne Nachhall geht es nicht. Überschwemmungen oder Dürren, um in bekannten Extremen zu sprechen, schaffen es, wieder in Beziehung zum Wasser und zu Unbekannten zu treten. Wir sind eins. Dieses Bewusstsein ist auch nicht selbstverständlich. Schätzen wir die Momente, die uns das von Zeit zu Zeit ins Bewusstsein bringen.

 

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Ich kenn dich besser als du dich selbst

Viel wird einem erleichtert mit den neuen Medien. Rechtschreibung zum Beispiel. Oder vielgetippte Worte werden automatisch vorgeschlagen; ja ganze Wortwendungen und Satzbauteile. Ich finde das selten hilfreich, meist sogar lästig. Warum glaubt man mir nicht, dass ich einkaufen werde und nicht einkaufen würde? Das ist in der Aussage etwas komplett anderes. Traut man (wer?) mir nicht zu, zu wissen, was ich sagen will? Oder bin ich Teil eines Chiffriercodeexperiments? Womöglich habe ich die lernresistente Montagstechnik erwischt.
Ja, ich bin nicht die Höflichste, die immer mit Hallo und Servus beginnt und mit herzlichen und lieben Trallalas endet. Nicht immer. Aber oft genug. Zumindest behaupte ich, den Namen Marga häufiger als der Durchschnittsmensch zu benutzen.

Aber was kommt heraus?

Das!

Ich werfe sich an Montage und fünften Uhr abhaken. Grüß unf Muss, Eva

Eva! Ich meine, Magda oder Martha – damit lebe ich. Aber ich habe ein M getippt, ein A ein R ein G und ein A. Garantiert! Ich schreib mal wieder einen Brief! Das hat bisher recht gut geklappt…

 

Wen die ursprüngliche Nachricht interessiert:
Ich werde dich am Montag um fünf Uhr abholen. Gruß und Kuss, Marga

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Lesen – die andere Seite

Lesen ist gesellschaftlich grundsätzlich anerkannt und zählt zu Zeitvertreiben, die positiv konnotiert sind. Viel lesen ist gut und bestimmte Sachen umso besser.

Ebenso en vogue ist Achtsamkeit und das Leben im Jetzt. Bewusstheit im Alltag, Yoga, Tai Chi, Zen, Meditation, achtsames Selbstmitgefühl und viele Angebote und Wege mehr.
Sie bieten – zum Teil auch explizit – eine andere Sichtweise auf das Lesen; vor allem von Romanen. Dieses Eintauchen in Geschichten nämlich ist ein Entfernen vom Hier.

Ja, ich kann das verstehen. Wurde schon darauf hingewiesen, dass ich ein Buch endlich beiseite legen soll. Nicht zuletzt trippeln jetzt auch kleine Füße schnell herbei und klappen den Deckel zu.

Vielleicht eine Überlegung wert.

 

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Zarte Chancen

Scheideweg am Inskriptionsbüro.

Operationstechniken entwickeln, mit Schülern und Innen über den Sinn von Mathematik im Curriculum diskutieren, Entwicklungshilfelogistik leiten, Vielfalt und Reibeisen der Pflichtverteidigung erleben, Manifeste fürs Gender Mainstreaming verfassen.

Chancen als zarte Knospen erahnbar.

Einem frostigen Wettereinbruch im Frühling gleich wird nur eine erblühen.

Der Gang des Lebens.

Nur hin und wieder sieht man Bäume später noch voller Träume hängen.

 

Angeregt in dieser Form von Caroline

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Zum Lesen verführt

Lange sah ich mich als großen Glückspilz bei Gewinnspielen. Als müsste ich nur mitmachen und dürfte innerlich schon jubeln. Ausschlaggebend dafür war wohl, dass ich im Kindergarten und im Jahr darauf gleich noch einmal für mich völlig überraschend und ohne Zusammenhang Bücher gewonnen habe. Ein wandelnder Glückspilz – das war meine Selbstwahrnehmung.

Die hielt lange an. So lange, bis ich einmal nachdachte, wann ich das letzte Mal etwas wirklich gewonnen hatte. Da waren ein Amsterdamflug, ein Hexenkochbuch und vielleicht noch zwei, drei vergessene Begebenheiten (auch jetzt noch meine ich, das war bestimmt mehr; bestimmt!). Jedenfalls wurde mein Selbstbild nüchterner. Dann bekam ich ein Abo geschenkt, Buchgutscheine und ein Buch über Lachyoga wurde mir völlig losgelöst von irgendeiner Teilnahme mit Glückwünschen zugestellt. Eine Kinderbuchaktion brachte drei neue Pappfamilienmitglieder und schließlich trudelte in letzter Zeit wieder vielfältiges Lesefutter ein.

Ich muss mein Selbstbild erneut revidieren. Tatsächlich bin ich ein Glückspilz!

 

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Wirrsinn [26]

Schreiben ist manchmal, als hätte man drei G’Spritzte getrunken.

 

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Der Mensch denkt und Gott lenkt

Da komme ich nur unregelmäßig auf dem Blogspielplatz vorbei und fange dann ausgerechnet mit Gott an?
Man wird es mir verzeihen. Das eine wie das andere.

Nicht nur ich kenne das. Wenn Unglaubliches, Schreckliches, Erschreckendes, Trauriges passiert, so ist es mitunter die (letzte) Konsequenz (die Rangordnung hängt ein bisschen von der persönlichen Glaubenskonstitution ab), dass man es als gottgegeben, Gottes Willen, göttlichen Weg und ähnliches beschreibt. Eine legitime Variante, um damit umgehen zu können. Beispiel fürs leichtere Mitdenken? Ein Kind, das nur acht Jahre alt wird.
Im Grunde wissen wir ja alle, dass dieses Leben ein temporäres Vergnügen ist, aber in der praktischen Umsetzung bzw. im direkten Erleben ist das nicht immer ganz so locker aus der Hüfte zu schütteln. Da braucht es Beistand. Göttlichen mitunter.

Glaubende sehen es also – darauf will ich hinaus – als möglich, dass ein Leben mit acht Jahren beendet und trotzdem vollkommen ist. Vollkommen, obwohl wir uns 90 leidensfreie Jahre mit Tod im Schlaf ausdenken. Nicht unsere Wünsche und Vorstellungen sind die letzte Instanz. Eine Kraft, die man Gott, Buddah usw. nennt, weiß es besser und wir nehmen das Los an – wie man so schön sagt.

Kleiner Themenwechsel mit einer Frage zur Haltung bei nicht ganz so drastischem Auseinanderdriften von Vorstellung und Realität:

Wenn diese eine göttliche Kraft beim Bemessen der Lebensspanne schon mehr weiß, warum besteht man so verbohrt darauf, dass eine Ehe anderen Spielregeln unterliegt?

 

 

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Damit musst du leben

So lautet die ärztliche Diagnose und ich fühle mich zu jung dafür. Zu jung, um überhaupt mit etwas leben zu müssen, das nicht passt. Das stört, das schmerzt.
Natürlich könnte mein Lebensweg hinter der nächsten Biegung mit einem Woosh und Plopp zu Ende sein. Dann wäre nicht viel zu sagen.

Ich gehe aber – wie die meisten – nicht davon aus. Das „Du musst damit leben“ sehe ich in erster Linie als Grenze ihres Wissens und Glaubens.

Ich suche weiter. Was sind nicht schon für tolle und bemerkenswerte Dinge daraus entstanden. Weil jemand nicht glauben wollte, dass er nie mehr gehen könne. Oder beruflich nur ein geschützter Arbeitsplatz vor einem Papiershredder übrig bleibe. Nicht, dass ich meine, die Welt aus den Angeln heben zu können. Nicht eure.

Aber meine vielleicht.

Da geht noch mehr, sage ich!

 

 

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All about the cat

Die Wahrheit ist ein Meer von Grashalmen,
das sich im Winde wiegt;
sie will als Bewegung gefühlt,
als Atem eingesogen sein.

Ein Fels ist sie nur für den,
der sie nicht fühlt und atmet;
der soll sich den Kopf an ihr blutig schlagen.

Elias Canetti 1973

Die Wahrheit ist nicht fest. Hängt von vielen Faktoren ab. Von der Frage. Dem Ort. Der Möglichkeit, die Antwort aufzunehmen.
Wenn wir über einen Aufenthalt in der Natur sprechen, meinen wir alle etwas anderes. Für mich zum Beispiel kaum vorstellbar, aber es gibt Menschen, die noch nie einen Baum in echt vor sich hatten und angesichts eines freien Feldes mit Gras in Panik verfallen würden. Diese Welt ist größer und bietet mehr, als wir uns meist vor Augen halten.

Was das alles mit einer Katze zu tun hat? Wem Schrödinger etwas sagt, ahnt es jetzt vielleicht. Oder wer Quantenmechanik zum Hobby zählt. Die anderen können über Schrödingers Katze online einiges finden. Ich sage nur: Sie ist gleichzeitig lebendig und tot.

Öffnen wir unseren Horizont für mehr.

 

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