Schlagwort-Archive: Achtsamkeit

Lesen – die andere Seite

Lesen ist gesellschaftlich grundsätzlich anerkannt und zählt zu Zeitvertreiben, die positiv konnotiert sind. Viel lesen ist gut und bestimmte Sachen umso besser.

Ebenso en vogue ist Achtsamkeit und das Leben im Jetzt. Bewusstheit im Alltag, Yoga, Tai Chi, Zen, Meditation, achtsames Selbstmitgefühl und viele Angebote und Wege mehr.
Sie bieten – zum Teil auch explizit – eine andere Sichtweise auf das Lesen; vor allem von Romanen. Dieses Eintauchen in Geschichten nämlich ist ein Entfernen vom Hier.

Ja, ich kann das verstehen. Wurde schon darauf hingewiesen, dass ich ein Buch endlich beiseite legen soll. Nicht zuletzt trippeln jetzt auch kleine Füße schnell herbei und klappen den Deckel zu.

Vielleicht eine Überlegung wert.

 

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Gutmensch möcht ich sein

Nun, vielleicht weniger die ironische Verkehrung, aber schon. Doch. Ein guter Mensch so durch und durch, dass die einzig passende Bezeichnung Gutmensch ist. Ziel, Absicht, Wunsch – damit formuliert.

Schon mal versucht ein Gutmensch zu werden? Das ist ganz schön verrückt. Dabei warten abgrundtief demotivierende, ängstigende und luftraubende Momente. Zuhauf.

Das Bild des Sumpfes hilft mir bei der Beschreibung. Wer nämlich ernsthaft ein Gutmensch werden will, der muss auf ziemlich vielen Hochzeiten gleichzeitig tanzen. Ziehen wir den Kreis für den Anfangl ganz eng. Die Ernährung. Bio, saisonal, abwechslungsreich, fair, zuckerlos, frei von Koffein, Antioxidantien, Farbstoffen, Geschmacksverstärker und und und. Ob vegan, vegetarisch oder nach Ayurveda gekocht, eher roh oder keinesfalls, auf die Grundstimmung, Blutgruppe oder Religion abgestimmt – das ist damit noch nicht gesagt. Hinzu kommt selbstverständlich der Stand der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse auf diesem Gebiet (welchem denn nun genau?), der sich leider gerne widerspricht.
Ich sage es: Ein Sumpf!

Dabei ist das nur ein herausgepickter Bereich.

Wer beim Essen alles richtig – sprich so richtig gut – macht, der kann das nicht mit Pflegeprodukten zunichte machen, die ebenfalls vom Körper aufgenommen werden. Cremes, Salben, Shampoo, Seife, Dusch- und Badeprodukte, Kosmetik, Zahnpasta, Reinigung, Wäsche, Putzmittel. Es dürfte klar sein.

Es geht auch noch ein bisschen feinstofflicher. Mit welchen Gedanken, Geschichten, Büchern, Filmen, welcher Musik, Farbe der Bettwäsche, … umgebe ich mich?
(Wie) Ist mein Essen verpackt? Soll es frisch vom Markt sein – wie darf es/ich dorthin kommen? Eher second hand nutzen oder geht das gar nicht? Lieber wenig oder die Fülle von Farben und Schnitten bei der Kleidung feiern? Bewegung. Es gibt zu wenig und zu viel. Computerunterstützt, meditativ, in der Tiefe einer Richtung oder der Breite von allem Möglichen (aber nichts richtig). Kein Aluminium oder No-Plastik-Fraktion? Reisen – ja oder nein? Pflanzen im Raum? Nachrichten hören? Sex, Medikamente, Erziehungsstil, Flüchtlingsfrage, Hausdämmungsmaterial, Petitionen.

Die Sumpflandschaft wird größer und die einzigen Untiefen untiefer und sogstärker. Gutmensch werden ist also sicher nichts für Gewohnheitstiger. Noch nicht einmal etwas für solche, die in der Nacht gerne tief, fest und gedankenleer schlafen. Wobei, das gehört vermutlich auch auf die Liste. Entspannungstechniken. Gutmenschen können nämlich auch gut schlafen. Ist ja klar.

Wie weiter? Da steht man mitten im Sumpf und droht zu versinken. Mutlosigkeit ist in diesem Fall noch eine heitere Empfindung. Stehenbleiben darf nicht sein – bei Sümpfen absolut zu vermeiden. Auf der anderen Seite: Was die Sache schlimmer macht (könnte man ausprobieren – ich empfehle es nicht), ist die Wahl, einfach alles über Bord zu werfen und draufloszurennen. Egal wie und wo, man wird schon rauskommen. Die Füße bleiben nie trocken. Warum überhaupt soviel Energie ins Versuchen stecken?

Meine Antwort:
Weil es ohne Aufmerksamkeit und Achtsamkeit für einen guten Weg ein Ünzchen schlimmer aussieht. Ja, doch. Verfahrene Situationen können auf diese Weise noch verfahrener und am Ende sogar aussichtslos werden.
Also: Sauber und ohne ein bisschen Schweiß kommen wir nicht weiter. Lassen wir diese Idee demnach außen vor. Was bleibt, ist das Hier und Jetzt – sprich der nächste Schritt auf der Suche nach einem Stück Boden, das vertrauenswürdiger als ein anderes aussieht. Sumpf ist zwar Sumpf, aber er hat verschiedene Qualitäten. Das wollen wir nicht vergessen.

Gut(e )menschen sind keine Sauberdinger (können sie diesem Bild nach gar nicht sein). Sie kennen weder den Weg noch verharren sie im Nichtstun. Das beste ist es, auf das zu achten, was vor der eigenen Nasenspitze liegt (das kann mir niemand anderes zeigen, sagen, vorbeten oder gar predigen). Aufmerksamkeit und Achtsamkeit (s.o.) sind gefagt. Dabei kann es um die eigene Futterluke, die Rohrverlegung im Hausbau oder den zwischenmenschlichen Bereich gehen.
Ich wiederhole: Das beste ist es.
Beste.
Ist ein Steigerungsform von gut.
Wer hätte geahnt, dass ich mit einer Reduzierung sogar über dieses „gut“ hinauswachse!

 

 

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Wirrsinn [3]

Gewidmet Frau Pinselstrich mit Federhut

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