Schlagwort-Archive: Philosophie

Flügge Gedanken

Wen interessiert, ob sie küssen kann?
Sie kann durch die Wolken sehen.

Tja, Davis, da staunst du! Dass dem, der so gerne zitiert, nun die Worte entliehen werden.

Ein wenig gibt mir zu denken, dass Teenager bzw. junge Erwachsene so viel tiefgründiger sind, als ich. Liegt es an dem Alltagstrott der Erwachsenen? Dass sie so viele Muss‘ und Solls in ihren Tag packen, dass sie mit einer halbfertigen To-Do-Liste ins Bett fallen und sich dadurch… was? wichtig fühlen? Wobei es auch ältere Ausnahmen gibt. John Green zum Beispiel.

Ich vergesse zu fragen oder gelegentlich auch auf die Antwort zu hören, darum gibt es für mein inneres Tempo einen einfachen Test. Ich lese Poesie und ob sie bei mir ankommt oder mir wie Weißes Rauschen erscheint, sagt mir einiges. Domig und Rilke werden bevorzugt.

Derzeitiges Motto: Nur lesen, was mir daran Spaß vermittelt, ich selbst zu sein.

 

John Green: Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken.

 

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter gefunden

Deal mit dem Teufel inklusive

Wenn du eine halbe Stunde Zeit hättest, was würdest du tun?
Zolaskis Fragen beantworten. Anlass war übrigens die Kofferfrage, die mich nicht losließ.

1• bestücke einen Koffer mit 11 Dingen für eine 11 tägige Reise.
3 Unterhosen, 2 Shirts, 1 Jacke, 1 Hose, 2 Paar Socken, 1 Zahnbürste, 1 Apfel

2• welche 3 Bücher würdest du ohne Zweifel empfehlen?
Momo, Narziss und Goldmund, Das Herzenhören

3• wenn das Glück in Bildern darstellbar wäre welche würdest du wählen?
glitzernder Schnee, strahlend blauer Himmel, sprudelnder Wasserfall
(frag mich in einer anderen Jahreszeit wieder und zumindest das erste Bild ist ein anderes)

4• was unterscheidet für dich zwischen Zufall und Schicksal?
der Grad der Unausweichlichkeit

5• du kannst mehr Zeit bekommen im Tausch gegen:
klingt im ersten Moment wie die ganzen Seele-Teufel-Tauschhandel-Geschichten;
ich biete eine ungebrauchte Schachtel Zündhölzer

6• glaubst du an das Unmögliche und wie könnte es beschrieben werden?
ja; als die Grenzen des Denkens und Wissens Überschreitendes (wie zum Beispiel eine fliegende Hummel)

7• welchen Sinn macht für dich Philosophie?
sie lässt Teile in mir schwingen und lebendig sein, die ohne sie vertrocknen würden

8• du könntest nicht die Welt retten aber 3 Möglichkeiten hast du dennoch. Nenne sie.
drei Möglichkeiten wofür? ich bin mir nicht sicher, in welche Richtung die Aufforderung geht;
wenn ich etwas ändern könnte, würde ich die Augen für die Farben der Menschen öffnen, gleichzeitig die Farben des Inneren anknipsen und Ohren für die Harmonie des Seins empfänglich machen

9• es werden Personen gesucht für eine BrainReise ins Jahr 3050. Ausgang ungewiss. Würdest du daran teilnehmen?
Nein

10• nenne 3 Begriffe/ Bereiche die dein Denken * durcheinander bringen.
* ich ergänze ein „Zuweilen“
das menschliche Tun mit Vorsatz zum Schaden von anderen/-m, Gerechtigkeit, To-Do‘s

11• was würdest du nie tun?
ich denke an Balut und sage: das kann ich nicht beantworten; manches kann man (ich) nur in der entsprechenden Situation herausfinden

 

 

21 Kommentare

Eingeordnet unter gefunden

Der Versuch eines Beweises

Was Lebensphilosophie heißen will, kann auch vor einem Schlüsselbund nicht Halt machen. Das war meine Theorie.

So erzähle ich hier von meinen treuen Begleitern, die ihre vollkommene Bedeutung nicht auf Anhieb offenlegen.

 

Mein Schlüsselbund ermöglicht es mir, Türen zu öffnen. Ein Alltagsgegenstand, nicht gerade schön zu nennen, zwischendurch komplett vergessen, entfaltet seine ganze Macht, wenn das Niederdrücken einer Klinke nicht genügt. Wenn die Schulter schon fast gegen die Türe knallt, dann rettet einer dieser kleinen Freunde die Situation und ich darf eintreten. Die meisten meiner Schlüssel sind unverwechselbar, ich weiß, wann ich welchen wo einsetze.

Eine Ausnahme. Es gibt Zwillinge, die einen kurzen Kontrollblick verlangen.

Türen öffnen sich, wenn alles zusammenpasst.

 

Nicht alle Schlüssel gehören mir. Für zwei habe ich eine Kaution hinterlegt, einer ist direkt mit meiner Anstellung verknüpft. Sie vermitteln das Vertrauen, das in mich gesetzt wird, indem ich öffentliche Räume eigenständig betreten darf und mir Schubladen, Schränke sowie Briefkästen zugänglich sind.

 

Zum Vertrauen gehört auch die Verantwortung, die ich mit der Übernahme eingegangen bin. Ich habe mich darauf eingelassen, neben dem Schlüssel alles, was er mir eröffnet und ermöglicht, wertschätzend zu behandeln, achtsam damit umzugehen und meine Arbeit zum Gemeinwohl einzusetzen. Nichts davon ist meines, aber es liegt in meiner Obhut.

 

Zwei dieser Schlüssel sind mir Gradmesser. Wenn ich längere Zeit Erste und Letzte im Büro bin, am Ende auch noch am Wochenende kurz einfalle, dann kommt es so weit, dass ich eine Sekunde brauche, um zu verstehen, warum die Wohnungstüre nicht mitspielt. Meine Gedanken sind dann bei der Arbeit und die Finger um den dazu passenden Schlüssel gelegt. Ein Moment, der mir zu denken gibt.

Umgekehrt lache ich nach einem längeren Urlaub, wenn der private Schlüssel im Büro einfach nicht passen will.

 

Ohne zu fragen habe ich den Schlüssel meiner Jugend behalten, als ich ausgezogen bin. Zu einem gewissen Grad ermöglicht er mir den Weg zurück, auch wenn es das Zimmer in alter Form nicht mehr gibt. Gleich zwei Türöffner für heimelige Orte zu haben, ist Reichtum.

 

Apropos. Nur vorübergehend hängen vier Schatzkistenschlüsselchen an meinem Bund. Kleine Sonderaufgaben, die uns manchmal begleiten.

 

Der größte in diesem Verbunde ist der Autoschlüssel. Er ist ein wenig geselliger Freund. Ein Solokünstler. Dafür ist er für die Weite meines Kreiseziehens von wesentlicher Bedeutung. Neunzig Pferdchen befehlige ich damit und weiß genau, selbstverständlich ist ein klassisches von A nach B nicht.

 

Einziger Freund des Autoschlüssels – weil ohne geht es nicht – ein Ding, das man zum Auftanken zwischendurch braucht. Ein Stopp so mitten in der Fahrt und eine Nase möglichst frischer Luft.

Der Chip verkörpert zudem Braingym, denn der Code spielt mit denselben Ziffern wie eine andere vorgegebene Zahlenfolge, die ich mir zu merken habe.

 

Als Gegenstück zum großen Kreisezieher besticht der Schlüssel fürs Daheim durch die Maße. Heimkommen, ruhen, zu sich kommen, Gewohnheiten, Wärme, unnötige Schichten ablegen, nur einen weiteren davon kennen.

Dieser Schlüssel braucht keine Worte, er öffnet die Türe für alles, was dahinter liegt.

 

Und zuletzt der kleine Bruder dazu, der die Verbindung zur weiten Welt über postalische Sendungen ermöglicht. Und es ist erprobt: Wer aussendet, erhält auch feinste Grüße zurück.

 

Was Lebensphilosophie heißen will, kann auch vor einem Schlüsselbund nicht halt machen.

Ja, doch. Ich bleibe dabei.

Schlüssel

 

37 Kommentare

Eingeordnet unter ein bisschen Philosophie, just Life

Knitterfalten

Wenn es mit dem Leben doch genau so leicht ginge, überlegte Tara und beobachtete mit neuen Augen, wie das dampfende Bügeleisen über das zerknitterte Hemd glitt und es glättete, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Das Leben einfach so mit einer kurzen Bewegung von ungewollten Falten befreien. Allerdings war dafür große Hitze und Wasserdampf notwendig, das störte die idyllische Fantasie nachhaltig und nach einer kurzen Pause im Schrank begann das Spiel mit getragen und gewaschen werden von vorne. Das Leben als ein Kreislauf von glätten und zerknittern.

Sie war alleine zu Hause, denn Benjamin war von der Nachbarin abgeholt worden. Es war normal, nicht außergewöhnlich, dass sie von Zeit zu Zeit einander die Kinder entführten und so hatte sie sich nicht getraut etwas dagegen zu sagen. Weil niemand von ihrem baldigen Ende wissen sollte, musste sie Worte wie: „Lass mir den Kleinen hier, ich will so viele Minuten und Sekunden wie möglich mit ihm verbringen“ oder „In ein paar Monaten ist Henni dann froh, wenn du ihn unterstützt“, für sich behalten. Es war ein Abschied mit Wehmut in ihrem Herzen gewesen, als sie den kleinen Burschen warm eingepackt an der Haustüre hatte ziehen lassen.

Aber so war es nun mal und sie tat gut daran, sich darin zu üben.

Sie hatte sich der Hausarbeit zugewendet und fand es eine Offenbarung, dass mit dem baldigen Tod vor Augen eine solche Tätigkeit in neues Licht gerückt werden konnte. Eher war sie davon ausgegangen, dass sie bald keinen Finger mehr rühren würde, weil es wie Zeitverschwendung schien. Stattdessen fühlte sie sich inspiriert und leicht, während sie der Philosophie des Bügeleisens folgte.

Das Knallen der Türe riss sie aus der Meditation des Augenblicks. Mit großen Schritten stürmte Henni ins Wohnzimmer und blieb abrupt stehen, als er sie wahrnahm. Hastig sah er sich um, strich sich mit fahrigen Bewegungen durch die Haare.

Es wirkte, als hätte er eine Katastrophe erwartet und wusste nun nicht, wohin mit seinem Adrenalin.

Einmal drehte er sich um die eigene Achse.

„Wo ist Benjamin?“, fragte er dann, doch es war nur eine Ausflucht, das war eindeutig.

Benjamin. Der Jüngste. Bis er zur Welt gekommen war, hatten sie keinen Namen für ihn gefunden. Jonas übernahm dann die Entscheidung. Henni hob ihn auf das Bett, damit er sich seinen neuen Bruder ansehen konnte.

„Welchen Namen sollen wir ihm geben?“, fragte der Vater wichtig.

„Benjamin Blümchen“, verkündete Jonas und küsste das Baby auf die Stirn.

Als der damals fast Dreijährige von der Schwangerschaft erfahren hatte, dass da also etwas in Mamas Bauch wuchs, hatte er gekichert: „Vielleicht ist es ja ein Elefant!“ – Er war ein großer Fan von der Zeichentrickfigur Benjamin Blümchen gewesen.

Bis zuletzt blieb das ein Scherz innerhalb der Familie, doch für Jonas war es mehr und somit hatte der Jüngste dann auch seinen Namen erhalten.

Tara erklärte, wo sich das Nesthäkchen aufhielt und beobachtete, wie sich Henni langsam von seinem Schreck erholte. Er zog die Schuhe auf dem Teppich aus und setzte sich auf die Lehne der Couch. Die Füße vergrub er unter den Kissen.

„Du warst heute nicht beim Arzt“, sagte er ohne Überleitung.

Das hatte sie komplett vergessen. Wollen.

Tara zuckte mit den Schultern. „Unwichtig, oder?“

Hier beim Bügeln, da konnte sie Einblicke ins Leben gewinnen, nicht in einem sterilen Wartezimmer. Sie konnte getrost auf einen regelmäßigen Countdown verzichten und Medikamente hatte sie genug.

„Wir haben versucht dich zu erreichen, aber dein Handy ist tot“, murmelte Henni, wobei er sie mit eindringlichen Augen ansah.

Um sich ein wenig abzulenken, schnappte sich Tara ein T-Shirt und breitete es auf dem Bügelbrett aus.

„Ich habe mein Telefon weggeworfen“, gab sie dann zu.

Langsam ergab es einen Sinn, warum er wie von der Tarantel gestochen mitten an einem Arbeitstag hier auftauchte. Er hatte sich Sorgen um sie gemacht.

„Es lenkt mich vom Leben ab“, erklärte sie zusätzlich, ohne in anzusehen.

Sein lautstarkes Seufzen ließ sie aufsehen.

„Du machst es mir nicht gerade leicht, Tara.“

Das kleine Bisschen schlechtes Gewissen wurde zu einer Eruption aus Zorn.

„Na, entschuldige vielmals! Mir wird das alles auch nicht gerade leicht gemacht!“, schimpfte sie und das Bügeleisen zischte bestätigend.

„Es tut mir leid“, nahm sich Henni sofort zurück.

„Untersteh dich!“, schimpfte Tara unterdessen. „Du wirst mir nicht mit Wohlfühl-Geschwätz kommen, nur weil du weißt, dass ich nicht mehr lange hier sein kann. Ich will, dass du ehrlich mit mir bist!“

Er überlegte.

Das gefiel ihr, denn es bedeutete, ernst genommen zu werden. Der Zorn legte sich ein wenig, immer noch in Alarmbereitschaft.

„Ich mache mir Sorgen um dich, wenn ich weiß, dass es keine Möglichkeit für einen Anruf gibt. Was, wenn etwas mit den Jungs ist? Oder mit dir? Es war egoistisch, das Telefon einfach wegzuwerfen. Denkst du auch mal eine Sekunde an mich?“

Nein, das hatte sie in jenem Moment nicht getan. Sie zog eine Schnute, hin und hergerissen davon, ihren Egoismus mit der tödlichen Diagnose zu verteidigen und der Einsicht, dass er gerade in Bezug auf die Kinder Recht hatte.

„Schaff dir zumindest ein Wertkartenhandy an, damit wir zwei die Möglichkeit haben…“

„Du glaubst, ein Vertrag rentiert sich nicht mehr für mich?“, unterbrach sie ihn barsch.

„Herrgott“, stöhnte er, „dann ein neuer Vertrag. Mir egal. Aber ich will, dass du erreichbar bist.“

Henni hatte blaue Augen. Im Grunde hatte sich Tara immer vorgestellt, einen Mann mit dunkelbrauner Iris zu heiraten, aber es gab nichts, das es aufwiegen konnte, wenn man mit dem besten Freund eine Familie gründete. Wenn sie es wollte, dann stritt er sich sogar mit ihr.

Ein Lächeln huschte völlig autonom über ihr Gesicht und seine blauen Augen fingen es sofort auf. Auch er entspannte sich.

„Hast du morgen Abend schon etwas vor?“

Nein, das hatte sie nicht.

„Warum? Was hast du für Pläne?“

„Meine Liste abarbeiten“, erklärte er ernst.

„Was für eine Liste?“

„Ich habe mir notiert, was ich noch alles mit dir erleben möchte und morgen gehört dazu.“

 

2 Kommentare

Eingeordnet unter a G'schichtle

Tee & Philosophie

Bis Ostern habe ich meinen Kaffeekonsum eingeschläfert, dafür bekommt Tee eine neue Bedeutung. Eine besonders ansprechende Variante möchte ich euch nun vorstellen.

Nein, kein Teerezept, kein exotisches Kraut, vielmehr die besonders herzliche Zugabe, die bei diesem Geschenk mit dabei war. Für das Zubereiten des Tees gibt es nämlich zusätzliche Anregungen.

So heißt es zum Beispiel bei der Sorte Happiness:

1) Bring den Teekessel zum Kochen.

2) Wärme deine Lieblingsteekanne auf.

3) Gib einen Teelöffel Tee pro Person hinein.

4) Gieße das kochende Wasser darüber und lasse den Tee für zehn Minuten ziehen, während du eines oder mehrere der folgenden Dinge machst: Leg dich lang und breit auf dein Sofa. Umarme jemanden. Tanze wie damals, als du fünf Jahre alt warst. Raste. Ziehe deine Schuhe aus und wackle mit den Zehen. Singe wie Pavarotti. Shake wie Elvis. Schenk dir selbst ein schönes großes Stück Schokoladekuchen. Ruf einen Freund an. Höre. Erinnere dich an das letzte Mal, als du laut gelacht hast. Kitzle jemanden. Setzt dich an einen Ort, wo du die Sonne in deinem Gesicht spüren kannst. Lächle. Sei ruhig. Sei präsent. Sei einfach.

5) Umrühren und einschenken.

6) Trinken

Fazit: Der Tee ist lecker und inspirierend.

 

Tee

Die Idee stammt von Tea&Philosophy

 

 

Ein Kommentar

Eingeordnet unter ein bisschen Philosophie