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Hass ist nicht immer Hass

Tara blickte nachdenklich auf die Küchentür, die vor Sekunden lautstark zugeknallt worden war.

Der Hall hing noch im Raum, als sie vor sich hin und dennoch an Henni gerichtet fragte: „Glaubst du, das liegt an mir? Dass er etwas spürt? Unbewusst meine ich?“

Mit gerunzelter Stirn strich sich Henni über den Kopf. Eine Geste der Hilflosigkeit.

„Ich weiß auch nicht“, murmelte er. „Seit dem letzten Wochenende ist Jonas schwierig.“

Das drückte es gut aus. Jonas war schwierig. Er klammerte sich an Tara, wollte nicht, dass sie ohne ihn das Haus verließ und war beleidigt, wenn er nicht auf ihrem Schoß sitzen durfte. Manchmal bildete sich Tara ein, dass ihr Ältester den bald anstehenden und endgültigen Abschied spürte. Wenn das jetzt schon so kompliziert war, wenn ihr Kind derart auffallend reagierte, wie würde das werden? Konnte der Tod der Mutter Kinder so schwer treffen, dass das gesamte Leben davon überschattet wurde? Und weil auch Erfahrungen von anderen niemals garantieren konnten, wie es bei ihren Söhnen ablaufen würde, gab es keine Antwort für sie. Stattdessen versuchte sie alle Buben so viel wie möglich im Arm zu halten und sich Zeit für sie zu nehmen.

Für Jonas war das immer zu wenig und als er heute erfahren hatte, dass sie nachher zum Spanischkurs aufbrechen würde, flippte er völlig aus. Weil Tara aber bei ihrem Vorhaben blieb, war er schlussendlich mit einem „Ich hasse dich!“ davongestürmt.

Auch Henni hatte leise Bedenken angemeldet. Da der Schitag am darauf folgenden Morgen zu einem großen Durcheinander geführt und dadurch eindeutig gezeigt hatte, wie sorgsam mit Taras Energie umgegangen werden musste, überlegte auch er, ob ein Sprachkurs nicht unnötige Verausgabung war. Aber Tara wollte es versuchen. Morgen war Samstag und das Risiko somit vergleichsweise gering. Außerdem fühlte sie sich heute wieder ganz in Ordnung, es gab keinen Hinweis dafür, dass sie sich überforderte.

„Hast du…“ Tara schluckte und setzte noch einmal dazu an, um die Frage zu stellen, die sie seit gestern vollkommen erfüllte. „Hast du mit dieser einen Person auch darüber gesprochen, was passiert ist? Über mein Verschlafen, die ganzen Probleme dazu?“

Henni zog eine Schnute.

„Ja“, antwortete er mit Verzögerung.

„Und? Was hat er… oder sie gesagt?“

„Tara, ich habe es dir schon gesagt. Wir haben eine Lösung gefunden und wir können das in Zukunft berücksichtigen. Trotzdem und immer noch stehe ich dazu, dass es helfen würde, wenn wir Freunden und Familie davon erzählen.“

„Ich überlege es mir“, seufzte Tara.

Ja, sie machte es Henni nicht gerade einfach, doch sie wusste ganz genau, dass es noch zu früh war. Sie brauchte diese Zeit, in der sie in den Augen der anderen noch Tara sein konnte, bevor sie zu der Todeskandidatin mutierte.

Mit einem Kuss verabschiedete sie sich und fuhr los um Joel abzuholen.

Zu ihrer Überraschung öffnete seine Mutter Simone die Haustüre. Die Erfahrungen während der Meditation wurden durch dieses Zusammentreffen wie von selbst beschworen und Tara lächelte genauso erfreut, wie auch sie begrüßt wurde.

Joel brauchte noch ein paar Minuten und so setzten sie sich in die Küche.

„Wie geht es dir?“, fragte Simone freundlich und obwohl diese von der Krankheit wusste, fand es Tara gar nicht selbstverständlich, dass sie nun darauf eingehen sollte. Stattdessen berichtete sie vom aktuellsten Zwischenfall.

„Mein Sohn, mein ältester Sohn, hat mir gerade vorhin gesagt, dass er mich hasst. Er wollte nicht, dass ich heute Abend ausgehe.“

„Ach, Hass. Ja“, sprach Simone mitfühlend. „Das kenne ich. Bei Kindern – und wohl auch bei Erwachsenen – bedeutet das normalerweise eines von zwei Dingen. Erstens: Ich mag das nicht. Oder zweitens: Das ist mir jetzt zu viel.“

Darüber musste Tara nachdenken. Sie hatte diese Worte über das Hassen nicht persönlich genommen. Natürlich nicht. Eine Übersetzung hatte sie allerdings auch nicht versucht. Jonas wollte schlicht nicht, dass sie zum Wellnessen oder zum Sprachkurs fuhr.

„Stell dir vor“, machte Simone weiter, „jemand sagt: Ich hasse es, wenn mir der Zug vor der Nase wegfährt. Ich hasse es, dass du mich bevormundest. Ich hasse Käse oder dein Dauergerede. Mir persönlich geht es so, dass ich immer nur eine meiner zwei Varianten dahinter höre.“

„Das klingt ziemlich friedlich“, entgegnete Tara.

„Ich glaube, die Menschen sagen nur nicht immer das, was sie meinen“, lachte Simone beherzt.

 

 

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Kleines großes Wort

Das Leben stellt bestimmt nicht allen dieselben Fragen.

Und ich gehe davon aus, dass meine Antworten lange nicht der Wahrheit letzter Schluss sind.

Dies hier ist eher der Versuch, eine kleine Etappe des Denkens durch das Niederschreiben zu ordnen.

Ich fühle mich verpflichtet voranzustellen, dass es ein überaus heikles Thema ist und ich damit nur mir selbst Ausdruck gebe – von meinem momentanen Stand- und Blickpunkt aus.

Vielleicht ist gleichzeitig alles ganz anders…

Bei Festen, wenn getrunken wird, dann wird manches Mal auch für bzw. auf etwas angestoßen. Das Geburtstagskind, das Zusammensein, die Gesundheit zum Beispiel.

Ich bin da gerne mit dabei.

Über eine Fourmulierung, einen Gedanken, der bei solchen Gelegenheiten schon öfters ausgesprochen wurde, stolpere ich allerdings jedes Mal.

„Ohne Gesundheit ist alles nichts“, heißt es. – Oder so ähnlich.

Und in mir taucht dann postwendend ein „Wirklich?“ auf.

Ich kenne es, nichts sehnlicher als gesund sein zu wollen, zu trauern, zu bitten, zu wünschen, zu hoffen, aufzugeben, zu wüten, zu hadern.

Nichts davon mag ich unterschlagen.

Doch

Wenn der alte Anästhesist, der aussieht als gehöre er in Pension, über die Wange streicht und eine Träne trocknet, ist das nichts?

Wenn ein Finger mit aller Kraft und allem Sein, aller Frustration und zugleich Hoffnung bewegt wird, ist das nichts?

Wenn man eine Stunde der Verzweiflung hinter sich gebracht hat, ist das nichts?

Das Zusammenrücken der Lieben, ist das nichts?

Die letzte gemeinsame Zeit, nenne ich die „nichts“?

Ist ein Leben mit Schmerz und Krankheit „nichts“ zu nennen?

Wenn jemand, der alleine in seiner schwierigen Nichts-Situation steckt, plötzlich einen anderen an die Seite bekommt, der versteht, weil er selbst mitten hinein geworfen wurde – ist das nichts?

Ich von hier und jetzt aus möchte bitten: Nennt es viel und bedeutsam, aber nicht alles, denn dann ist daneben nur nichts.

 

 

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Weiter, immer weiter

Die Autofahrt zu den Schwiegereltern war lang und zermürbend. Offenbar hatten die drei Buben beschlossen, dass sie sich heute in keiner Kleinigkeit einig sein wollten und das wurde lautstark kundgetan. Schimpfen und bitten seitens der Eltern half alles nichts und so stiegen am Ziel fünf mehr und weniger schlecht gelaunte Menschen aus dem Wagen.

Mit ein paar raschen Handgriffen ordnete Tara Haare und Hemdkrägen, dann wurde die Türe geöffnet und sie konnte nur noch hoffen, dass es nicht den ganzen Abend so weitergehen würde.

Anlass für den Besuch war die gewonnene Bürgermeisterwahl von Hennis Vater. Seit zwei Monaten war er bereits im Amt und nach dem Weihnachtstrubel und den ganzen Feiertagen war nun die Familie an der Reihe, diese Tatsache im engen Kreis zu feiern.

Die Kleinen zwei warfen ihre Schuhe und Jacken von sich und stürmten davon, Jonas hingegen hielt sich auffallend still neben Henni. Vermutlich hatte er beschlossen, dass der Abend für ihn schon gelaufen war. Tara streichelte ihm zärtlich über den Rücken, doch er schüttelte sie ab und begab sich ins Esszimmer, wo die anderen Gäste Platz genommen hatten.

Unauffällig schielte Tara über ihren Kopf. Mit der ganzen Streiterei und Wüterei hatte sie ihren Schwebe-Stein eine Weile lang vergessen, sobald sie aber nur eine Sekunde lang nach ihm spürte, wusste sie augenblicklich, dass er noch hier war. Das ganze Jubel- und Trubel-Zeugs lenkte davon ab, mehr aber nicht. Sie zog die Nase kraus. Nur weil man ihn mit Alltag übertünchte, bequemte sich dieser Begleiter also nicht, das Weite zu suchen.
Nicht nur, dass die sich von dem Stein verfolgt fühlte, noch mehr wünschte sie sich m_wie_wunder weg, die sie eigentlich und noch viel mehr vergessen hatte wollen. Mit ihr war dieses drückende Gebilde in ihrer Imagination überhaupt erst aufgetaucht. Die Schuldfrage war somit geklärt, das Problem aber noch existent.

Mit diesen Überlegungen und einem leisen Stöhnen ließ sich Tara auf dem Stuhl neben Henni nieder. Seinen fragenden Blick beantwortete sie sofort.

„Alles nervt“, flüsterte sie. Er sollte nicht befürchten, dass sie sich mit körperlichen Schmerzen herumplagte.

Tatsächlich lächelte er sie daraufhin kurz an und zwinkerte ihr zu. Unglaublicher Weise half das, ihre Stimmung ein kleines Bisschen zu heben.

Ein bleibender Zustand wurde das allerdings nicht und auch Henni verlor während des Hauptgangs die Geduld. Er stand auf und forderte Jonas nachhaltig dazu auf, mit ihm nach draußen zu kommen. Zuerst sträubte sich der Junge, doch weil der Papa gar so konsequent blieb, trottete er schließlich unter Tränen vor Henni in die Küche. Während dort also ein ernstes Vater-Sohn-Gespräch stattfand, beruhigten sich auch die anderen anwesenden Kinder langsam. Mathias saß bei seiner Oma auf dem Schoß und erzählte bunte Lügen seines Kindergartenalltages, Benjamin wurde damit abgelenkt, dass das Püree zu einem Soßenteich umfunktioniert wurde. Die anderen drei Kinder waren von vorneherein weniger von dem Drang durchzudrehen betroffen gewesen und setzten das Essen fort.

Als Henni und Jonas zurückkamen, verging genau so viel Zeit, dass Henni einen Bissen zu sich nehmen konnte, dann platzte Mathias heraus: „Mein Papa hat eine Affäre.“

Augenblicklich war es mucksmäuschenstill am Tisch. Hustend beugte sich Henni über seinen Teller und Tara klopfte ihm helfend auf den Rücken.

Timos Blick war mehr als fragend, er schien irritiert, dass er nach seiner Aussprache mit dem Bruder auf diesem Weg erfahren sollte, dass Henni ganz persönlich sein Dilemma kannte und nichts davon erwähnt hatte.

„Nein“, lachte Tara und auch ihr Mann schüttelte immer noch hustend den Kopf.

Kindern und Erwachsenen konnte das Missverständnis relativ rasch erklärt werden. Ein Scherz stand dahinter, ein Missverständnis und niemand schien ernsthaft zu glauben, dass Derartiges in der Familie vorkommen könnte. Nur Timo blieb skeptisch. Für ihn war wohl alles im Bereich des Möglichen, nach dem, was er selbst gerade durchmachte.

Auf dem Nachhauseweg herrschte im Auto großes Schweigen. Jonas war, müde von seiner unbestimmten Wut, eingeschlafen, genauso wie Benjamin, dem der Abend einfach nur zu lange gedauert hatte. Mathias blickte ins Nichts, schien mit offenen Augen zu träumen und die Erwachsenen hingen ihren Gedanken nach.

„Ich frage mich, warum bei uns gerade alles so durcheinander gerät“, sprach Henni unvermittelt.

Nun erfuhr Tara, dass neben Timos Beziehungsproblemen auch die Schwester Maren zu kämpfen hatte. Die Firma ihres Mannes war gerade aufgekauft worden und die Arbeitslosigkeit des Hauptverdieners stand praktisch vor der Tür. Dass Henni als dritter in der Geschwisterreihe sich damit auseinandersetzen musste, bald alleinerziehender Vater und Wittwer zu sein, brauchte er nicht extra zu erwähnen.

„Kann nicht alles einfach so bleiben wie es war? Warum muss sich alles ändern?“, schloss Henni nachdenklich.

Diese Frage stellte sich Tara selbst gelegentlich, eine Antwort hatte sie allerdings nicht parat. Keine, die genügen konnte.

Zu ihrer Verwunderung meldete sich Mathias zu Wort, der offenbar zugehört hatte.

„Aber Papa, dann würde ich doch immer fünf bleiben und nie groß werden. Darum muss das Leben so sein.“

Tara lächelte ihren Sohn warm an und kämpfte gleichzeitig mit Tränen der Rührung.

„Da hast du so recht, mein Schatz.“

Groß werden, über sich selbst hinauswachsen, ja, das war das Geschenk des fortschreitenden Lebens.

 

 

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Diese eine Sache

(Folge 15)

Aus einem Abend zu viert wurde nichts. Am Nachmittag erhielt Henni einen Anruf seines Vorgesetzten und nach einem aufgeregten Wortwechsel setzte er sich an den Computer und arbeitete. Nach einer Stunde konnte er den Aufwand so gut abschätzen, dass er die Verabredung absagen musste. Joel hingegen war nicht bereit dazu, sein Steak in den Wind zu schießen. Er überredete Tara, den Abend mit ihm und seiner Frau zu verbringen.

Am Ende blieben sie aber zu zweit, weil sich Cornelia nicht wohl fühlte.

„Hübsches Kleid“, lobte Joel, als er ganz Gentleman den Stuhl für sie heranrückte.

„Danke. Kannst du dir vorstellen, dass Henni mich dazu gedrängt hat, es zu kaufen?“

Der Freund lachte: „Auf so eine Idee bin ich noch nie gekommen. Allerdings muss ich zugeben, dass sich das Ergebnis sehen lassen kann.“

Als Stammgast kannte Joel alle Angestellten in diesem Lokal und plauderte mit der Kellnerin, während diese die zwei unnötigen Bestecke abräumte.

Ein Aperitif wurde aufgetischt.

„Bist du in Feierlaune?“, erkundigte sich Tara belustigt. Joel war ganz offensichtlich auf einem Höhenflug.

„In der Tat, das bin ich“, bestätigte er breit grinsend. „Unter anderem liegt das daran, dass Cornelias Neujahrsvorsatz beinhaltet, uns gesünder zu ernähren und ich meinem Steak deswegen noch sehnsüchtiger als sonst entgegengefiebert habe.“

„Und was noch?“

„Brauche ich noch mehr? Ich sitze hier mit dir und genieße gleich ein schönes Stück Fleisch.“

Tara erinnerte sich daran, dass Cornelia früher davon gesprochen hatte, wie ausgeglichen und fröhlich Joel nach den Fahrten mit dem Motorrad immer gewesen war. Sie erkundigte sich mit amüsierter Faszination, ob es womöglich wieder ein Zweirad in seinem Leben gäbe.

„Nein.“ Er schüttelte den Kopf. „Das war etwas zwischen mir und meinem Pap.“

„Aber du vermisst es“, spekulierte Tara aufgrund seiner Mimik.

„Schon möglich. Aber das spielt einfach keine Rolle mehr.“

Joels Tochter war ein halbes Jahr nach dem Tod seines Vaters auf die Welt gekommen. Fünfeinhalb Jahre waren seither also vergangen.

 

Zweite Hälfte, für jene, die noch weiterlesen wollen

 

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Nestwärme

Diesen Samstagmorgen hatte sich Tara erbeten und bekommen.

Mathias war recht früh zu ihnen ins Schlafzimmer geschlichen, hellwach und in Kuschellaune. Sie aber fühlte sich müde und erschöpft.

„Bitte, lasst mich einfach noch eine Weile in Ruhe!“, hatte sie schließlich unwillig gebrummt und Henni hatte kurz darauf Mathias und den frisch dazu gekommenen Benjamin geschnappt und war mit ihnen aufgestanden.

Zwei Stunden später fühlte sie sich immer noch nicht ausgeschlafen, aber weil es an der Uhrzeit nicht mehr liegen konnte, schien es eben einer dieser Tage zu werden. Sie ergab sich in diese Verheißung und stand auf.

Joel war mit seiner Tochter zu Besuch, wodurch der Lärmpegel insgesamt nicht gerade gedrückt wurde. Zu viel für einen solchen Tag, fand Tara, gab aber keinen Kommentar dazu ab. Je lauter es war, desto stiller wurde sie.

Zum Glück währte dieser Zustand nicht lange, denn der Freund machte sich bald mit seiner Tochter und Mathias auf den Weg zu einem Besuch bei seiner Mutter.

Tara atmete durch. Zwei anstelle von drei Buben zu Hause, das bedeutete eine Extraportion Entspannung.

Jonas und Henni saßen gemeinsam bei den Mathematikhausaufgaben und Tara hatte die Aufgabe, Benjamin von den beiden abzulenken. Es war sein Lieblingsspiel, dem großen Bruder genau in diesen Momenten nicht mehr von der Seite weichen zu wollen. Zum Glück gab es noch ein paar Bücher, die ein Weihnachtsgeschenk gewesen und deswegen interessant genug waren, um ihn ins Wohnzimmer zu locken.

Sie bauten sich ein Nest aus Kissen und Decken und Tara zog ihren Jüngsten nahe zu sich heran. Um seinen Bewegungsdrang zu bändigen, musste sie ihn möglichst schnell für eine Geschichte interessieren.

[ich mag wissen, wie es weitergeht]

 

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Mamadee tanzt trotzdem

 

Mamadees Geschichte – erzählt von Ärzte ohne Grenzen

 

Derzeit arbeiten 41 internationale und 444 nationale MitarbeiterInnen von Ärzte ohne Grenzen in Foya im Norden Liberias. Im Behandlungszentrum mit 100 Betten werden derzeit rund 60 PatientInnen versorgt. Ärzte ohne Grenzen führt auch mehrere Aktivitäten im Umkreis durch, wie Maßnahmen zur Gesundheitsaufklärung der Bevölkerung oder die Verteilung von Informationen über sichere Bestattungen. Auch ein Wagen für Krankentransporte steht zur Verfügung. Im nahegelegenen Voinjama bildet Ärzte ohne Grenzen derzeit MitarbeiterInnen des Gesundheitsministeriums im Krankenhaus aus, um PatientInnen den richtigen Behandlungsbereichen zuordnen zu können.

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Wirrsinn [2]

Mein Leben ist erbärmlich. Nichts von Bedeutung, kein Risiko, nada.

Wer sagt denn, dass Risiken und Abenteuer das Leben aufwerten?

Das Wagemutigste heute war, dass ich aus dem Haus ging, ohne vorher noch auf die Toilette zu gehen. Verdammt!

Hier!

Was? Willst du mir das Leben mit ein paar Walderdbeeren versüßen?

Ich dachte nur, das Risiko auf Fuchsbandwurm hilft dir, die Sinnlosigkeit zu überwinden.

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Eingeordnet unter ein bisschen Philosophie

Der chaotische Professor

Tara beugte sich tief in ihren Kleiderschrank und hob einen Stapel Hosen heraus. Ganz spontan hatte sie beschlossen, alles auszusortieren, was sie nicht absolut gerne trug oder ihr einfach nicht mehr passte.

Dazu hörte sie laute Musik von alten CDs. Auch die mussten sich in absehbarer Zeit einer gnadenlosen Aufräumaktion stellen. Im Moment schmetterte die Kelly Family Santa Maria und sie summte mit. Diese CD durfte bleiben.

Ein „Hallo!“ übertönte das Lied und die Gedanken.

Abrupt drehte sich Tara um. Joel stand hinter ihr im Schlafzimmer und lachte sie zaghaft an. Er wusste wohl nicht, was er von dieser Szenerie halten sollte.

Im ersten Moment tendierte Tara dazu, ihn schnell aus diesem sehr privaten Raum hinausschieben.

Dann erinnerte sie sich: Das spielte keine sooo große Rolle.

Behutsam erhob sie sich, denn sie wollte vermeiden, dass durch irgendeine schnelle Bewegung ein Schmerz ausgelöst wurde, der sie zusammenzucken lassen würde. Diese kleinen, fiesen Attacken kamen immer unvorbereitet und von unterschiedlichen Richtungen. Ungebetene Gäste, die sie zwangen, nicht zu vergessen.

Nachdem die Musik abgestellt war, wandte sie sich schließlich dem gerngesehenen Besuch zu.

Joel war im Grunde Hennis Freund. Die beiden hatten sich zufällig in einer Bar kennengelernt, als Joel gerade erfahren hatte, dass er Vater wurde. Es gab Alkohol zu trinken, Henni konnte Geschichten vom erst wenige Monate alten Jonas erzählen und in den frühen Morgenstunden wackelten die beiden Männer gemeinsam nach Hause. An einer Tankstelle auf dem Weg wurde die Idee geboren, dass man das Kinderglück selbstverständlich mit einer Zigarre feiern musste.

Gedacht, gekauft. Allerdings waren sie keine Raucher und suchten später in den Jackentaschen verzweifelt nach einem Feuerzeug. Es war keines zu finden, da kamen sie an einer Kirche vorbei und wo eine Kirche stand, so die Logik, gab es Kerzen.

Das Gebäude selbst war verschlossen, doch auf dem Friedhof wollten sie ihre Mission zu Ende bringen. Beim ersten Grab schlug der Versuch, die Zigarren zum Brennen zu bringen, fehl und obendrein löschten sie die Kerze aus. Also auf zur nächsten Ruhestätte. Die Abdeckung wurde mühsam abmontiert, nur um zu erkennen, dass hier ein elektrisch flackerndes Licht installiert worden war. Beim dritten Grab war die Kerze schon längst ausgegangen.

Die Geschichte war schon oft erzählt worden. Am Ende schafften sie es dann doch noch, die Zigarren zu rauchen und Kindergeburtstage wurden heute noch mit der obligatorischen Virginia gefeiert.

Seither waren die beiden gute Freunde und Mathias besuchte gemeinsam mit Joels Susanna den Kindergarten.

„Ich hab die Kleinen abgeholt und wollte dich fragen, ob ich Susi ein paar Stunden bei euch lassen kann. Cornelia und ich hätten etwas zu erledigen“, erklärte Joel seine Anwesenheit.

„Natürlich“, war Tara sofort einverstanden. „Kein Problem.“

Sie folgte ihm aus dem Zimmer und in die Küche.

In den letzten Jahren hatte Joel kein Gramm zugelegt, während Henni einen kleinen Bauch entwickelt hatte. Ihr eigener Mann sah sportlich, aber nicht fanatisch aus. Gesund und stark, so wie sie es mochte. Im Vergleich dazu war Joel absurd dünn. Das war er immer schon gewesen. Eine Bohnenstange ohne auffällige Größe. Nach einem Arbeitstag wie heute standen ihm die Haare wirr vom Kopf und die Brille mit dem breiten schwarzen Rand saß ein wenig schief auf der Nase. Joel, der chaotische Professor, schoss es Tara oft durch den Kopf. Und das passte wunderbar, denn er unterrichtete Geschichte und Englisch an einem Gymnasium. Daneben hatte er früher einen geradezu fanatischen Hang zu schnellen Motorrädern gehabt. Das wusste Tara von seiner Frau.

Cornelia hatte ihr einmal anvertraut, dass sie sehr erleichtert gewesen war, als er dieses Hobby aufgegeben hatte. Gemeinsam mit dem Vater war er oft in der Nacht zu rasanten Fahrten aufgebrochen.

„Tara“, betonte sie damals, „das, was Joel besaß, das war kein Motorrad. Das war eine Rennmaschine. Ein Höllenteil und ich starb immer tausend Tode, bis er wieder daheim ankam.“

Joel hatte damit erst aufgehört, als der Vater gestorben war.

Der Tochter musste Joel nicht lange erklären, dass sie eine kleine Weile bei ihrem Freund bleiben musste, die beiden Kinder spielten bereits mit den Legobausteinen.

Beim Gehen wandte er sich noch einmal um.

„Wie sieht es mit Spanisch aus? Der nächste Kurs beginnt bald. Du bist auch wieder dabei, oder?“

Ohne nachzudenken sagte Tara zu. Vor genau einem Jahr hatte sie mit Joel den Sprachkurs ausgewählt und seither keine einzige Stunde verpasst. Womöglich war es ganz gut, wenn sie sich wieder mehr ihrem Leben widmete, anstatt mit der Diagnose im Kopf durch die Tage zu stolpern.

Joel war offensichtlich erfreut über ihre Antwort. Er lächelte und schob mit dem Mittelfinger die Brille zurecht.

„Wir sollten wieder einmal etwas miteinander unternehmen“, schlug Tara vor.

Sie würde ihn und seine Frau vermissen. Das klang absurd, weil es ein Vermissen dann vermutlich gar nicht mehr gab. Trotzdem. Jetzt ging es ihr noch gut und das wollte sie ausnützen.

Was er gleich darauf vorschlug, hätte sie vorhersagen können.

„Steakhouse?“

Cornelia gestattete ihrem Mann nur zu besonderen Anlässen, sich mit seinem Lieblingsgericht vollzustopfen und dabei handelte es sich um ein riesiges, medium gebratenes Stück Fleisch mit gemischtem Salat. Auf diese Weise konnte man Joel glücklich machen und wenn er die Wahl hatte, stimmte er zu hundert Prozent dafür, ins Steakhouse zu gehen.

Tara lachte: „Wie gut zu wissen, dass sich auch mit dem neuen Jahr bestimmte Dinge nicht ändern.“

„Das Gute bleibt immer“, antwortete er amüsiert.

Als die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen war, blieb Tara noch stehen und sah ihm nach.

 

Folge 1-10

 

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Nur ein Paar passende Schuhe

Tina hatte von den Windpocken gehört und war daraufhin sofort mit ihren beiden Kindern zu Besuch gekommen. Sie war Taras große Schwester und zeitlebens ein bisschen dick. Um Gewichtsreduktion kümmerte sie sich aber nicht, stattdessen trug sie ihre weiblichen Rundungen mit Stolz und Selbstvertrauen. Das üppige Dekolleté wurde gezielt in Form gebracht, die Haare regelmäßig geschnitten und der Lack der Nägel bröckelte niemals. Ihre Wangen waren voll und wirkten wie natürliches Botox, um Falten brauchte sie sich also bestimmt keine Sorgen zu machen.

Bei dem Gedanken daran lächelte Tara in sich hinein. Solchen Problemen musste sie sich ebenfalls nicht mehr stellen.

„Du siehst nicht gut aus“, hielt Tina wenig charmant fest und beäugte Tara über den Küchentisch hinweg kritisch.

„Ich habe nicht gut geschlafen“, rechtfertigte sich diese automatisch.

Sie wusste, selbst nach einer ruhigen Nacht bliebe sie immer die kleine Schwester, die auch durch Make-up und schicke Kleidung nie der charismatischen Größe der Älteren nahe kam. Der Eifer des Strebens nach der Wirkkraft der großen Schwester war mit dem Erwachsenwerden zurückgegangen, jedoch nie völlig verschwunden. Henni konnte das nicht nachvollziehen, bekräftigte stets, dass er die Direktheit und forsche Art seiner Schwägerin nicht sonderlich anziehend fand. Tara kommentierte das für sich damit, dass er eben ein Mann war, der diese Schwesterbeziehung nicht verstehen konnte.

„Oh, ich bitte euch!“, wirbelte Tina herum. Die Kinder diskutierten lautstark, welches Brettspiel das passende sei. „Geht das nicht stiller?“

„Magst du ein Glas Sekt?“, wollte Tara die Schwester ablenken. Das neue Jahr hatten sie getrennt begonnen, somit wäre ein Schluck Alkohol am Nachmittag vertretbar.

„Ja“, antwortete Tina abgelenkt und brüllte im nächsten Moment den Namen ihres Sohnes, was allerdings keine Wirkung zeigte.

Beinahe wären Tara daraufhin beschwichtigende Worte über die Lippen gekommen. Im letzten Moment hielt sie sich zurück. Erfahrungsgemäß wurde dadurch die Situation nur noch schlimmer und auf Streit hatte sie keine Lust.

Jonas kam angerannt und bat um etwas zu trinken.

„Und Kekse? Wie wäre es damit?“, fragte Tara verführerisch.

Womöglich konnten damit alle Kinder für eine gewisse Zeit beruhigt und somit zwei Fliegen mit einer Klappe erwischt werden.

Tatsächlich versammelten sich alle am Tisch.

„Habt ihr schon Urlaubspläne?“, begann Tina ein anderes Thema.

Urlaub. Urlaub. Das war meist im Sommer. Oder noch später. Zu spät.

„Nein“, sagte Tara völlig ruhig. „Wir hatten noch keine Zeit, die Pläne in Angriff zu nehmen. Wie sieht es bei euch aus?“ Ablenkung war die beste Verteidigung.

Wie erhofft gab es in der Familie der Schwester bereits konkrete Vorstellungen und Tara schaffte es, sich diese anzuhören, ohne von Trauer oder Wut überrollt zu werden. Ihre Emotionen waren in manchen Momenten ähnlich aus dem Ruder wie ihre Gesundheit. Heute und jetzt schien sie relativ stabil, was mit Erinnerung an die vergangene Nacht eine wohltuende Erholung darstellte.

Ein Kinderglas fiel um und der Saft verteilte sich auf dem halben Tisch.

„Nehmt den grünen Lappen“, dirigierte Tara von ihrem Platz aus.

„Du machst es dir ja leicht“, murmelte Tina kritisch.

„Ich?“ Erstaunt deutete Tara mit dem Zeigefinger auf sich selbst. „Warum?“

Anstelle einer Erklärung presste die Schwester die Lippen aufeinander und schüttelte missbilligend den Kopf.

Die Unzufriedenheit von Tina war praktisch mit Händen zu greifen und somit auffallender als sonst. Irgendetwas schien ihr über die Leber gelaufen zu sein.

Ungeschickt, aber mit langsam wachsendem Erfolg, kümmerten sich die Kinder um die Kleckerei, was Tara aber nur aus den Augenwinkeln verfolgte.

„Ist bei dir alles in Ordnung?“, wollte sie an die Schwester gerichtet wissen.

„Wann ist schon alles in Ordnung, Tara? Dieses Jahr geht weiter, wie das alte aufgehört hat. Wenn man Arbeit und Familie unter einen Hut bringen muss, dann gibt es nie Pause. Ich habe nicht den Luxus, nur zu Hause zu sein wie du und mir Nerven aus Stahldrähten wachsen zu lassen. Ich meine, das hier, das sollte eigentlich angenehm sein, stattdessen drehe ich bei dem Kindergeplärre fast durch.“

Tara zog die Stirn kraus. Die überdeutliche Anspielung auf ihr Hausfrauendasein machte ihr nichts aus, hingegen war völlig neu, dass ihre Schwester sich darüber beschwerte, dass ihr etwas über den Kopf wuchs. Eigentlich verkörperte sie die Macherin per se.

Details waren aber keine zu erfahren, deshalb tat Tara das einzige, was übrig blieb – sie schickte die Kinder in das Bubenzimmer, damit zumindest ein wenig Ruhe einkehrte.

Oberflächlich und unter dem Anschein eines schwesterlichen Austausches schlich die Zeit vorüber. Tara begann zu bedauern, dass sie kein besseres Verhältnis zu Tina hatte und überlegte, was sie daran auf die Schnelle ändern konnte.

„In zwei Wochen fahre ich mit meinen Freundinnen in ein Wellnesshotel. Hast du Lust mitzukommen?“ Die Bedenken, wie sehr die gewohnte Routine dadurch gestört werden könnte, schob sie großzügig beiseite.

Nein, so dringend war der Wunsch nach Erholung dann doch nicht, Tina sprach sich sofort dagegen aus.

„Hallo-o! Ich bin zu Hause!“, rief Henni.

Tina sah auf ihre Armbanduhr und hob vieldeutig die Augenbrauen. Tara, die Hausfrau mit nur Freizeit und Sonnenstunden, dazu ein Mann, der um vier Uhr aus dem Büro nach Hause kam. Die als Überraschung kaschierte Missbilligung der Schwester brachte Tara dazu, tief durchzuatmen. Immer dieses Vergleichen und Bewerten, das so schwer loszuwerden war. Während Tina kein Geheimnis aus ihrer Meinung machte, verzweifelte Tara hin und wieder an sich selbst. Sie schaffte es einfach nicht, nicht automatisch zu reagieren. Selbst jetzt, den Tod vor Augen, eine Situation, in der sie sich herrliche Erhabenheit vorgestellt hätte, blieb sie eine Sklavin ihrer Emotionen. Alles gute Wollen half nichts. Dabei war sie selbst überrascht, dass Henni so früh nach Hause kam.

„Oh, hoher Besuch“, begrüßte der die Schwägerin überaus freundlich.

Dann beugte er sich zu Tara und gab ihr einen Kuss.

„Hey“, meinte er fürsorglich. „Wie war dein Tag?“

„Gut“, antwortete Tara mit einem kleinen Lächeln.

„Papa!“, rief Benjamin aus vollem Hals und stürmte in das Zimmer.

Mit weit ausgebreiteten Armen empfing Henni seinen Sohn.

„Papi, du bist mein bester Freund!“, verkündete der Dreijährige.

Als wäre das der Idylle zu viel, erhob sich Tina ein wenig zu schnell.

„Es ist Zeit, wir müssen los.“

Gedankenverloren beobachtete Tara, wie die Schwester mit den Kindern die Abreise vorbereitete.

Wie verkehrt man mit einem äußeren Blick auf einen Menschen doch liegen konnte. Bei Tina lag einiges im Argen, obwohl ihr Auftreten und ihr Aussehen keinen näheren Rückschluss ermöglichten. Und bei Tara und Henni hielt ganz sicher nicht die Harmonie das Zepter in der Hand, vielmehr war es der Versuch, die verbleibende Zeit so sinnvoll wie möglich zu nützen.

Und dennoch. Tara konnte nicht sagen, dass sie die Schuhe der Schwester vorgezogen hätte.

Diese Erkenntnis erschreckte sie. Warum wollte sie ihr Leben mit todbringender Krankheit nicht mit dem vergleichsweise bestimmt harmlosen Stress der Schwester tauschen?

Nach dem Abschied vor der Haustüre kehrte sie als letzte in die Küche zurück. Dort standen ihre vier Männer und diskutierten darüber, welcher Film heute angesehen werden sollte.

Deswegen, entschied sie augenblicklich. Weil das hier ihr Leben war, darum würde sie niemals tauschen. Wegen Henni, Jonas, Mathias und Benjamin.

 

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Ohne was ist alles nichts?

Gedankenverloren saß Tara vor einer Grußkarte. Bisher hatte sie ihren Tanten zum neuen Jahr immer alles Gute und Gesundheit gewünscht. Standard eben. Doch obwohl man oft zu hören bekam, dass ohne Gesundheit alles nichts sei, stimmte es dieses Mal nicht.

Tara hatte kurz vor dem Weihnachtsfest erfahren, wie kurz die ihr verbleibende Lebenszeit noch war. Das nächste Jahr würde sie nicht überleben. Nicht nach allem was die Ärzte über ihre Krankheit sagen konnten.

Bisher wusste niemand davon. Ihr Ehemann und guter Freund genauso wenig wie die Eltern oder Geschwister; und es den drei kleinen Söhnen zu erzählen, das konnte sie sich erst recht nicht vorstellen.

Mit dem Kugelschreiber klopfte Tara rhythmisch auf das noch leere Stück Papier vor ihr. Was sollte sie also schreiben? Gesundheit war nicht alles. Ganz bestimmt nicht, denn selbst mit ihrer Krankheit, die sie überwältigen würde, wenn nicht noch ein Wunder geschah, genoss sie die Tage mit ihren Kindern. Sie hatte sogar Geduld und Großmut geschenkt bekommen. Schokoladenfinger an der weißen Gardine? Nicht so schlimm. Heimliches Keksenaschen? Da machte sie nun mit. Geschrei und laute Rufe während eines wilden Spiels? Sie fand das heute nur noch zum Lachen und Nachtruhe erkämpfte sie nun auch nicht mehr. Sie genoss das Leben, das ihre drei Buben rund um sie herum so großzügig zur Schau stellten.

Zeit. War es Zeit, die das höchste Gut darstellte? Dass sie noch einige Wochen oder gar Monate im Kreise ihrer Familie hatte, schien ihr manchmal wie ein Geschenk, in anderen Momenten wie ein Fluch.

Aber selbst wenn sie noch mehr Zeit zur Verfügung hatte, schien ihr das nicht der Kern zu sein. Wenig oder viel davon war egal, wenn man… tja, was nicht hatte?

Spontan entschied sich Tara und schrieb auf jede einzelne Karte:

Ich wünsche dir für das Jahr 2014 von Herzen Freude am Leben und das immer wieder neu!

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