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Alles fließt

Kaum auf die Beine gekommen, schicke ich per Knopfdruck drei Liter den Abfluss hinunter. Es folgt das Warten auf warmes Wasser und das Drunterstellen. Als nächstes was zu trinken und mein Frühstück gäbe es auch nicht ohne.

Wasser.

Ich lese von den Turkana in Kenia, welche, wie viele, viele andere, unter einer Dürre leiden. Schon in der ersten halben Stunde meines Tages kann ich dem Thema nicht entfliehen. Es sind klitzekleine Bewegungen und das flüssige Gold sprudelt aus allen Leitungen. Marshall B. Rosenberg tönt in mir. Er sagt (in etwa), dass keiner jemals vollständig satt sein kann, solange es Hunger auf der Welt gibt.

Dieses Gefühl kenne ich. Wasser ist für mich in erster Linie Genuss, Notwendigkeit, Erfrischung, Reinigung. Oftmals noch selbstverständlich obendrein. Nur, ganz ohne Nachhall geht es nicht. Überschwemmungen oder Dürren, um in bekannten Extremen zu sprechen, schaffen es, wieder in Beziehung zum Wasser und zu Unbekannten zu treten. Wir sind eins. Dieses Bewusstsein ist auch nicht selbstverständlich. Schätzen wir die Momente, die uns das von Zeit zu Zeit ins Bewusstsein bringen.

 

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Eingeordnet unter ein bisschen Philosophie

Nymphen verstehe, wer will

An einem fließenden Gewässer scheint es für Trolle ganz anders zu sein als dort beim Wasserfall mit dem kleinen See.

Anfangs war stets ein gehöriges Durcheinander ausgebrochen, wenn Benk mit mir zu dem versteckten Kleinod gekommen war. Wie das Trollkind zu seiner Mutter zurückkehren soll, ist mir noch so schleierhaft wie in dem Moment als er zu meinem Begleiter wurde und so wandern wir ziellos doch gemeinsam durch die Welt. Keine Frage also, dass er mich auch zum Wasserfall begleitet. Ganz unschuldiges Kind, das er ist, wusste auch er nicht, warum die Wassernymphen dort so garstig reagierten. Ihre Gesichter wurden zu Fratzen und sie zischten und wüteten in seine Richtung. Nie zuvor hatte ich ihre derartig grausige Seite zu sehen bekommen. Gegen mich hatten sie weiterhin nichts. Weniger noch. Weil Benk dabei war, galt ihre ganze Aufmerksamkeit dem kleinen Troll, ich wurde ignoriert.

Weil ich den Platz schätze, ließ ich mich von diesem Gehabe nicht aufhalten und Benk folgt mir sowieso. Mit der Zeit schienen sich die Nymphen daran zu gewöhnen. Sie behalten ihn zwar weiterhin im Auge, daneben wird ihre alte Routine und ihr Lebensrhythmus nicht mehr großartig gestört.

Ganz anders an der Ache. Die Wesen, welche die Szenerie dort bevölkern, folgen ungehindert ihrem Tun und Wollen, während Benk im Wasser steht und den Blick ins Unterirdische schweifen lässt. Manchmal, wenn er besonders ansprechende Edelsteine entdeckt (das vermute ich, denn das mit Fragen und Antworten ist bei Trollen so eine Sache, die man mit dem Wort „unmöglich“ am besten beschreibt), steckt er schon mal den Kopf unter das Wasser und vergisst alles um sich herum. Ein Anblick, der mich zum Lächeln bringt und das Warten sehr einfach macht. Dann sitze ich mit dem Roten Ei in der Sonne und warte – weiß nicht worauf. Vielleicht, dass der Zauber der Moosmenschen endlich wirkt. Aber dazu gehören genau wie zum Roten Ei und meinen Begegnungen mit Gork noch einige andere Geschichten.

 

 

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Eingeordnet unter Natur-Phantasie

Plastiktüten

Ich fotografiere nicht sehr oft, weil ich erstens in den wunderbarsten Momenten nicht daran denke und zweitens von meinen Resultaten regelmäßig enttäuscht werde. Das mag gewiss auch an meinem Können liegen, zudem verstehe ich von Bildbearbeitungsprogrammen so viel wie vom Schaltplattenlöten.

Die sprühende Gischt ist hier zum Beispiel nicht zu spüren. Feinste Wassertropfen hießen mich schon meterweit vor dem Wasserfall willkommen. Das kann ich durch das Bild nicht vermitteln.

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Auch die Steine wurden glatter, meine Schritte überlegter und fester. So nah wie möglich wollte ich zu der Stelle, wo Wasser auf Wasser trifft. Es galt zu überlegen, ob der Stein da in der Mitte wohl wackelt und ob ich auch wieder zurückhüpfen konnte. Am Ende siegte das Nah-sein-Wollen. Was konnte schlimmstenfalls schon passieren?

Ich genoss das kühle Nass und die Dusche an Negativ-Ionen.

Mit dabei war meine schwarze Stofftasche. Die Farbe etwas abgeschossen und mit einigen Katzenhaaren versehen ist sie immer noch ein Taschenwunder und mein häufiger Begleiter. Ungeachtet ihrer objektiven Größe, die etwa A5 entspricht, haben darin A4-Magazine, Schlüssel, Fotoapparat, Taschentücher, Brillenetui, Lesesachen, Schreibhefte, Stifte, Stadtpläne, Schals, Knirpse oder zusammengerollte Jacken Platz. Nebst anderem Kleinzeug, versteht sich. Ein Faszinosum der besonderen Art.

Besonders wichtig bei einem Ausflug in niederschlagsreiche Zonen: Das Plastiksackerl, in welches ein Buch zum Lesen brav eingewickelt wird. Entgegen aller aktuellen Diskussionen bin ich hin und wieder doch froh ob diesem Zeitbegleiter.

Man weiß ja nie, wo einen die Wege hinführen.

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Eingeordnet unter just Life

Aufruhr im Wald

Gezischte Stimmen und beunruhigtes Flüstern vermischten sich mit dem Wind. Manchmal waren Wortfetzen zu verstehen.
„Sie will Freundschaft mit einem Troll schließen!“, hörte man ungläubige Gedanken in Worte gefasst.
„Unlustig ist der, das macht keinen Sinn“, meinten andere, „Keinen Spaß!“, wurde zusätzlich ergänzt.
Der Troll war ein garstiger Geselle, ein Einzelgänger. Von seiner Sorte der einzige weit und breit, deshalb gingen alle davon aus, dass es ganz recht war, ihn aus der Gemeinschaft auszuschließen. War es nicht Beweis genug, dass es keine Freunde gab, die aus derselben Sippe stammten?
Es stimmte also etwas nicht mit ihm. Immerzu kümmerte er sich nur um die Schätze, die er zu hüten bestimmt war und die einzige Art, wie man ihn dazu bringen konnte, die restlichen Waldbewohner zu beachten, war, ihm einen Teil seiner Reichtümer zu stibitzen. Natürlich war es nicht ernst gemeint, denn die Funkelsteine gehörten Mutter Erde und waren heilig, doch den Troll konnte man dadurch gehörig aus der Fassung bringen und das war das liebste Spiel der Windelfen.
Dann stob und tobte es im Wald, wer nicht flink war, blieb besser gut versteckt und beobachtete das Spektakel aus der Sicherheit. Der Troll ruhte erst wieder, wenn seine Schätze sicher und vollständig an seinem Platz lagen, bis dahin zertraten seine schweren Füße Pflanzen und genauso kleine Steine und mancher Ast wurde unter seinem Ansturm abgeschlagen.
Doch heute, heute spazierte ein Menschlein durch den Wald und rief mit seiner Seele nach dem Troll. Unvorstellbar, dass es gekommen war, um Freundschaft zu schließen. Niemand tat das.
Neugierig folgte das Volk dem Menschlein.
Anfangs schien es, als habe es sich verirrt, denn das Menschenwesen setzte sich zu den Wassernymphen. Hierher kam der Troll ganz sicher nicht. Es sei denn, man würde seine Schätze klauen und das war offensichtlich nicht passiert.
Bevor dir Ratlosigkeit vollends um sich gegriffen hatte, wanderte das Menschlein weiter.
„Das ist der falsche Platz. Hier will ich nicht hin“, hörte man es murmeln.
„Sie will tatsächlich zum Troll!“, bemerkte ein Baumwichtel skeptisch.
Es war kaum zu glauben. Was konnte dieser eigenbrötlerische Troll schon bieten, das sie alle gemeinsam nicht auf viel bessere, leichtere und lustigere Art geben konnten?
„Er wird doch wohl nicht kommen?“, mutmaßte eine Frühlingselfe.
„Bestimmt nicht!“, antworteten einige, „Sicher nicht“, bestätigten andere.
Unbeirrt wanderte das Menschlein weiter, allerdings in die absolut falsche Richtung, wenn sie den Troll aufspüren wollte. Seine Schätze verließ er niemals, da konnte es wollen, was es wollte.
Oder nicht?
„Oh, oh!“, riefen alsbald kleine Wichtelkinder, die vorausgerannt waren. „Seht doch! Oh, oh!“
Etwas war anders. Ein Platz wunderschön vorbereitet, das konnte man deutlich erkennen.
Das ganze Volk begann sich umzusehen, jedoch niemand erblickte den Toll.
Sicheren Schrittes ging das Menschlein an dem Menschenbänklein vorbei und auf den Baumstumpf zu, wo auf seine Ankunft gewartet wurde.
Allerdings schien es das nicht zu bemerken, denn es legte die ausgebreiteten Rindenstücke zur Seite.
Niemand kommentierte diese Tat, so fremd wirkte sie. Wenn es die Einladung nicht erkannte, warum hatte es dann den Platz gefunden? Wie würde die Begegnung ablaufen? Der Troll war nicht hier, das Menschlein dumm.
Umständlich richtete es sich auf dem Baumstumpf ein und wackelte unzufrieden mit dem Hintern hin und her.
„Ach so!“, lächelte es dann, stand auf und legte die Rinden zurück dahin, wo es soeben noch unruhig gesessen hatte. Nun war es trocken genug, um stillsitzen zu können.
„Doch nicht dumm“, murmelte eine Fichte durchaus zufrieden.
„Danke“, hörte man das Menschlein vor sich hin sagen bevor es die Augen schloss und verschwand.

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