Archiv der Kategorie: ein bisschen Philosophie

Natur pur aber nach Norm bitte

Es scheint mir schon, dass viele Menschen Schritte zurück zu mehr Natürlichkeit suchen und machen. Beim Essen, bei der Kleidung, in Bezug auf Pflegeprodukte oder bei der Nutzung von Ressourcen.
Nicht nur, weil mich das Schneckenproblem, bzw. die Lösung eines solchen, scheuen lässt, es ist auch der fehlende Platz, der mich von einer größeren Gemüsezucht abhält. Stattdessen habe ich mich für die Gemüsekiste entschieden. Wöchentlich frisch, keine Maschinen involviert, überschaubarer Lieferweg.
Unter Gleichgesinnten wird dann darüber gesprochen. Da ist zu viel Salat und zu groß. Schon wieder Kraut! Ich kann keinen Mangold mehr sehen! Wer braucht so viel Sellerie? Und warum sind die Salate jetzt so mickrig?

Wir leben in Luxus pur und daran gewöhnt man sich leicht. Es müssen nicht die viel besprochenen Erdbeeren im Winter sein. Wir wollen die Dinge einfach so, wie wir sie uns vorstellen, weil wir wissen, dass es möglich ist.

Ich persönlich reorganisiere mein Denken in Richtung Gemüsekiste, indem ich mir vor Augen halte, dass ein Garten im Frühjahr anderes und in anderen Mengen hervorbringt, als im Hochsommer oder Herbst. Es tut gut, sich im Folgen der Natur zu üben. Und in neuen Rezepten.

Natürlichkeit ist nicht immer abenteuerlich und Frohsinn pur. Was nicht bedeutet, dass man ihr nicht mit ebendiesen Qualitäten begegnen kann.

 

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Der passende Ton

Musik taucht in meinem Leben ganz von alleine auf. Dann gibt es Phasen – sie kommen wieder; mit Muße aber Gott sei Dank – in denen ich darin schwelge, bade, aufgehe, untertauche, träume und dadurch werden bestimmte Interpret:innen oder Lieder mit Emotionen, Lebens- oder Schaffensphasen verwoben.

Welche Freude, wenn so etwas Vergangenes ganz unvorhergesehen wieder Einzug hält.

Natürlich waren nicht alle diese musikunterlegten Zeiten nur schön oder angenehm. Es sind Freunde, die von damals erzählen und mir zeigen, welcher Weg dazwischen liegt und welche Herzverbindung dennoch besteht. Verloren ist nichts aber nicht alle Gäste müssen in meinem Seelenhaus wohnen bleiben. Das wäre dann auch zu voll. In Gastfreundschaft loslassen – sozusagen.

Musikgeschenke von Familie und Freunden mag ich sehr gerne. Selbst dümpelt man ja vorzugsweise in der gleichen Soße. Alin Coen ist ganz neu bei mir eingetrudelt. Danke!

 

 

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Alles fließt

Kaum auf die Beine gekommen, schicke ich per Knopfdruck drei Liter den Abfluss hinunter. Es folgt das Warten auf warmes Wasser und das Drunterstellen. Als nächstes was zu trinken und mein Frühstück gäbe es auch nicht ohne.

Wasser.

Ich lese von den Turkana in Kenia, welche, wie viele, viele andere, unter einer Dürre leiden. Schon in der ersten halben Stunde meines Tages kann ich dem Thema nicht entfliehen. Es sind klitzekleine Bewegungen und das flüssige Gold sprudelt aus allen Leitungen. Marshall B. Rosenberg tönt in mir. Er sagt (in etwa), dass keiner jemals vollständig satt sein kann, solange es Hunger auf der Welt gibt.

Dieses Gefühl kenne ich. Wasser ist für mich in erster Linie Genuss, Notwendigkeit, Erfrischung, Reinigung. Oftmals noch selbstverständlich obendrein. Nur, ganz ohne Nachhall geht es nicht. Überschwemmungen oder Dürren, um in bekannten Extremen zu sprechen, schaffen es, wieder in Beziehung zum Wasser und zu Unbekannten zu treten. Wir sind eins. Dieses Bewusstsein ist auch nicht selbstverständlich. Schätzen wir die Momente, die uns das von Zeit zu Zeit ins Bewusstsein bringen.

 

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Lesen – die andere Seite

Lesen ist gesellschaftlich grundsätzlich anerkannt und zählt zu Zeitvertreiben, die positiv konnotiert sind. Viel lesen ist gut und bestimmte Sachen umso besser.

Ebenso en vogue ist Achtsamkeit und das Leben im Jetzt. Bewusstheit im Alltag, Yoga, Tai Chi, Zen, Meditation, achtsames Selbstmitgefühl und viele Angebote und Wege mehr.
Sie bieten – zum Teil auch explizit – eine andere Sichtweise auf das Lesen; vor allem von Romanen. Dieses Eintauchen in Geschichten nämlich ist ein Entfernen vom Hier.

Ja, ich kann das verstehen. Wurde schon darauf hingewiesen, dass ich ein Buch endlich beiseite legen soll. Nicht zuletzt trippeln jetzt auch kleine Füße schnell herbei und klappen den Deckel zu.

Vielleicht eine Überlegung wert.

 

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Zarte Chancen

Scheideweg am Inskriptionsbüro.

Operationstechniken entwickeln, mit Schülern und Innen über den Sinn von Mathematik im Curriculum diskutieren, Entwicklungshilfelogistik leiten, Vielfalt und Reibeisen der Pflichtverteidigung erleben, Manifeste fürs Gender Mainstreaming verfassen.

Chancen als zarte Knospen erahnbar.

Einem frostigen Wettereinbruch im Frühling gleich wird nur eine erblühen.

Der Gang des Lebens.

Nur hin und wieder sieht man Bäume später noch voller Träume hängen.

 

Angeregt in dieser Form von Caroline

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Damit musst du leben

So lautet die ärztliche Diagnose und ich fühle mich zu jung dafür. Zu jung, um überhaupt mit etwas leben zu müssen, das nicht passt. Das stört, das schmerzt.
Natürlich könnte mein Lebensweg hinter der nächsten Biegung mit einem Woosh und Plopp zu Ende sein. Dann wäre nicht viel zu sagen.

Ich gehe aber – wie die meisten – nicht davon aus. Das „Du musst damit leben“ sehe ich in erster Linie als Grenze ihres Wissens und Glaubens.

Ich suche weiter. Was sind nicht schon für tolle und bemerkenswerte Dinge daraus entstanden. Weil jemand nicht glauben wollte, dass er nie mehr gehen könne. Oder beruflich nur ein geschützter Arbeitsplatz vor einem Papiershredder übrig bleibe. Nicht, dass ich meine, die Welt aus den Angeln heben zu können. Nicht eure.

Aber meine vielleicht.

Da geht noch mehr, sage ich!

 

 

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All about the cat

Die Wahrheit ist ein Meer von Grashalmen,
das sich im Winde wiegt;
sie will als Bewegung gefühlt,
als Atem eingesogen sein.

Ein Fels ist sie nur für den,
der sie nicht fühlt und atmet;
der soll sich den Kopf an ihr blutig schlagen.

Elias Canetti 1973

Die Wahrheit ist nicht fest. Hängt von vielen Faktoren ab. Von der Frage. Dem Ort. Der Möglichkeit, die Antwort aufzunehmen.
Wenn wir über einen Aufenthalt in der Natur sprechen, meinen wir alle etwas anderes. Für mich zum Beispiel kaum vorstellbar, aber es gibt Menschen, die noch nie einen Baum in echt vor sich hatten und angesichts eines freien Feldes mit Gras in Panik verfallen würden. Diese Welt ist größer und bietet mehr, als wir uns meist vor Augen halten.

Was das alles mit einer Katze zu tun hat? Wem Schrödinger etwas sagt, ahnt es jetzt vielleicht. Oder wer Quantenmechanik zum Hobby zählt. Die anderen können über Schrödingers Katze online einiges finden. Ich sage nur: Sie ist gleichzeitig lebendig und tot.

Öffnen wir unseren Horizont für mehr.

 

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Hätte ich doch…

Lange fiel es mir schwer Wünsche oder Träume zu formulieren. Was ich noch erleben oder erledigen wollte, bevor… ja, was? – die Welt untergeht, ich den Löffel abgebe, der nächste runde Geburtstag ansteht. Es war für mich leicht, genau so, wie es war, die Rechnung zu unterschreiben, Trinkgeld drauf und gut.

Im Wesentlichen hat sich daran nicht viel geändert. Außer, dass mir der Gedanke gefällt, so in den letzten Minuten von was auch immer an ein, zwei Hätte in meinem Leben zu denken. Ein kleines Portiönchen sehnsuchtsvolles „Danke trotzdem“.

Mit der Suche nach etwas Passendem habe ich mittlerweile zwei Schätze in mir.

Eines davon ist Lindy Hop.

Mir gefällt die Musik, die Stimmung, die Bewegung.

Es ist ein Hätte und kein Abgehakt, weil

  • ich genau wie die meisten Menschen in meinem nächsten Umfeld eine überschaubare Beweglichkeit in der Hüfte geerbt habe. Wer Pech hat, schlägt sich mit der Steifheit eines Berges durchs Leben, wer Glück hat, erinnert an eine Tanne im Wind (mittlere Stufe).
  • mein motorisches Vermögen bescheiden ist. Das heißt: langsam. Langsamer als der Durchschnitt möchte ich zumindest vermuten. Was im Kopf noch klar ist, wird im Stille-Post-Spiel mit den Extremitäten zu… Matsch.
  • es familiär gesehen nicht gerade die unkomplizierteste aller Zeiten für die Organisation eines Tanzkurses ist, der
  • zudem mindestens eine Stunde Fahrt entfernt stattfindet. Wenn überhaupt. Ich habe noch keinen gefunden (zugegeben: auf die Schnelle).
  • ein Tanzpartner fehlt.
  • angenommen, ich komme bis hierher… Nach dem Kurs und dem Können wider alle biologische Wahrscheinlichkeit stellt sich die Frage: Wie geht es weiter? Oder lerne ich ins Blaue hinein, als ob ich Suaheli studiere, ohne jemals in die Nähe einer Situation zu kommen, in der mir das was bringen könnte?

Nichts desto Trotz! Keine Sorge, keinen Punkt sehe ich als absolutes Hindernis. Und wenn ich mit Samba im Blut zur Welt gekommen wäre, direkt neben einer Lindy-Hochburg wohnen würde und einen Partner hätte, der sich nichts sehnlichster wünscht als mit mir diesen Tanz zu lernen und fortan regelmäßig zu praktizieren, dann wär’s ja eben nicht der Schreibe wert.

Es darf also mein Hätte bleiben. Mit roter Schleife als gern gesehener Begleiter. Eines Tages wird das Paket vielleicht noch aufgeschnürt (dann brauche ich ein anderes Seufz-Hach-Hätte-Sehnsüchtlein für den Schluss). Ansonsten geht es mit durch die Pforte und wir sehen, was im nächsten Leben daraus wird.

 

 

 

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Neujahr ist ein Montag

Nun, die Genauen unter den Leser:innen wissen, dass das rein faktisch gesehen nicht stimmt. Zumindest nicht in diesem Jahr.

Die Sache mit dem Neujahrsvorsatz liegt mir im Sinn. Ja oder Nein? Schließlich geht das Leben weiter, ein Tag folgt auf den anderen. Warum solle ich krampfhaft für diesen Tag einen Plan schmieden, der achselzuckend oder belächelt ganz leicht auch wieder fallengelassen wird? Fast schon rituell möchte ich meinen.

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.

Bekannte Zeile von Hermann Hesse. Und diesen Zauber kann ich in Bezug auf Neujahr sehr wohl spüren. Eine taufrische Siebzehn erwartet uns. Ein Erster. Und Jänner.

Artverwandt sind Montage. Ja, doch. Versuch es einmal. Eine neue Woche liegt vor dir. (Was das mit dir macht, ist natürlich nicht festgeschrieben.) Ein klein wenig wollte ich im Berufsleben jede Woche etwas besser als die letzte machen. Den Stapel abarbeiten. Früh genug für Termine aufbrechen. Weniger Kaffee. Ein persönliches Gespräch mit einer Kollegin/einem Kollegen führen. In der Mittagspause spazieren. Den Jahresbericht lesenswert gestalten.

Der Zauber umspielt jeden neuen Morgen, jeden Wochenendbeginn, Geburts- und Todestage. Es sind Ringe, die sich vollenden (um mit Rilke zu sprechen) und wieder weiterkreisen.

Ich will hier niemanden Narr nennen, doch fehlt mir gerade eine andere prägnante Bezeichnung für jene, die mit Vollendung auch ein Ende, Schluss und Fertig erwarten.

Das wusste ich schon vor dem Milleniumssprung und dem 21.12.2012 (Stichwort Mayakalender). Wie gesagt. Nur Narren…

Auf den Zauber hingegen, auf den verzichte ich nicht. Darum habe ich auch Ideen für 2017. Mit Freude erwarte ich, was daraus wird.

 

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the ART of PEACE

Life is within death, death is within life; you must exist right here, right now!

Morihei Ueshiba

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