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Ich kenn dich besser als du dich selbst

Viel wird einem erleichtert mit den neuen Medien. Rechtschreibung zum Beispiel. Oder vielgetippte Worte werden automatisch vorgeschlagen; ja ganze Wortwendungen und Satzbauteile. Ich finde das selten hilfreich, meist sogar lästig. Warum glaubt man mir nicht, dass ich einkaufen werde und nicht einkaufen würde? Das ist in der Aussage etwas komplett anderes. Traut man (wer?) mir nicht zu, zu wissen, was ich sagen will? Oder bin ich Teil eines Chiffriercodeexperiments? Womöglich habe ich die lernresistente Montagstechnik erwischt.
Ja, ich bin nicht die Höflichste, die immer mit Hallo und Servus beginnt und mit herzlichen und lieben Trallalas endet. Nicht immer. Aber oft genug. Zumindest behaupte ich, den Namen Marga häufiger als der Durchschnittsmensch zu benutzen.

Aber was kommt heraus?

Das!

Ich werfe sich an Montage und fünften Uhr abhaken. Grüß unf Muss, Eva

Eva! Ich meine, Magda oder Martha – damit lebe ich. Aber ich habe ein M getippt, ein A ein R ein G und ein A. Garantiert! Ich schreib mal wieder einen Brief! Das hat bisher recht gut geklappt…

 

Wen die ursprüngliche Nachricht interessiert:
Ich werde dich am Montag um fünf Uhr abholen. Gruß und Kuss, Marga

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Technik und ich

Vom Jahrgang her werde ich ja bei den digital natives eingeordnet.

Vielleicht wurden gerade vor diesem Hintergrund meine technischen Mitbewohner als bemerkenswert angesehen.

Ich darf also präsentieren:

Bierglas Entgegen dem kleinen Scherz zur Fastenzeit hat dieses Glas eine andere ganz wesentliche Bedeutung. Ohne seine Beschwerung hält nämlich die Klappe nicht mehr.

Kein Grund auszumustern meine ich. Weil ich aber mehr und lieber CDs als z. B. Radio höre, ist es ziemlich wichtig.

Kassetten gibt es im Badezimmer.

 

 

 

 

Laptop

Diese treue Seele war jahrelang mein beruflicher Begleiter und wechselte dann in den privaten Besitz. Das Gewicht meines Methusalems ist mit Reisen nicht wirklich kompatibel, sein Alter für Techniker dafür ein Wunder.

Mein Technikmensch meint ja schon lange, dass es gute Gründe für einen Wechsel gäbe, noch bin ich nicht soweit.

Dass der Akku schon längst nicht mehr funktioniert und auch kleinste Stromschwankungen inakzeptabel sind, nehme ich hin.

 

 

 

Handy

Zugegeben, das hier ist nicht mein privates Handy (obwohl auch jenes schon die markttechnisch vorgesehene Lebensspanne überschritten hat).

Der Vorteil eines solchen Bürohandys: Niemand erwartet von mir, berufliche Mails zu checken, wenn ich  nicht vor Ort bin.

Abgesehen von Telefonaten und SMS tue ich mir sowieso schwer. Ich brauche Platz und den bekomme ich von Mister Methusalem.

 

 

TVDieser TV hat unseren alten Röhrenfernseher abgelöst. Die Verbesserung: Das Bild ist wieder ruhig und klar(er). Mir wurde allerdings gesteckt, dass er dafür schwerer ist.

Bei einem bestimmten Sender sind Tonschwankungen inklusive und das finden wir charmant. Gibt sogar einer romantischen Komödie dramatisch-gruslige Impulse.

Die Schublade steht übrigens offen, weil man sich entscheiden muss: Offen oder zu. Dazwischen liegen oftmals blanke Nerven.

 

Ich mag Dinge und Menschen mit Eigenheiten (abseits irgendwelcher Mode-Wellen und Inszenierungen).

 

 

 

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Tempowechsel

Folge 16

Liliane wartete vor der Spielgruppe bis Tara Benjamin übergeben hatte.

„Was ist los mit dir? Du bist in letzter Zeit so eigenartig“, ging sie gleich in medias res.

Dass die Unerreichbarkeit aufgrund des entsorgten Handys auf einen Neujahrsvorsatz zurückging, schien verständlich, wurde von der Freundin aber als hinterwäldlerischer Nonsens bewertet.

„Wir leben im einundzwanzigsten Jahrhundert. Wenn du Entschleunigung suchst oder auf Retro machen willst, dann kannst du statt Mails Postkarten schreiben, hingegen ein Telefon aufzugeben ist zu extrem. Hast du schon die Ladestationen mit Wählscheibe gesehen? Leg dir von mir aus so etwas zu, aber erklär mir einmal, wie wir uns verabreden sollen, wenn du ein Anti-Technik-Freak wirst, ohne uns Bescheid zu geben?“

Die Empörung der Freundin prallte an Tara ab.

„Das kommende Wochenende ist sowieso schon längst geplant. Ich weiß nicht, was es da noch Wichtiges telefonisch zu besprechen gegeben hätte, was hier vor dem Kindergarten nicht möglich ist.“

Lilianes Augen wurden zu schmalen Schlitzen.

„Ich frage dich das nur ein einziges Mal. Habt ihr Probleme? Du und Henni? Was ist los?“

„Henni und mir geht es prima“, versicherte Tara, konnte aber ein Kichern nicht unterdrücken. Die Absurdität dieser Idee machte ihr Spaß, allerdings verstand das die Freundin falsch.

„Tara!“ Liliane hielt sie am Arm zurück. „Sag es mir!“

„Warum glaubst du, dass Eheprobleme dahinter stecken, wenn ich beschließe, mein Telefon aufzugeben?“

„Weil du anders bist.“

„Wie anders?“

Liliane suchte verzweifelt nach Worten.

Es fiel Tara nicht leicht, ihrer Freundin offen ins Gesicht zu lügen, wo sie doch ein derart feines Gespür an den Tag legte. Sie wusste, dass dies ein passender Moment gewesen wäre, um von den wahren Hintergründen zu berichten. Dennoch entschied sie sich dagegen. Nicht nur der Wunsch, Mitleid zu vermeiden, steckte dahinter, vielmehr hoffte sie auch, dass es schlicht und ergreifend zu früh war, um ihren Tod anzukündigen. So, als wäre Zeit zu gewinnen, solange sich die Nachricht noch nicht verbreitet hatte. Waren die Worte erst einmal ausgesprochen, dann wurde es zu einer großen Wahrheit, die von vielen Menschen getragen wurde und eine Änderung würde dadurch fast unmöglich. Im Moment wussten nur die Ärzte, Henni und sie davon, es bräuchte also nicht sehr viel Aufwand, um die Fakten zu verändern. Diese stille Hoffnung tauchte überraschend in Tara auf. Bislang war ihr nicht bewusst gewesen, dass sie noch ein Wunder in Betracht zog. Vielmehr hatte sie die Diagnose und das dazugehörende unvermeidliche Ende absolut gesetzt.

Unruhe machte sich in ihr breit. Sie ahnte, dass die Erwartung einer spontanen Wende enttäuscht werden würde und dabei war die Situation als solches schon schwer genug zu ertragen.

Um sich wieder in den Griff zu bekommen, zwang sich Tara an Henni zu denken. In seiner Nähe fiel es ihr immer leichter, den Fokus zu bewahren.

„Henni ist übrigens auch dagegen, dass ich kein Handy mehr besitze“, teilte sie der Freundin mit.

„Gut, der Mann. Ich wusste schon immer, dass er etwas im Köpfchen hat.“

„Gerade eben meintest du noch, wir hätten Probleme.“

„Schnee von gestern“, wehrte Liliane leichten Herzens ab.

Sie setzten sich noch für einen Kaffee zusammen, bevor sich ihre Wege trennten und Tara versprechen musste, das Telefon-Dilemma zu beheben. Liliane drohte sogar damit, sie andernfalls von dem Wellnesswochenende auszuschließen.

Benommen von den unvorhergesehenen Emotionen, die das Treffen in Tara ausgelöst hatte, begab sie sich zum Supermarkt. Wenn möglich erledigte sie die Einkäufe stets ohne die Kinder, weil sie dadurch um ein Vielfaches schneller vorankam. Heute half das nichts, sie lehnte sich über den Einkaufswagen und ließ sich Zeit. Die Langsamkeit half ihr, nicht vollends den Boden unter den Füßen zu verlieren.

An der Kreuzung zweier Gänge stieß sie beinahe mit einer alten Frau zusammen.

„Bitte, nur zu“, wollte Tara ihr bereitwillig den Vortritt überlassen.

„Nein, nein. Sie sind bestimmt schneller als ich“, winkte die Dame ab.

„Heute nicht“, lächelte Tara.

„Die jungen Menschen sind sowieso immer in Eile. Es ist gut, wenn es Ihnen anders geht“, lobte die fremde Frau und tappte in winzigen Schritten an Tara vorbei.

Atmend, schiebend und im Hintergrund auch einkaufend bewegte sich Tara durch das Geschäft. Erst als sie an der Kassa stand, wachte sie aus ihrem Dämmerzustand auf. Gegenüber der Süßigkeiten gab es ein Regal mit Zündhölzern, Einwegrasierern, Batterien und Handys. Diese Geräte waren für alte Menschen gedacht. Es gab nur ein relativ kleines Display, dafür überdimensionale Tasten mit riesig aufgedruckten Ziffern. Sie nahm sich ein Blaues und legte es samt Wertkarte zu ihren Einkäufen. Ein Lächeln erschien auf ihrem Gesicht. Warum sollte sie nicht ein Alte-Menschen-Handy kaufen? Schließlich befand sie sich genau wie jene am Ende ihres Lebens.

Dieser kleine persönliche Scherz munterte sie auf und das Verstauen der Einkäufe im Auto gelang wieder in altgewohnter Geschwindigkeit. Ein Blick auf die Uhr zeigte ihr aber, dass Liliane und der Zeitlupengang durch den Supermarkt so lange gedauert hatten, dass sie nun direkt zurück zum Kindergarten fahren konnte, um Benjamin und danach auch Mathias abzuholen. Mit einem Schulterzucken tat sie das ab. Tagesabläufe änderten sich schließlich andauernd, das hielt lebendig.

 andere Tara-Tage + Henni

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Vorrang

Wann ist es passiert, dass das Telefon Vorrang bekommen hat?

Priorität gegenüber real anwesender Menschen?

War es zu einer Zeit, als ein Klingeln des Apparates bedeutete: Etwas Wichtiges ist passiert, das nicht warten kann? Ein Notfall?

 

Heute: Eine Sitzung wird ständig durch Telefonate unterbrochen.

Ich entscheide schon fast: Nächstes Mal rufe ich dich an, dann nimmst du dir Zeit für mich.

 

Aber nein! Doch nicht.

What would you change prangt groß an meiner Türe.

Das! Das ändere ich.

Reale Begegnungen haben bei mir Vorrang!

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Wirf deine Krücken weg

Eine Woche ist um. Fastenzeit. Für mich eine Woche ohne Kaffee. Von hundert (na ja, eher von vier) auf Null.

Kaffee hat bei mir multifunktionale Beliebtheit.

–          Anlass zum Aufstehen und in die Küche gehen

–          Treffen von anderen Pausikern und Gespräche mit ihnen

–          Zurückziehen ganz zu mir und Gedanken schweifen lassen

–          Als Zeitmesser, wie lange ich an einem Tisch sitzen und lesen oder schreiben kann (würde die Tasse nie leer, wäre es leicht, die Stunden zu vergessen)

–          Als Kompagnon vor dem Computer, wenn ich tippe

–          Finger- und Bauchwärmer

–          Belohnung, wenn etwas vollendet wurde

–          Goodie auf Reisen

–          Neutralisator von Süßem

–          Bekannter Freund, wenn die Trink-Alternativen unattraktiv wirken

–          Geruchsfreuden

–          Stiller Lauscher bei wichtigen Gesprächen, die sich um Gott und die Welt drehen

 

Warum sollte ich also darauf verzichten? So einfach wie unmöglich zu erklären: Weil ich die Idee hatte und es sich gut anfühlte.

Rückblick nach der ersten Woche: Es ist ganz leicht. Keine körperlichen Reaktionen und auch im psychischen Bereich ist es erfreulich ruhig.

Das Schönste aber ist die Erkenntnis, dass ich alles, was oben aufgezählt wurde, trotzdem noch erfahren darf. Den Grund oder den Begleiter Kaffee brauche ich dazu nicht. Das ist ein Geschenk.

 

Ich bin generell eine Freundin davon, Krücken loszulassen. Wie heißt es so schön in der Bibel? Steh auf, nimm deine Bahre und geh. (Joh 5,8) [Ja, der Vergleich hinkt an manchen Stellen, doch vordergründig hat dieser Mann vergessen, dass er seinen eigenen Beinen und seinem Weg trauen kann. Er war von der Bahre und helfenden Menschen abhängig geworden, hatte sich womöglich in diesem Leben bequem eingerichtet.]

 

Ein Beispiel abseits von Kaffee und Heilgeschichten:

Vor kurzem sprach ich mit Jugendlichen darüber, was im Leben wichtig und wertvoll ist und was sie als nebensächlich oder Luxus einstufen.

Bei Freundschaft, Beziehung und Liebe waren sie sich einig, dass dies zu den Grundbedürfnissen eines jeden Menschen gehört.

Zu den Bereichen Auto, Schokolade oder Handy gab es allerdings Diskussionen. Mancher definierte das Handy sogar als lebenswichtige Basis. – Interessant, das wollte ich genauer wissen. Ich ließ meine jungen Freunde erzählen, was sie mit ihrem Telefon machten und wozu sie es nutzten. Zusammengefasst kann man sagen, dass sie ihr Handy als Mittel dazu verwenden, das Grundbedürfnis nach Beziehung zu anderen Menschen zu befriedigen. Es ist also gar nicht zu lachen, wenn jemand in dieser Situation sagt: „Ohne mein Handy sterbe ich.“ In gewisser Weise schätzt sie/er die Gefahr absolut richtig für sich ein.

 

Nicht nur Kindern und Jugendlichen geht es so – siehe Beweisstück Nummer eins: meine Aufzählung oben.

Man höre sich auch einmal um, wie viele kleine Helferchen es im Alltag gibt. Dabei darf unterschieden werden. Macht mich mein Helferchen von etwas oder jemandem abhängig? Hat die Apotheke geschlossen, ist die Kaffeemaschine kaputt, mein Glücksbringer liegt daheim oder ich trage die falschen Socken und schon geht gar nichts mehr? Das sind für mich Kriterien, um besonders achtsam zu werden.

Es gibt auch Unterstützung, die ich jederzeit und immer bekommen kann. Für Kinder gefällt mir die Möglichkeit, Energiepunkte zu halten, besonders gut. Erste Erkenntnis: Ich habe alles bei und in mir, was helfen kann. Der Kreis lässt sich noch weiter ziehen. Summen beruhigt unser System (Mamas machen das auch mit ihren Kindern), meditieren, atmen (sollte immer möglich sein), Körperübungen, ein Satz, Lied, Gebet oder Gedicht, das wir hervorkramen können und uns wieder zu uns selber bringt.

Alles ganz ohne externe Krücken und solange wir in der Anwendung flexibel bleiben, sind die Nebenwirkungen durchgehend wünschenswert.

 

Wirklich freudvoll und lebendig wird es für mich dort, wo wir Hilfsmittel als Gewohnheit entlarven und uns nicht länger darauf stützen, als würde uns mit ihnen genommen, was sie uns nie geben konnten.

 

Die Frage, die am Ende noch bleibt, lautet, warum Jesus dem Ex-Lahmen aufträgt, seine Bahre mitzunehmen. Ging es um Ordnung und Verantwortlichkeit? Oder wurde bereits damals der Grundstein für Coffee-to-go gelegt?

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