Dein Zuhören ist wie ein Streicheln der Seele

Es gibt Komplimente, die werden routiniert in den Raum geworfen und ebenso unberührt einmal von Ohr zu Ohr geschleust bevor sie wieder versumpfen.

Du siehst gut aus!

Das schmeckt gut!

Tolle Torte!

Für ein echtes und zu Herzen gehendes Kompliment braucht es meiner Erfahrung nach Zeit. Zeit um es zu formulieren und auch, um es wirken zu lassen. Das dauert länger und ist intimer als gewohnt.

Eine besondere Art des Komplimenteschenkens fand ich kürzlich. Ihr kennt die Anschläge mit kleinen eingeschnittenen Fetzen am Ende des Papiers? Wohnungssuche unter Student:innen, entlaufene Tiere, Babysitter, Tanzstunde, usw.

Warum nicht einmal mit einem Kompliment? Das dachten sich wohl die Intitiator:innen von The compliment project *klick*. Die machen es so einfach, dass es gar nicht leichter geht. Zu gewinnen gibt es lächelnde Mitmenschen und – mal ehrlich – mehr davon ist immer gut.

 

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Wer war ich?

Ein altes Schreibbuch fiel mir in die Hände und ich blätterte kurz darin. Quasi vor dem Zurückstellen. Schließlich blieb ich ein wenig hängen.

Ich weiß, dass ich in Rom war. Mit dem Nachtzug dahin. Aber ich hätte jeden Schwur geschworen, dass ich noch nie ein paar Stunden mit drei Kolumbianerinnen verbracht habe. Nur stand das da blau auf weiß. Mir selbst sollte ich wohl glauben können, oder?

Und Benita Ferrero-Waldner kenne ich. Aus den Medien. Das behaupte ich heute und damals war ich auf einer Lesung mit der Leibhaftigen.

Welch große Tiefen in mir wohnen und die ich nicht (mehr) kenne!

Nie schrieb ich im Glauben daran, dass ich einmal lesen würde. Vielleicht könnte es doch ganz interessant werden.

 

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Hab mich selbst überrascht

„Trauer ist wie Schokolade. Man sollte nicht zu lange damit allein sein.“

Nicht vorzüglich oder ausschließlich, aber sehr gerne habe ich als Jugendliche Comics gelesen. Jetzt erobert zumindest ein Graphic Novel-Exemplar erneut mein Herz.

Ja, ja, ja. Don Quijote wäre von der Klasse, ein ganzes Sommerprojekt für Ritter:innen des Alltags zu sein. Aber Flix ist so verflixt einnehmend und originell. Da darf alte Liebe wieder aufflammen.

„Comics sind gefährlich! Denn sie haben nichts mit der Realität zu tun. Darum fordere ich im Namen aller Leser und klar denkenden Menschen: Dieser Unsinn muss  e n d l i c h  aufhören!!! Rechtzeitig erkannter Feind ist halb besiegt.“

 

 

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Dummer Schrank

Ab und zu hilft es, Dinge zu beschimpfen. – Um ein Kind vom Weinen abzubringen. Durchaus ein lustiges Spiel sogar und ich gebe zu, diesen Weg schon gegangen zu sein.

Erst einmal dessen bewusst geworden, fällt mir das praktisch überall auf. Der ist schuld, nur wegen ihr, wenn das nicht gewesen wäre, ginge es mir immer noch wie Gott in Frankreich. Politik, Religion, Beziehungen, Krankheiten – Schuldzuschreibungen verringern offenbar Schmerzen unterschiedlichster Art.

Das einzige, was wir uns fragen dürfen ist, ob wir mit einem Kleinkindverhalten zufrieden sind.

 

 

 

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Mit frischen Augen

Kennt ihr das? Etwas Bekanntes wird über andere in ein neues Gewand gesteckt, so dass ihr plötzlich von Faszination gepackt seid? Klar, es ist „nur“ ein Gewand. Aber es tut gut, so manches wieder als das Wunder sehen zu können, das es ist.

Daniel Hager hat, nach eigenen Worten, im Zug ein wenig „geschnipselt“ und ich spüre ein Staunen und die Dankbarkeit, hier wohnen zu dürfen.

 

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Natur pur aber nach Norm bitte

Es scheint mir schon, dass viele Menschen Schritte zurück zu mehr Natürlichkeit suchen und machen. Beim Essen, bei der Kleidung, in Bezug auf Pflegeprodukte oder bei der Nutzung von Ressourcen.
Nicht nur, weil mich das Schneckenproblem, bzw. die Lösung eines solchen, scheuen lässt, es ist auch der fehlende Platz, der mich von einer größeren Gemüsezucht abhält. Stattdessen habe ich mich für die Gemüsekiste entschieden. Wöchentlich frisch, keine Maschinen involviert, überschaubarer Lieferweg.
Unter Gleichgesinnten wird dann darüber gesprochen. Da ist zu viel Salat und zu groß. Schon wieder Kraut! Ich kann keinen Mangold mehr sehen! Wer braucht so viel Sellerie? Und warum sind die Salate jetzt so mickrig?

Wir leben in Luxus pur und daran gewöhnt man sich leicht. Es müssen nicht die viel besprochenen Erdbeeren im Winter sein. Wir wollen die Dinge einfach so, wie wir sie uns vorstellen, weil wir wissen, dass es möglich ist.

Ich persönlich reorganisiere mein Denken in Richtung Gemüsekiste, indem ich mir vor Augen halte, dass ein Garten im Frühjahr anderes und in anderen Mengen hervorbringt, als im Hochsommer oder Herbst. Es tut gut, sich im Folgen der Natur zu üben. Und in neuen Rezepten.

Natürlichkeit ist nicht immer abenteuerlich und Frohsinn pur. Was nicht bedeutet, dass man ihr nicht mit ebendiesen Qualitäten begegnen kann.

 

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Der passende Ton

Musik taucht in meinem Leben ganz von alleine auf. Dann gibt es Phasen – sie kommen wieder; mit Muße aber Gott sei Dank – in denen ich darin schwelge, bade, aufgehe, untertauche, träume und dadurch werden bestimmte Interpret:innen oder Lieder mit Emotionen, Lebens- oder Schaffensphasen verwoben.

Welche Freude, wenn so etwas Vergangenes ganz unvorhergesehen wieder Einzug hält.

Natürlich waren nicht alle diese musikunterlegten Zeiten nur schön oder angenehm. Es sind Freunde, die von damals erzählen und mir zeigen, welcher Weg dazwischen liegt und welche Herzverbindung dennoch besteht. Verloren ist nichts aber nicht alle Gäste müssen in meinem Seelenhaus wohnen bleiben. Das wäre dann auch zu voll. In Gastfreundschaft loslassen – sozusagen.

Musikgeschenke von Familie und Freunden mag ich sehr gerne. Selbst dümpelt man ja vorzugsweise in der gleichen Soße. Alin Coen ist ganz neu bei mir eingetrudelt. Danke!

 

 

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Alles fließt

Kaum auf die Beine gekommen, schicke ich per Knopfdruck drei Liter den Abfluss hinunter. Es folgt das Warten auf warmes Wasser und das Drunterstellen. Als nächstes was zu trinken und mein Frühstück gäbe es auch nicht ohne.

Wasser.

Ich lese von den Turkana in Kenia, welche, wie viele, viele andere, unter einer Dürre leiden. Schon in der ersten halben Stunde meines Tages kann ich dem Thema nicht entfliehen. Es sind klitzekleine Bewegungen und das flüssige Gold sprudelt aus allen Leitungen. Marshall B. Rosenberg tönt in mir. Er sagt (in etwa), dass keiner jemals vollständig satt sein kann, solange es Hunger auf der Welt gibt.

Dieses Gefühl kenne ich. Wasser ist für mich in erster Linie Genuss, Notwendigkeit, Erfrischung, Reinigung. Oftmals noch selbstverständlich obendrein. Nur, ganz ohne Nachhall geht es nicht. Überschwemmungen oder Dürren, um in bekannten Extremen zu sprechen, schaffen es, wieder in Beziehung zum Wasser und zu Unbekannten zu treten. Wir sind eins. Dieses Bewusstsein ist auch nicht selbstverständlich. Schätzen wir die Momente, die uns das von Zeit zu Zeit ins Bewusstsein bringen.

 

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Ich kenn dich besser als du dich selbst

Viel wird einem erleichtert mit den neuen Medien. Rechtschreibung zum Beispiel. Oder vielgetippte Worte werden automatisch vorgeschlagen; ja ganze Wortwendungen und Satzbauteile. Ich finde das selten hilfreich, meist sogar lästig. Warum glaubt man mir nicht, dass ich einkaufen werde und nicht einkaufen würde? Das ist in der Aussage etwas komplett anderes. Traut man (wer?) mir nicht zu, zu wissen, was ich sagen will? Oder bin ich Teil eines Chiffriercodeexperiments? Womöglich habe ich die lernresistente Montagstechnik erwischt.
Ja, ich bin nicht die Höflichste, die immer mit Hallo und Servus beginnt und mit herzlichen und lieben Trallalas endet. Nicht immer. Aber oft genug. Zumindest behaupte ich, den Namen Marga häufiger als der Durchschnittsmensch zu benutzen.

Aber was kommt heraus?

Das!

Ich werfe sich an Montage und fünften Uhr abhaken. Grüß unf Muss, Eva

Eva! Ich meine, Magda oder Martha – damit lebe ich. Aber ich habe ein M getippt, ein A ein R ein G und ein A. Garantiert! Ich schreib mal wieder einen Brief! Das hat bisher recht gut geklappt…

 

Wen die ursprüngliche Nachricht interessiert:
Ich werde dich am Montag um fünf Uhr abholen. Gruß und Kuss, Marga

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Lesen – die andere Seite

Lesen ist gesellschaftlich grundsätzlich anerkannt und zählt zu Zeitvertreiben, die positiv konnotiert sind. Viel lesen ist gut und bestimmte Sachen umso besser.

Ebenso en vogue ist Achtsamkeit und das Leben im Jetzt. Bewusstheit im Alltag, Yoga, Tai Chi, Zen, Meditation, achtsames Selbstmitgefühl und viele Angebote und Wege mehr.
Sie bieten – zum Teil auch explizit – eine andere Sichtweise auf das Lesen; vor allem von Romanen. Dieses Eintauchen in Geschichten nämlich ist ein Entfernen vom Hier.

Ja, ich kann das verstehen. Wurde schon darauf hingewiesen, dass ich ein Buch endlich beiseite legen soll. Nicht zuletzt trippeln jetzt auch kleine Füße schnell herbei und klappen den Deckel zu.

Vielleicht eine Überlegung wert.

 

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