Tara – Folge 1

Ohne was ist alles nichts?

Gedankenverloren saß Tara vor einer Grußkarte. Bisher hatte sie ihren Tanten zum neuen Jahr immer alles Gute und Gesundheit gewünscht. Standard eben. Doch obwohl man oft zu hören bekam, dass ohne Gesundheit alles nichts sei, stimmte es dieses Mal nicht.

Tara hatte kurz vor dem Weihnachtsfest erfahren, wie kurz die ihr verbleibende Lebenszeit noch war. Das nächste Jahr würde sie nicht überleben. Nicht nach allem, was die Ärzte über ihre Krankheit sagen konnten.

Bisher wusste niemand davon. Ihr Ehemann und guter Freund genauso wenig wie die Eltern oder Geschwister; und es den drei kleinen Söhnen zu erzählen, das konnte sie sich erst recht nicht vorstellen.

Mit dem Kugelschreiber klopfte Tara rhythmisch auf das noch leere Stück Papier vor ihr. Was sollte sie also schreiben? Gesundheit war nicht alles. Ganz bestimmt nicht, denn selbst mit ihrer Krankheit, die sie überwältigen würde, wenn nicht noch ein Wunder geschah, genoss sie die Tage mit ihren Kindern. Sie hatte sogar Geduld und Großmut geschenkt bekommen. Schokoladenfinger an der weißen Gardine? Nicht so schlimm. Heimliches Keksenaschen? Da machte sie nun mit. Geschrei und laute Rufe während eines wilden Spiels? Sie fand das heute nur noch zum Lachen und Nachtruhe erkämpfte sie nun auch nicht mehr. Sie genoss das Leben, das ihre drei Buben rund um sie herum so großzügig zur Schau stellten.

Zeit. War es Zeit, die das höchste Gut darstellte? Dass sie noch einige Monate oder gar nur Wochen im Kreise ihrer Familie hatte, schien ihr manchmal wie ein Geschenk, in anderen Momenten wie ein Fluch.

Aber selbst wenn sie noch mehr Zeit zur Verfügung hatte, schien ihr das nicht der Kern zu sein. Wenig oder viel davon war egal, wenn man… tja, was nicht hatte?

Spontan entschied sich Tara und schrieb auf jede einzelne Karte:

Ich wünsche dir für das Jahr 2014 von Herzen Freude am Leben und das immer wieder neu!

 

Folge 2

 

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2 Antworten zu “Tara – Folge 1

  1. Ich finde es unpassend für so einen Eintrag die Worte „schön“ oder „toll“ zu benutzen. Sie werden der Situation von Tara nicht gerecht, aber verdient hätte es der Eintrag, denn mit wenigen Worten zieht es einen in die Geschichte rein.

Dazu möchte ich gerne sagen:

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