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Lasciate ogni speranza!

(Lasst alle Hoffnung fahren! – Zitat aus Dante Alighieris Die göttliche Komödie)

 

Janice Jakait – die Frau, die über den Atlantik gerudert ist – hat mich zu diesem Thema gebracht. Sie macht den Vorschlag, nicht in der Hoffnung zu leben. Ja, ich weiß. Anfangs fragte ich mich auch, was daran falsch sein soll.

Stattdessen wähle man das Vertrauen. Es befriedet die Zukunft.

Je mehr ich es in meine Tage einfließen lasse, umso mehr staune ich über diese Wahrheit, die so einfach ist.

Übrigens: Vergebung befriedet die Vergangenheit. Frieden ist möglich!

 

 

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Heimlich, still und leise

Jubelklänge und Feierstimmung erfüllen den Raum bis in den letzten Winkel. Alles und alles ist vergessen, man spricht und trinkt hemmungslos gerne miteinander.

Während das nächste Lied mit Jubelschreien und hoch erhobenen Armen in Empfang genommen wird, treten zwei gänzlich unbemerkt den Rücktritt an. Das Gesicht dem Saal zugewandt, nähern sie sich langsam und in unausgesprochener Übereinkunft der Tür. Wollen nicht auffallen, niemanden vom Feiern abhalten. So schön die Stimmung, wäre ja schade darum.

Dewegen ist es auch ein einsamer Abschied. Niemand, der sie bittet zu bleiben. Niemand, der mitkommen möchte.

Als die Tür sie von den anderen trennt und die Musik zwar immer noch laut doch nun gedämpft zu ihnen schallt, atmen sie auf. Der wichtigste Teil ist abgeschlossen, nun können sie sich freier bewegen. Eile verspüren sie dennoch nicht. Das Feiern war schön, sie würden noch oft und gerne daran zurückdenken. Deshalb ist die Geräuschkulisse, zu der sie vor wenigen Augenblicken selbst noch gehörten, ein willkommener Begleiter in die immer größer werdende Stille hinein.

Er nimmt ihre Hand. Gemächlich begeben sie sich zum Stiegenhaus. Die Musikklänge, nun schon deutlich entfernt und wie in Watte gepackt, umweben sie. Manchmal öffnet sich die Saaltüre. Dann wird es kurz laut und Gelächter sowie Gesprächsfetzen werden unsichtbar bis zu ihnen empor getragen.

Mit jedem Schritt lässt die Überlegung, ob es nicht besser gewesen wäre zu bleiben, nach. Längst, also mindestens zwei Stockwerke lang schon, gehören sie nicht mehr dazu. Die gewonnene Distanz würde jedes Zurückkommen eigenartig und verkehrt erscheinen lassen.

Ein letztes Mal sehen sie sich in die Augen, dankbar, einander zu haben. Hand in Hand durchschreiten sie die Türe vom Stiegenhaus zu ihrem Stockwerk. Automatisch schwenkt die Tür hinter ihnen zurück.

 

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Eigentlich

Verwendet jemand das Wort „eigentlich“, streiche ich das zumindest für mich aus dem Satz heraus und höre noch einmal hin.

Eigentlich will ich nicht zurückblicken.

Ich will nicht zurückblicken.

Warum nicht?

 

Es drängt nach vorne und nach Zurücklassen. Deswegen.

 

Wie ein Abschiedshauch fliegen vage Erinnerungen vorbei. Ich winke ihnen.

Als das Jahr praktisch bewegungslos begann. Unter wohlwollenden Händen wurde ich gebogen und getestet. Alles kein Problem. Gell, ich hab in Grunde einen ganz tollen Rücken, scherzte ich und bekam als Geschenk die Worte, die mich bis heute begleiten: Weißt du, wenn es nicht physisch ist, dann ist es psychisch.

Bjäch! rief ich dem des Öfteren entgegen – auch eine Vokabel aus diesem Jahr.

Ich winke dem Wochenende, das mich in die Knie gezwungen hat und mich dadurch lehrte, dass ich wieder aufstehen kann.

Es ziehen vorbei geflüsterte Willkommensgrüße und geseufzte Worte des endgültigen Abschieds.

Hochzeiten, Taufen, Geburtstage und Feiern, bei denen der Bundespräsident nun wahrlich der uninteressante Teil war.

Geld, das viel Freude beim Hergeben gab.

Ein Konzert, das meinen Eins-pro-Lebensjahrzehnt-Schnitt gesprengt hat und mehr als Musik darstellte.

Mut, zum Bleiben und Ansprechen; zum Helfen, ohne sich dessen bewusst zu sein.

Kinderaugen, die wieder zu strahlen beginnen, huschen vorüber und sind Wärmendes, das ich weitertrage.

Da klingen Fanfaren, die in Morgenstunden mit Blumentopf-Verstärker das Ein und Alles waren.

Ein Farewell dem Zusammensitzen, Zeitvergessen, Lachen, Tanzen und Singen.

Adieu ihr Schmerzen, Zweifel und Ängste.

Ein letztes Hoch auf die vielen Glücksmomente.

Danke für all die Antworten, die immer kommen und im selben Atemzug für die Fragen, die nie versiegen.

Kusshände für jedes Zeichen der Zuwendung und des Gesehenwerdens, wenn ich grad gar nicht daran glauben konnte.

Ein Macht‘s-Gut an alle Stolpersteine, die mich unsichtbar werden ließen, sobald ich Gefahr lief, mich im Schein zu verlieren.

Ich habe an Feuern gestanden, bin im Regen gelaufen, auf der Erde gelegen und habe die Arme im Wind ausgebreitet.

Alles und jedes auf vielfältigtste Weise mit Menschen verbunden. Und wer denkt, das könnte auch ich sein, hat recht!

Eigentlich habe ich nichts getan, außer gelebt.

Ich habe gelebt.

 

Als Hauch zieht dies vorüber, dann wende ich mich um.

Lasse es ruhig still mit Schnee zudecken und bin dankbar für die Stille, die dadurch einkehrt.

Schnee

Das ist alles vorbei.

Es drängt nach vorne und nach Zurücklassen.

Den Blick gen Osten.

Aufbruch.

Hin zum Licht, wo noch Platz für mich ist.

 

 

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Dem Licht entgegen

„Der da hat dunkelbraune Blätter, der hellbraune und der ist ganz grün.“

Mit diesen Worten begann ein Nachmittagsgespräch; über den Grund, warum wir Tannenbäume in unsere Stuben holen.

Ein besserer Tag, um über Hoffnung und Vertrauen zu sprechen, kann es wohl kaum geben. Heute ist Sonnwende. Lichterspiralen, Lichterfeste, Zeremonien und Rituale. In der Dunkelheit strahlen die Sterne am hellsten und wir vertrauen darauf, dass das Licht in uns und um uns immer mehr wird.

 

licht

 

 

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Der Versuch eines Beweises

Was Lebensphilosophie heißen will, kann auch vor einem Schlüsselbund nicht Halt machen. Das war meine Theorie.

So erzähle ich hier von meinen treuen Begleitern, die ihre vollkommene Bedeutung nicht auf Anhieb offenlegen.

 

Mein Schlüsselbund ermöglicht es mir, Türen zu öffnen. Ein Alltagsgegenstand, nicht gerade schön zu nennen, zwischendurch komplett vergessen, entfaltet seine ganze Macht, wenn das Niederdrücken einer Klinke nicht genügt. Wenn die Schulter schon fast gegen die Türe knallt, dann rettet einer dieser kleinen Freunde die Situation und ich darf eintreten. Die meisten meiner Schlüssel sind unverwechselbar, ich weiß, wann ich welchen wo einsetze.

Eine Ausnahme. Es gibt Zwillinge, die einen kurzen Kontrollblick verlangen.

Türen öffnen sich, wenn alles zusammenpasst.

 

Nicht alle Schlüssel gehören mir. Für zwei habe ich eine Kaution hinterlegt, einer ist direkt mit meiner Anstellung verknüpft. Sie vermitteln das Vertrauen, das in mich gesetzt wird, indem ich öffentliche Räume eigenständig betreten darf und mir Schubladen, Schränke sowie Briefkästen zugänglich sind.

 

Zum Vertrauen gehört auch die Verantwortung, die ich mit der Übernahme eingegangen bin. Ich habe mich darauf eingelassen, neben dem Schlüssel alles, was er mir eröffnet und ermöglicht, wertschätzend zu behandeln, achtsam damit umzugehen und meine Arbeit zum Gemeinwohl einzusetzen. Nichts davon ist meines, aber es liegt in meiner Obhut.

 

Zwei dieser Schlüssel sind mir Gradmesser. Wenn ich längere Zeit Erste und Letzte im Büro bin, am Ende auch noch am Wochenende kurz einfalle, dann kommt es so weit, dass ich eine Sekunde brauche, um zu verstehen, warum die Wohnungstüre nicht mitspielt. Meine Gedanken sind dann bei der Arbeit und die Finger um den dazu passenden Schlüssel gelegt. Ein Moment, der mir zu denken gibt.

Umgekehrt lache ich nach einem längeren Urlaub, wenn der private Schlüssel im Büro einfach nicht passen will.

 

Ohne zu fragen habe ich den Schlüssel meiner Jugend behalten, als ich ausgezogen bin. Zu einem gewissen Grad ermöglicht er mir den Weg zurück, auch wenn es das Zimmer in alter Form nicht mehr gibt. Gleich zwei Türöffner für heimelige Orte zu haben, ist Reichtum.

 

Apropos. Nur vorübergehend hängen vier Schatzkistenschlüsselchen an meinem Bund. Kleine Sonderaufgaben, die uns manchmal begleiten.

 

Der größte in diesem Verbunde ist der Autoschlüssel. Er ist ein wenig geselliger Freund. Ein Solokünstler. Dafür ist er für die Weite meines Kreiseziehens von wesentlicher Bedeutung. Neunzig Pferdchen befehlige ich damit und weiß genau, selbstverständlich ist ein klassisches von A nach B nicht.

 

Einziger Freund des Autoschlüssels – weil ohne geht es nicht – ein Ding, das man zum Auftanken zwischendurch braucht. Ein Stopp so mitten in der Fahrt und eine Nase möglichst frischer Luft.

Der Chip verkörpert zudem Braingym, denn der Code spielt mit denselben Ziffern wie eine andere vorgegebene Zahlenfolge, die ich mir zu merken habe.

 

Als Gegenstück zum großen Kreisezieher besticht der Schlüssel fürs Daheim durch die Maße. Heimkommen, ruhen, zu sich kommen, Gewohnheiten, Wärme, unnötige Schichten ablegen, nur einen weiteren davon kennen.

Dieser Schlüssel braucht keine Worte, er öffnet die Türe für alles, was dahinter liegt.

 

Und zuletzt der kleine Bruder dazu, der die Verbindung zur weiten Welt über postalische Sendungen ermöglicht. Und es ist erprobt: Wer aussendet, erhält auch feinste Grüße zurück.

 

Was Lebensphilosophie heißen will, kann auch vor einem Schlüsselbund nicht halt machen.

Ja, doch. Ich bleibe dabei.

Schlüssel

 

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Held:in sein

Die beiden Buben sind offenbar Zwillinge, in etwa sechs Jahre alt und wie es aussieht das erste Mal am Meer. Etwas zappelig hüpfen sie auf und ab, Gestik und Mimik sind groß.

Hinter ihnen nimmt der Vater Anlauf und hechtet wagemutig ins knietiefe Wasser. Jubelschreie begleiten sein Tun.

Er ist ein Held.


Die Held:innenstellung beginnt damit, dass ich mich in eine lockere Grätsche stelle.

Ich schaue nach links, dort ist nun vorne.

Den linken Fuß drehe ich so, dass die Zehen nach vorne zeigen, den anderen Fuß richte ich ebenfalls schräg (45 Grad) nach vorne aus.

Locker hebe ich die Arme auf Schulterhöhe, sie fließen in einer Linie von vorne nach hinten.

Mit dem Ausatmen winkle ich das linke Bein ab. Mein Stand kann so weit sein, dass das Knie direkt über dem Fußgelenk thront und ich mit der Hüfte nach unten sinke.

 

In der Held:innenposition achte ich darauf, dass mein Oberkörper gerade bleibt und die Schultern entspannt sind.

Die Beine spielen ihre ganze Kraft aus – wird es zu anstrengend, mache ich die Asana nicht ganz so tief, justiere kurz nach und bleibe dann. Gedanklich zieht die hintere Ferse in den Boden hinein, mein Stand ist fest.

Auf diesem Fundament ruht ein erhaben aufgerichteter Oberkörper und indem mein Blick den Fingern der vorderen Hand folgt, habe ich einen klaren Fokus.

Lächeln.

 

Held:in sein in meinem Alltag. Gute, kraftvolle Verbindung zur Erde, die Brust ist offen, mein Atem frei und mein Fokus klar.

 

Nach einigen Atemzügen auflösen, indem das gebeugte Knie gestreckt wird. In der Grätsche ankommen und auf der anderen Seite noch einmal Held:in sein.

 

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Neben den Schuhen

SchuheIch stehe neben meinen Schuhen,

verstehe die Welt nicht mehr.

Unbegreiflich die zugeteerten Wege.

Woher, wohin das Tempo?

Wofür sperren wir Teile in uns ein?

Unterwerfung unter das Modediktat bis zum kleinen Zeh.

Schuhe müssen als Zeichen von Respekt getragen werden.

Meine Füße eine Beleidigung?

Wer kann mir das erklären?

 

Ich stehe neben meinen Schuhen,

verstehe nun,

dass ein Weg gleichzeitig feucht und trocken sein kann.

Bedächtig – mehr noch – achtsam geht es weiter.

Nicht mehr über Stock und Stein.

Jetzt ist es glitschig und rutschig, trocken und warm.

Kitzelt in dieser Sekunde, bohrt sich in der nächsten schmerzhaft tief hinein.

Weich wie auf Wolken, kalt wie ein Frühlingssee.

 

Ich stehe neben meinen Schuhen.

Was leicht und logisch aussah,

ist Schritt für Schritt ein Inferno an Empfindungen.

Wie immer scheint der Weg,

doch neu und unbekannt ist er nun.

 

Die Schuhe stehen, warten.

Ich könnte.

So gewohnt.

Alle rennen an mir vorbei.

Kein Inferno, keine Gefühlsexplosionen.

So schöne Schuhe.

 

Ich würde es nie vergessen.

Die Wolken und den See.

Nein.

Es geht nicht anders.

Ich stehe neben den Schuhen.

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Was, wenn?

Was, wenn das Empfinden von Hoffnung, Liebe, Frieden und Vertrauen das eigentliche Geschenk ist?

Das pure Vermögen, Hoffnung zu spüren, ohne deren Erfüllung.
Lieben und geliebt werden, ohne besitzen oder halten zu müssen.
Frieden leben und entdecken, selbst wenn nicht alles harmonisch ist.
In Vertrauen gehüllt sein, wenn die Sicht kein Ziel zeigt.

Was dann?

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Als ich mich selbst zu lieben begann

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich verstanden, dass ich immer und bei jeder Gelegenheit,
zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin
und dass alles, was geschieht, richtig ist –
von da an konnte ich ruhig sein.
Heute weiß ich: Das nennt man VERTRAUEN.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
konnte ich erkennen, dass emotionaler Schmerz und Leid
nur Warnungen für mich sind, gegen meine eigene Wahrheit zu leben.
Heute weiß ich: Das nennt man AUTHENTISCH SEIN.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, mich nach einem anderen Leben zu sehnen
und konnte sehen, dass alles um mich herum eine Aufforderung zum Wachsen war.
Heute weiß ich, das nennt man REIFE.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, mich meiner freien Zeit zu berauben,
und ich habe aufgehört, weiter grandiose Projekte für die Zukunft zu entwerfen.
Heute mache ich nur das, was mir Spaß und Freude macht,
was ich liebe und was mein Herz zum Lachen bringt,
auf meine eigene Art und Weise und in meinem Tempo.
Heute weiß ich, das nennt man EHRLICHKEIT.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich von allem befreit, was nicht gesund für mich war,
von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen
und von Allem, das mich immer wieder hinunterzog, weg von mir selbst.
Anfangs nannte ich das „Gesunden Egoismus“,
aber heute weiß ich, das ist SELBSTLIEBE.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, immer recht haben zu wollen,
so habe ich mich weniger geirrt.
Heute habe ich erkannt: das nennt man DEMUT.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich geweigert, weiter in der Vergangenheit zu leben
und mich um meine Zukunft zu sorgen.
Jetzt lebe ich nur noch in diesem Augenblick, wo ALLES stattfindet,
so lebe ich heute jeden Tag und nenne es BEWUSSTHEIT.

Als ich mich zu lieben begann,
da erkannte ich, dass mich mein Denken
armselig und krank machen kann.
Als ich jedoch meine Herzenskräfte anforderte,
bekam der Verstand einen wichtigen Partner.
Diese Verbindung nenne ich heute HERZENSWEISHEIT.

Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen,
Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen fürchten,
denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander
und es entstehen neue Welten.
Heute weiß ich: DAS IST DAS LEBEN !

Charlie Chaplin an seinem 70. Geburtstag am 16. April 1959

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