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Flügge Gedanken

Wen interessiert, ob sie küssen kann?
Sie kann durch die Wolken sehen.

Tja, Davis, da staunst du! Dass dem, der so gerne zitiert, nun die Worte entliehen werden.

Ein wenig gibt mir zu denken, dass Teenager bzw. junge Erwachsene so viel tiefgründiger sind, als ich. Liegt es an dem Alltagstrott der Erwachsenen? Dass sie so viele Muss‘ und Solls in ihren Tag packen, dass sie mit einer halbfertigen To-Do-Liste ins Bett fallen und sich dadurch… was? wichtig fühlen? Wobei es auch ältere Ausnahmen gibt. John Green zum Beispiel.

Ich vergesse zu fragen oder gelegentlich auch auf die Antwort zu hören, darum gibt es für mein inneres Tempo einen einfachen Test. Ich lese Poesie und ob sie bei mir ankommt oder mir wie Weißes Rauschen erscheint, sagt mir einiges. Domig und Rilke werden bevorzugt.

Derzeitiges Motto: Nur lesen, was mir daran Spaß vermittelt, ich selbst zu sein.

 

John Green: Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken.

 

 

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Null Poesie

Ich dekantiere Wein nicht, ich schenke ein.
In der Küche zaubere ich nicht, sondern koche – schnell und effizient.
Anstatt mich zu kleiden, ziehe ich etwas über.
Ich bin nicht charmant, dafür nicht ganz ernst zu nehmen.
Die Bücher sind nicht geordnet, sondern weggestellt.
Lebensmittel in den Schränken befinden sich meist in der angebrochenen Verpackung.
Meine Finger fliegen nicht über die Tastatur – ich tippe.
Die Wohnung wird nicht aufgehübscht, sondern geputzt (in kleinen Einheiten).
Vor dem Genuss steht das Essen.
Ich verliere mich selten in etwas, Kunst verstehe ich kaum.
Was ich an Gedichten kenne, stammt noch aus der Schule.
Ich trage nicht vor, spreche stattdessen.

Manchmal blicke ich mich derart (und diese Aufzählung ist nur sporadisch und rasch erstellt worden; ist demnach unvollständig) in meinem Leben um und entdecke null Poesie in meinem Dasein.
Es ist nur… Ich glaube mir das selbst nicht.
Darum werde ich meinen Blick bewusst ändern und mich auf die Suche nach den kleinen Mehrs machen, die da versteckt sind.
Mal sehen, was auftaucht.
Das Leben ist ein Paradox!

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Poesie – meine Sehnsucht

Als Kind war mein Berufswunsch ziemlich klar. Nebst ein paar anderen Ideen wollte ich einfach nur Lehrerin werden. Puppen, Geschwister und einige Nachbarskinder waren brave Übungsschüler:innen.

Plötzlich änderte sich alles. Ich bilde mir ein, sechzehn Jahre gezählt zu haben und in der Schulklasse im Gymnasium gesessen zu haben. War es die Geografiestunde, in der wir diese eine Floskel der Lehrerin zählten, um uns die Zeit zu vertreiben und daneben möglichst Krawall veranstalteten, damit der Sager eben noch öfters kam (es waren hunderte Male! wie soll man da noch beim Inhalt bleiben?)?
Jedenfalls könnte es damals gewesen sein, als ich von einer Sekunde auf die andere entschied: Nein, nicht Lehrerin. Weil, wie geht man mit einer solchen Meute, zu der wir hin und wieder mutierten, um? Ich selbst relativ brav, angepasst und manchmal sogar voller Mitgefühl für die Lehrperson, ich traute mir das keinesfalls zu.

Also doch nicht Lehrerin. Dabei blieb es.

In den letzten Jahren habe ich dennoch eine ganz besondere Schule ein bisschen kennenlernen dürfen. Den Jagdberg.

Den kannte ich selbst schon aus der Kindheit, noch bevor ich lesen und schreiben konnte. Denn wer nicht gehorchte, dem wurde damit gedroht, an den Jagdberg zu kommen. Was auch immer das war, es konnte nur ein schrecklicher Ort und jedenfalls fern der Familie sein.

Als ich das erste Mal, ganz ohne Angst ich könnte dort bleiben müssen, weil ich nämlich bereits erwachsen war, an diesen berühmt berüchtigten Ort kam, war ich ganz überrascht. Von der Wärme und der Schönheit, die an so vielen Ecken zu finden war. Groß am Schuleingang das Motto: You’ll never walk alone.
Ich war begeistert beim Gedanken daran, welche Kinder das hier als Versprechen täglich vermittelt bekamen. Natürlich hoffte ich, dass es nicht nur leere Worte waren.
Dazu sollte ich nun wohl sagen, was es mit dem Jagdberg tatsächlich auf sich hat. Die korrekte Bezeichnung lautet Sozialpädagogische Schule und es gibt ein  Internat dazu – beides befindet sich eben in der Jagdbergstraße. Betreut werden sozial und emotional benachteiligte Kinder und Jugendliche.

Die Stunden, die ich seither dort verbrachte, haben mich immer weiter in dem Eindruck bestätigt, dass der Jagdberg ein guter Ort ist. Ein guter Ort, um das Menschsein zu spüren, um lernen zu dürfen, um Begleitung zu erfahren, um wenn möglich zu heilen. Nicht nur einmal habe ich den häufigen Gedanken ausgesprochen: Würde ich Lehrerin sein, ich wollte am liebsten dort unterrichten.

Natürlich kalkuliere ich meine Naivität und Blauäugigkeit, welche durch einzelne Besuche womöglich noch vergrößert wird, mit ein. Ich kenn mich doch. Und ich habe genug Phantasie, um mir auszumalen, was da oben noch so alles passieren kann.

Die Lehrerin Marion Amann vervollständigte gerade auf realistische Weise mein Bild. Sie hat ein Buch geschrieben, das auf ihren Erfahrungen an dieser Schule basiert. Ehrlich, offen und überaus wertschätzend beschreibt sie vor allem, was die Begegnungen und der Austausch mit den Kindern und dem Team der Schule mit ihr und in ihr machen und wie das ihr ganzes Leben beeinflusst. Theorie, die wie keine erscheint, verwebt sich mit Gelebtem und ist schlicht poetisch. Seit ich zu lesen begann, will ich ihr das ganz dringend sagen: Marion, dein Buch ist Poesie! (Und ich werde es ihr sagen! Bald schon!)

Nicht nur würde ich dort oben an dem Berg unterrichten wollen, ich möchte auch so ganz Mensch sein, wie sie das beschreibt. Und meine Brust wird ganz groß und mir fehlen die Worte dafür auszudrücken, wie wohltuend ich diese Poesie finde. Marion weckt das Gefühl in mir, dass das Feine, das Liebliche, das Große in mir (und allen) wohnen. Eine Poesie jenseits von etwas, das man studieren oder lernen kann. Nichts zum Bloggen oder Veröffentlichen. Eine Poesie, die einfach nur das Leben selbst ist.

Ich trage nunmehr in mir den Klang des Neubeginns, das Glück der fünf Minuten, das Groß Denken.

Menschen, die von Menschen lesen wollen, empfehle ich: Das springende Pferd. Eine Geschichte über Pädagogik und die Liebe von Marion Amann

 

Ach ja! Zwei von denen, die mit mir in der Krawallklasse saßen, arbeiteten (einer noch immer) ebendort im Internat. Das ist eine Erwähnung wert, meine ich.

 

 

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Gerade deswegen!

Ein schneller Tag.

Ein Viel-Tag.

Ein Listen-Tag, damit nichts verloren geht.

To-Do-Liste in Externe Festplatte umbenannt.

Und das noch, und dann noch, nicht zu vergessen…

 

Gedichte lesen ist an solchen Tagen schwierig.

Sie sind nicht schnell, sie sind nicht „viel“, Buchstabenwissen alleine reicht nicht.

Fast unmöglich. Eines, zwei, drei – habe ich etwas gelesen?

Nichts angekommen.

Dennoch! Trotzdem!

Gedichte tun gut und wenn sie wieder ankommen, bin auch ich angekommen.

Ein Hauch von Verzweiflung lässt mich blättern. Noch ein Versuch.

Durchatmen. Es braucht Zeit. Ich brauche Zeit.

Einatmen.

Ausatmen.

Ankommen.

 

Gedicht

 

BITTE

Wir werden eingetaucht

und mit dem Wasser der Sintflut gewaschen

wir werden durchnäßt

bis auf die Herzhaut.

 

Der Wunsch nach der Landschaft

diesseits der Tränengrenze

taugt nicht

der Wunsch den Blütenfrühling zu halten

der Wunsch verschont zu bleiben

taugt nicht.

 

Es taugt die Bitte

daß bei Sonnenaufgang die Taube

den Zweig vom Ölbaum bringe

Daß die Frucht so bunt wie die Blüte sei

daß noch die Blätter der Rose am Boden

eine leuchtende Krone bilden.

 

Und daß wir aus der Flut

daß wir aus der Löwengrube und dem feurigen Ofen

immer versehrter und immer heiler

stets von neuem

zu uns selbst

entlassen werden.

(Hilde Domig)

 

 

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Karfreitags-Poesie

O Herr, gieb jedem seinen eignen Tod.

Das Sterben, das aus jenem Leben geht,

darin er Liebe hatte, Sinn und Not.

(R.M. Rilke)

Kapelle

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Wie wenig nütze ich bin

(von Hilde Domig)

Wie wenig nütze ich bin,

ich hebe den Finger und hinterlasse

nicht den kleinsten Strich

in der Luft.

Die Zeit verwischt mein Gesicht,

sie hat schon begonnen.

Hinter meinen Schritten im Staub

wäscht Regen die Straße blank

wie eine Hausfrau.

Ich war hier.

Ich gehe vorüber

ohne Spur.

Die Ulmen am Weg

winken mir zu wie ich komme,

grün blau goldener Gruß,

und vergessen mich,

eh ich vorbei bin.

Ich gehe vorüber –

aber ich lasse vielleicht

den kleinen Ton meiner Stimme,

mein Lachen und meine Tränen

und auch den Gruß der Bäume im Abend

auf einem Stückchen Papier.

Und im Vorbeigehn,

ganz absichtslos,

zünde ich die ein oder andere

Laterne an

in den Herzen am Wegrand.

Pssst… Marga, schweigen. All das viele, das in Bezug dazu aufleuchtet, ist schon darin enthalten.

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Charme hoch 2

Berührende Poesie auf Schreibmaschine getippt – das will ich weitergeben.

Vom Kleinen und Großen, vom Weiten und Engen schreibt sie und wie das Beiseiteschieben eines schweren Vorhanges den Blick komplett verändern kann.

Gefunden „ein fremdwörterbuch“ von Kübra Gümüsay

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