Der Mensch denkt und Gott lenkt

Da komme ich nur unregelmäßig auf dem Blogspielplatz vorbei und fange dann ausgerechnet mit Gott an?
Man wird es mir verzeihen. Das eine wie das andere.

Nicht nur ich kenne das. Wenn Unglaubliches, Schreckliches, Erschreckendes, Trauriges passiert, so ist es mitunter die (letzte) Konsequenz (die Rangordnung hängt ein bisschen von der persönlichen Glaubenskonstitution ab), dass man es als gottgegeben, Gottes Willen, göttlichen Weg und ähnliches beschreibt. Eine legitime Variante, um damit umgehen zu können. Beispiel fürs leichtere Mitdenken? Ein Kind, das nur acht Jahre alt wird.
Im Grunde wissen wir ja alle, dass dieses Leben ein temporäres Vergnügen ist, aber in der praktischen Umsetzung bzw. im direkten Erleben ist das nicht immer ganz so locker aus der Hüfte zu schütteln. Da braucht es Beistand. Göttlichen mitunter.

Glaubende sehen es also – darauf will ich hinaus – als möglich, dass ein Leben mit acht Jahren beendet und trotzdem vollkommen ist. Vollkommen, obwohl wir uns 90 leidensfreie Jahre mit Tod im Schlaf ausdenken. Nicht unsere Wünsche und Vorstellungen sind die letzte Instanz. Eine Kraft, die man Gott, Buddah usw. nennt, weiß es besser und wir nehmen das Los an – wie man so schön sagt.

Kleiner Themenwechsel mit einer Frage zur Haltung bei nicht ganz so drastischem Auseinanderdriften von Vorstellung und Realität:

Wenn diese eine göttliche Kraft beim Bemessen der Lebensspanne schon mehr weiß, warum besteht man so verbohrt darauf, dass eine Ehe anderen Spielregeln unterliegt?

 

 

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Damit musst du leben

So lautet die ärztliche Diagnose und ich fühle mich zu jung dafür. Zu jung, um überhaupt mit etwas leben zu müssen, das nicht passt. Das stört, das schmerzt.
Natürlich könnte mein Lebensweg hinter der nächsten Biegung mit einem Woosh und Plopp zu Ende sein. Dann wäre nicht viel zu sagen.

Ich gehe aber – wie die meisten – nicht davon aus. Das „Du musst damit leben“ sehe ich in erster Linie als Grenze ihres Wissens und Glaubens.

Ich suche weiter. Was sind nicht schon für tolle und bemerkenswerte Dinge daraus entstanden. Weil jemand nicht glauben wollte, dass er nie mehr gehen könne. Oder beruflich nur ein geschützter Arbeitsplatz vor einem Papiershredder übrig bleibe. Nicht, dass ich meine, die Welt aus den Angeln heben zu können. Nicht eure.

Aber meine vielleicht.

Da geht noch mehr, sage ich!

 

 

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All about the cat

Die Wahrheit ist ein Meer von Grashalmen,
das sich im Winde wiegt;
sie will als Bewegung gefühlt,
als Atem eingesogen sein.

Ein Fels ist sie nur für den,
der sie nicht fühlt und atmet;
der soll sich den Kopf an ihr blutig schlagen.

Elias Canetti 1973

Die Wahrheit ist nicht fest. Hängt von vielen Faktoren ab. Von der Frage. Dem Ort. Der Möglichkeit, die Antwort aufzunehmen.
Wenn wir über einen Aufenthalt in der Natur sprechen, meinen wir alle etwas anderes. Für mich zum Beispiel kaum vorstellbar, aber es gibt Menschen, die noch nie einen Baum in echt vor sich hatten und angesichts eines freien Feldes mit Gras in Panik verfallen würden. Diese Welt ist größer und bietet mehr, als wir uns meist vor Augen halten.

Was das alles mit einer Katze zu tun hat? Wem Schrödinger etwas sagt, ahnt es jetzt vielleicht. Oder wer Quantenmechanik zum Hobby zählt. Die anderen können über Schrödingers Katze online einiges finden. Ich sage nur: Sie ist gleichzeitig lebendig und tot.

Öffnen wir unseren Horizont für mehr.

 

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Liebe auf den ersten Blick

Wann genau, weiß ich nicht mehr. Wo, umso besser. Mit ein bisschen Intuition und Glück würde ich auch noch den richtigen Tisch finden. An den er sich setzte. Groß, schlank, sportlich mit Hemd und Jackett gekleidet. Seine Bewegungen aufrecht und entspannt, was für einen Mann seines Alters nicht selbstverständlich ist. Seine Haare durch und durch weiß. Und die Augen? Die Augen! Wach, interessiert, freundlich. Er sah mich nicht, ich ihn zum ersten und letzten Mal.

Man müsste über ein paar Definitionen diskutieren, aber seither glaube ich an Liebe auf den ersten Blick.

 

 

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Wider die Samthandschuhe

Ironisch, dass ein sprichwörtliches Anfassen mit Samthandschuhen zu einem buchstäblichen Verlust von Fingerspitzengefühl führt.

Es gibt Dinge, über die denkt man erst nach, wenn sie einen betreffen. Ein eingewachsener kleiner Zehennagel zum Beispiel. Oder Flecken, die vor den Augen tanzen. Auch so etwas: Kennst Du Deine Handschuhgröße? Da fängt die Sache nämlich an. Und dann gibt es nebst Zahlen auch die S/M/L-Variante. Nicht zu schweigen von der Tatsache, dass M nicht M ist und so weiter.

Die ganzen (alten) Höfischen oder (alten) Diener oder Einbrecher oder Magier oder Menschen in Hygienejobs oder Menschen in Dreckjobs oder mit Verletzungsgefahr; sie alle haben mein Mitgefühl (die Einbrecher brauchen es vielleicht weniger), weil sie Handschuhe tragen (müssen). Meiner Erfahrung nach bleiben viele kleine und große, jedenfalls wichtige Informationen außen vor, wenn man seine Finger einpackt. Das reicht schon, um mich auf Dauer unleidlich werden zu lassen. Es fehlt schlicht das Fingerspitzengefühl.

Denkt daran und seid froh, über uneingeschränkte Empfindsamkeit.

 

 

 

 

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Priorität der Probleme

Nach dem ein Unglück nach dem anderen geschehen war, tropften die Tage wie Eis von einer Kinderhand; zäh und langsam. Bald aber mischte sich ein anderer Rhythmus darunter. Hin und wieder und immer öfter das Tempo von Schneeschmelze im Frühling. Einige Leute fragten sich, wann sie denn wieder endlich von den eigenen Problemen sprechen durften. Von Scheidung, Affäre, Krebs und Depression. Von Gewichtszunahme, Knieoperationen und einer Schwiegermutter zur Pflege. Nichts davon kam gegen den riesigen Berg, das abgrundtiefe Meer, den tödlichen Sumpf an, den die Ungewissheit eines verschwundenen Kindes mit sich brachte.

Lag es am Mangel, eigene Befindlichkeiten austauschen zu können? An Neugier oder detektivischen Neigungen? An der menschlichen Natur im Allgemeinen oder nur an der Aktualität? Vermutlich an allem und das in unterschiedlicher Gewichtung. Jedenfalls begannen schon bald die Theorien rund um Olivias Verschwinden zu sprießen.

 

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Fragt und es wird euch geantwortet

Guten Fragen schenkt man weiter. So sieht es Lu von finbarsgift und ich hab mich gefreut, ein paar Antworten dafür zu finden. Danke!

1 In welcher Stadt lebst du?
Genau genommen in keiner. Keiner Stadt. Es ist ein Dorf. Au im Bregenzerwald.

2 Seit wann bist du Bloggerin?
Seit zweieinhalb Jahren.

3 Was hat dich bewogen zu schreiben?
Die Tatsache, dass ich mir einen Namen gebastelt hatte und wissen wollte, wer das war. Es stellte sich heraus, dass ich ich bin. Egal welche Überschrift ich mir gebe.

4 Magst du lieber Zahlen oder Buchstaben?
Interessante Frage. Auf Anhieb? Zahlen. Ich zähle nebst Zaunpfählen, Fenstern und Straßenstrichmarkierungen auch Buchstaben. Rein aus Gewohnheit.

5 Was ist dein liebster Monat, um in den Urlaub zu fahren?
Ganz egal. Beim Urlaub kommt es mir eher aufs Ziel an. Im August bin ich im Unterschied zu dir, lieber Lu, gerne daheim, eben weil das Wetter dann freundlicher gestimmt ist.

6 Welches Ziel hast du derzeit?
The Shower mit drei Bällen lernen.

7 Worüber kannst du dich am meisten ärgern?
Ich überlege noch. Eher bin ich von Dingen genervt, als dass ich mich ärgere…

8 Welchen Beruf wolltest du als Kind immer ausüben?
Lehrerin, ganz klar. Auf Platz zwei und drei weit abgeschlagen Krankenschwester und Hundetrainerin.

9 Was ist dein größter Wunsch?
Dass sich Menschen als Menschen begegnen.

10 Welchen Kinofilm hast du zuletzt gesehen?
Ui, schon lange her. Ich glaube mich zu erinnern, dass es „Ooops, die Arche ist weg!“ war.

11 Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang?
Ich habe es immer geliebt, wenn ich im Mai auf der Fahrt ins Büro die Sonne aufgehen erleben durfte. Sonnenaufgänge sind mir oft präsenter. Könnte aber sein, dass diese Frage bzw. die Antwort die ganze Sache ins Wandeln bringt.

P.S.: Noch einmal zum Ärgern. Wenn jemand etwas mit Absicht macht, würde ich sagen. Zum Beispiel ein Nein übergehen.

 

 

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Ghörig

Ja, fürs Online-Leben bleibt gerade nicht viel Zeit, aber mir geht’s ghörig – und eine Kollegin von mir meinte einst, mehr bzw. besser bekommt man es von einem Wälder/einer Wälderin nicht.

Hier noch der richtige Beat dazu.
Allfällige Textfragen können per Kommentarfunktion gerne geklärt werden.

(Ghörig von Penetrante Sorte – für alle, die mal wieder nichts sehen…)

 

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Hätte ich doch…

Lange fiel es mir schwer Wünsche oder Träume zu formulieren. Was ich noch erleben oder erledigen wollte, bevor… ja, was? – die Welt untergeht, ich den Löffel abgebe, der nächste runde Geburtstag ansteht. Es war für mich leicht, genau so, wie es war, die Rechnung zu unterschreiben, Trinkgeld drauf und gut.

Im Wesentlichen hat sich daran nicht viel geändert. Außer, dass mir der Gedanke gefällt, so in den letzten Minuten von was auch immer an ein, zwei Hätte in meinem Leben zu denken. Ein kleines Portiönchen sehnsuchtsvolles „Danke trotzdem“.

Mit der Suche nach etwas Passendem habe ich mittlerweile zwei Schätze in mir.

Eines davon ist Lindy Hop.

Mir gefällt die Musik, die Stimmung, die Bewegung.

Es ist ein Hätte und kein Abgehakt, weil

  • ich genau wie die meisten Menschen in meinem nächsten Umfeld eine überschaubare Beweglichkeit in der Hüfte geerbt habe. Wer Pech hat, schlägt sich mit der Steifheit eines Berges durchs Leben, wer Glück hat, erinnert an eine Tanne im Wind (mittlere Stufe).
  • mein motorisches Vermögen bescheiden ist. Das heißt: langsam. Langsamer als der Durchschnitt möchte ich zumindest vermuten. Was im Kopf noch klar ist, wird im Stille-Post-Spiel mit den Extremitäten zu… Matsch.
  • es familiär gesehen nicht gerade die unkomplizierteste aller Zeiten für die Organisation eines Tanzkurses ist, der
  • zudem mindestens eine Stunde Fahrt entfernt stattfindet. Wenn überhaupt. Ich habe noch keinen gefunden (zugegeben: auf die Schnelle).
  • ein Tanzpartner fehlt.
  • angenommen, ich komme bis hierher… Nach dem Kurs und dem Können wider alle biologische Wahrscheinlichkeit stellt sich die Frage: Wie geht es weiter? Oder lerne ich ins Blaue hinein, als ob ich Suaheli studiere, ohne jemals in die Nähe einer Situation zu kommen, in der mir das was bringen könnte?

Nichts desto Trotz! Keine Sorge, keinen Punkt sehe ich als absolutes Hindernis. Und wenn ich mit Samba im Blut zur Welt gekommen wäre, direkt neben einer Lindy-Hochburg wohnen würde und einen Partner hätte, der sich nichts sehnlichster wünscht als mit mir diesen Tanz zu lernen und fortan regelmäßig zu praktizieren, dann wär’s ja eben nicht der Schreibe wert.

Es darf also mein Hätte bleiben. Mit roter Schleife als gern gesehener Begleiter. Eines Tages wird das Paket vielleicht noch aufgeschnürt (dann brauche ich ein anderes Seufz-Hach-Hätte-Sehnsüchtlein für den Schluss). Ansonsten geht es mit durch die Pforte und wir sehen, was im nächsten Leben daraus wird.

 

 

 

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Auch nur ein Tick

Gedankenverloren drehe ich an meinem Nasenring. Er sitzt auf dem rechten Nasenflügel und es ist ein Gefühl, als würde ich mich mit diesem kleinen Symbol zumindest zwanzig Zentimeter außerhalb der anderen – ungepiercten – Gesellschaft befinden. Unwillkürlich versetzt es mich in eine Kindheitserinnerung zurück. Damals, als es Salzstangen zum Knabbern gab und man diese dazu nutzte, einen ganz coolen Raucher zu imitieren.  Als kenne man ein Geheimnis, das der großen Mehrheit unbekannt ist.

So also drehe ich lässig locker an meiner Nase herum.

Die Crux?

Ich besitze kein Nasenpiercing!

Allerdings mein Gegenüber. Dementsprechend spiegelverkehrt dort an der linken Seite.

Das ist nicht das einzige Beispiel. Gesten, Mimik, sprachliche Besonderheiten, Körperhaltungen. Aus irgendeinem Grund übernehme ich solche Auffälligkeiten immer wieder und immer wieder mit einer Leichtigkeit und Unbewusstheit, dass ich dann zuerst studieren muss, woher sie kommen.

Nasenring? Von der Schwester. Wenn sie wieder abreist, verschwindet auch mein eingebildeter.

An den Knöcheln verschränkte Finger? Arbeitskollegin in der Teamsitzung.

Herrje, ich war echt ein wenig erleichtert, dass der Stotterer an einer Zweigstelle eingesetzt wurde.

Ringe drehen, an Ketten zupfen, Lippen zusammenpressen, Augen nach oben verdrehen, Erzählweisen … Es gibt noch mehr und vermutlich einiges, das ich nicht einmal registriere.

Was aber, wenn es auch mit meinen Gedanken so ist? Dass sie ein Abbild der rundum vorherrschenden oder auffallenden Gedanken sind. Automatische und unbewusste Versuchsreihen meines spielerischen und entdeckungsfreudigen Selbst? Gedanken, die Soletti rauchen und sich dabei gut fühlen. Gedanken, die im Grunde nur ein Tick sind.

Die Idee ist nicht neu. Dass wir Schmerz nur empfinden, weil wir meinen, das gehöre so, ist ein gelbes Geheimnis.

Aus persönlichen Gründen denke ich dieses Konzept seit gestern viel alltäglicher und umfassender. Ein gewisser Leidensdruck geht für mich damit einher und deswegen die Frage: Wie kann ich mich davon abgrenzen und wieder mein authentisches Selbst leben? Denn der Nasenring verschwindet nur mit meiner Schwester und bisher war mir das egal. Aber das mit den Gedanken, das darf ich nicht einfach so hinnehmen.

 

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