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Wie man sich bürstet, so lebt man

Auf Krawall gebürstet.

Aus unerfindlichen Gründen wabert diese Floskel durch meine Gehirnwindungen.

Aha. Ja, ja. Irgendwer wird irgendwo…

Ich lass mich gedanklich weitertreiben.

Wir suchen jeden Morgen mehr oder weniger achtsam unsere Kleidung aus, wählen vielleicht Make-up, legen Hand an die Bürste und entscheiden im Spiegel, ob es ein good oder bad hair day ist.

Reflektieren wir genauso oft unsere Gedanken, wie wir täglich in den Spiegel sehen?

Es gibt Ansichten, nach denen die Umweltverschmutzung in 3D nichts ist im Vergleich zu der Verunreinigung durch Gedanken und Emotionen.

Da würde es sich lohnen, statt auf Krawall zum Beispiel auf Vergebung zu bürsten. Oder Zufriedenheit. Freiheit. Mut. Freude. Leichtigkeit.

Für uns und alle.

 

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uner-hört

Sofort hatte sie sich verliebt. Ein Mann jenseits der fünfzig, angegraute Haare, Dreitagebart, Bräune, die vom Sein im Freien sprach. Zähne nicht bleich, sondern zahnweiß und sympathisch schief. Als einziger in seiner Runde rauchte er nicht. Das war gut. Seine Küsse würden besser schmecken.

Um ihn eingehend betrachten und in seinem Bild versinken zu können, hatte sie die Sonnenbrille aufgesetzt, obwohl das unter dem Sonnenschirm nicht nötig war.

Sein Äußeres sprach sie wohl an, ja.

Aber absolut und gänzlich unvorbereitet eingenommen, wurde sie einzig davon, dass er die Schuhe ausgezogen hatte und im Schneidersitz auf dem Sessel saß. Ein Junggebliebener, körperlich nicht verkalkt. Beweglich und nicht um gesellschaftliche Normen bemüht.

Seine Anwesenheit zwei Tische entfernt beflügelte sie so ohne Mühe, dass sie vergaß, warum sie hier weilte oder wie lange sie schon starrte und in ihren Gefühlsregungen schwelgte.

Der Kellner näherte sich seinem Tisch. Er öffnete den Mund, verlangte die Rechnung oder bestellte neu – das erkannte sie nicht. Seine Worte und deren Inhalt waren völlig egal.

Kurz drang seine Stimme an ihr Ohr und in derselben Sekunde verflog der Zauber.

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